Hurtigruten an britische Investoren verkauft

schwedenelch
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Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von schwedenelch »

http://www.tagesschau.de/ausland/hurtig ... n-101.html

(Mehr oder minder) Ohne Not geben die Norweger das Ruder aus der Hand und verkaufen die wohl traditionellste Schiffslinie ganz Nordeuropas. An Finanzinvestoren. Das versteh wer will.... ich kann dem nichts wirklich positives abgewinnen.
Michel T.
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von Michel T. »

Das scheint leider der Lauf der Dinge zu sein, in der heutigen Zeit. Meinen geliebten Nürburgring hat man, mit der selben Methode, auch zum Tode verurteilt. :evil:
spirit
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von spirit »

Bleibt abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt. In anderen Bereichen klappt das schließlich auch.
Bei VOLVO z.B. geht es nach dem Weggang von Ford endlich mit den Chinesen, die vielfach im Vorwege für Heuschrecken gehalten wurden, wieder bergauf....
Qualität steigt wieder an und die Neuvorstellungen zeigen wieder die alte Qualität.
Es muß also der Übergang an andere Investoren nicht nur schlecht sein.

FSG Flensburg ist auch gerade an einen potenten Investoren in eigener Sache verkauft worden.
Man darf davon ausgehen, dass die Siem Gruppe Qualität für ihren Offshore-Bereich unter eigener Regie bauen will.
Das sichert somit Qualität und Arbeitsplätze.

Gruß aus dem Hohen Norden
schwedenelch
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von schwedenelch »

spirit hat geschrieben: Bei VOLVO z.B. geht es nach dem Weggang von Ford endlich mit den Chinesen, die vielfach im Vorwege für Heuschrecken gehalten wurden, wieder bergauf....
nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich? Die chinesen haben ein gewisses eigeninteresse in der Automobilbranche

Im Falle von Hurtigruten muss man einfach sehen, das das letztlich kein normales Wirtschaftsunternehmen ist, sondern in gewisser Weise ein nationales Symbol und gerade für die nördlicheren Häfen eine Lebensader. Gerade im Winter es es ein Zuschußgeschäft, alle Häfen täglich anzusteuern. Es gibt einen Staatsvertrag hierfür, der noch 5 Jahre läuft, es gibt gewisse staatliche Subvention.

Und DAS beisst sich in meinen Augen in eklatanter Weise mit Zielen die ausländische FINANZ-Investoren haben. DA geht es nämlich nicht ums Schiff, nicht um bestimmte Häfen oder Identifikation, sondern da geht es ums Geschäft, ums schnelle Geldverdienen. Heisst also: staatliche Subventionen fliessen jetzt ins Ausland ab.

Und das ganze in sofern ohne Not, als das Norwegen ein eher reiches Land ist, was den Betrieb auch ganz gut allein stemmen könnte. Natürlich hat die Hurtigruten ASA seit einigen Jahren Verluste eingefahren, aber wäre es nicht besser diese inländisch zu kompensieren? Bis dato ist sämtliches Personal norwegisch, alle Schiffe unter norwegischer Flagge (sicher nicht die billigste Lösung, aber da kommt eben wieder die hohe Identifikation mit dieser besonderen Linie zum tragen) . Das kann man sich an drei Fingern ausrechnen, was da passiert, allerspätestens wenn der Staatsvertrag ausläuft, wird da sicher kaum ein Schiff unter norwegischer Flagge bleiben. Das gibt dann Hurtigruten der beliebigkeit Preis, sollte die Anlaufpflicht für alle Häfen fallen, ist Hurtigruten dann nur noch ein beliebiges Kreuzfahrtunternehmen am Markt, was durch die Fjorde fährt... Aber vielleicht haben sich die Londoner Herren ja schon bei der Reederei Deilmann erkundigt, wie so etwas erfolgreich den Bach runter gewirtschaftet wird...
Alexander
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von Alexander »

Manche Leute haben echt eine Art Beißreflex, wenn sie nur das Wort "Finanzinvestor" hören. Dabei scheren sie alle Unternehmen dieser Gruppe über einen Kamm. Das man hier ein wenig differenzieren sollte, dürfte aber jedem klar sein, der sich ein wenig auskennt. Natürlich gibt es sie, die "Heuschrecken", die übernommene Firmen gnadenlos ausschlachten, um kurzfristig Reibach zu machen. Diese Unternehmen schaffen es häufig in die Schlagzeilen. Aber es gibt auch das Gegenteil (und ich schätze fast, daß das die Mehrheit ist): Finanzinvestoren, die mit dem Kauf von anderen Unternehmen eine langfristige Strategie verfolgen, die ihr Geld langfristig und nach nachhaltig investieren, um eine (gegenüber den Heuschrecken) bescheidene, dafür aber dauerhafte Rendite zu erwirtschaften.

Ich sag's mal so: aufgrund der derzeitigen extremen Niedrigzinsphase muß man nach alternativen Investments suchen, wenn man Geld verdienen will.

Alexander
Meine Schiffsfotos bei Fotocommunity: http://home.fotocommunity.de/squarerigg ... 4&g=240434
tulilautta
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von tulilautta »

Ich kann da Schwedenelch nur zustimmen: das Unternehmen fährt nicht kostendeckend. Daher kommt sobald es geht die Ausflaggung und der Ersatz an billigem Personal - vielleicht gar Philipinien oder so. Auf jeden Fall war schon (auch ohne das ich vorher von den Plänen wusste) an Bord zu spüren das da was auf die Stimmung drückt. Jedenfalls wird sich dann der Service nicht grad verbessern, was zu weniger Buchungen führt. Und was ich eher befürchte: klar dann müssen nicht mehr alle Häfen bedient werden. Dann kann man auch mal fix die Route straffen, und entweder die 2 ältesten Schiffe verkaufen oder (da wenn ich mich recht erinnere 2 Schiffe immer noch verkauft und geleast sind mit Rückkaufoption) diese einfach bequem loswerden.

Ich bin jedenfalls mal gespannt ob es in 2-3 Jahren für mich noch einen ANlaß geben wird erneut diese Reise zu unternehmen...
Michel T.
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von Michel T. »

Das Problem bei einem Investor ist, wie hier ja schon geschrieben wurde, dass es nur ums Geld verdienen geht. Das ist, für mich jedenfalls, der Grund warum ich sowas verabscheue. Es kann natürlich ein Vorteil für Unternehmen sein, wenn die Finanzkraft durch einen Investor gestärkt wird, aber meistens haben die Investoren garkeinen Bezug zum Unternehmen oder kein Interesse am eigentlichen Vorhaben des Unternehmens. Dem Investor ist es egal ob Leute gehen müssen, Schiffe ausgeflaggt, oder öffentliche Interessen am Unternehmen berücksichtigt werden (Bsp.: Nordschleife). So lange die Kohle sich vermehrt, scheißen die auf Meinungen von außen. Gerade bei Unternehmen die vorher in öffentlicher Hand waren ist es zum heulen, wenn an Privat verkauft wird. Man kommt da nie wieder drann.
Ich weiß, das ist nicht das richtige Forum, aber ich kann meinen Unmut am Beispiel Nürburgring vielleicht am besten darstellen.
Wenn "wir" Pech haben, dann ist die Nordschleife für die Öffentlichkeit in Zukunft tabu und dort werden sich nurnoch russische Ölmultis austoben. Da wird ein einzigartiges Bauwerk und eine Legende verschenkt (bei dem Kaufpreis kann man schon von verschenken reden) und das bricht mir das Herz.
Die Hurtigruten sind, in gewisser Weise, auch ein Kulturgut in Norwegen, das man jetzt für immer aus der Hand gibt.
Also entschuldigt mich, wenn ich hier "alle über einen Kamm schere". Ich habe meinen Glauben an das Gute und in die Politik, in der Hinsicht, verloren.
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JanMartin
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von JanMartin »

Der Rote Faden dieser Diskussion: Wenn ein Unternehmen Verlust macht, wie lange würde es weitermachen können; andererseits ist es schon merkwürdig, daß das schwerreiche Norwegen zwar subventioniert, wenn das so stimmt, dann aber keine Steuergelder in die Hand nimmt, um eine der wichtigsten Infrastrukturadern des Landes aufrechtzuerhalten.
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von Spatenpauli »

Ich würde auch sagen, die Norweger stehlen sich aus der Verantwortung. Was in der heutigen Zeit für Entscheidungen von Politikern getroffen werden, da kann man nur noch den Kopf schütteln. Von Weitsicht ist da nichts mehr vorhanden. Wo soll da nur der Zug noch hingehen. Ich bin heil Froh schon im Rentenalter zu sein. :oops:
MfG aus Bremen
Zuletzt geändert von Spatenpauli am So 2. Nov 2014, 17:14, insgesamt 1-mal geändert.
Garsvik
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Re: Hurtigruten an britische Investoren verkauft

Beitrag von Garsvik »

Wenn die Alternative ist, dass der Betrieb eingestellt wird, ist der Investor die bessere Lösung.
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