Hallo,
es werden ja fröhlich RoRos zwischen Mittelmeer, Nordsee und Ostsee hin und her verschoben. Auf der Ostsee gibt es Eis. Bei der Baltic Amber hat Ave Line ja thematisiert, dass das Schiff keine geeignete Eisklasse hätte. Aber sie fährt da. Aktuell wurde die Liverpool Seaways auch in die Ostsee verschoben.
Welche Eisklasse haben normale RoRos? Welche benötigt man zwingend für einen Einsatz in der Ostsee? Wird in Kauf genommen, dass die Schiffe bei bestimmten Eislagen nicht fahren können oder ist das Thema diesseits von Klaipeda eh noch nicht so gravierend?
Grüße
Kai
Frage zur Eisklasse
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KaiR
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Globus
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Re: Frage zur Eisklasse
KaiR hat geschrieben:Hallo,
Welche Eisklasse haben normale RoRos? Welche benötigt man zwingend für einen Einsatz in der Ostsee?
Kai
Zwingend keine!
Wenn man im Winter Ostsee fährt, empfiehlt sich die Eisklasse..
Wir waren schon mit dem Bananenjäger in Finnland. Ohne Eisklasse im Winter.
Mit der RoRo-Fähre, gebaut für die Ostsee "GL + 100A4 E 3 RoRo-Schiff.
Gruß Globus.
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KaiR
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Peter Hartung
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Re: Frage zur Eisklasse
Moin!
@ KaiR: Ich versuche mal Deine Fragen zu beantworten.
"Die Finnish-Swedish Ice Class Rules (FSICR) sind in vier Eisklassen unterteilt.
Sie kennzeichnen die Dicke des Eises, in denen sich die Schiffe in Begleitung von Eisbrechern sicher bewegen können:
Jede Klassifikationsgesellschafte verfügt über eigene Kategorien, die auf den Finnish-Swedish Ice Class Rules basieren.
So entspricht beispielsweise die Eisklasse E4 des Germanischen Lloyd der höchsten FSICR-Klasse IA Super.
Schiffe mit Eisklasse erfüllen besondere technische Anforderungen bei Konstruktion und Ausstattung. Neben einem verstärkten Rumpf auf Höhe des Wasserpasses, dem so genannten Eisgürtel, ist ein geringerer Spantenabstand sowie eine technisch stärkere Auslegung des Ruders und der Propelleranlage erforderlich. Das Gesamtgewicht des Schiffsrumpfs erhöht sich durch die Erfordernisse der Eisklassen. Bei kleineren Schiffen ist der zusätzliche Stahlanteil höher. Bei größeren Schiffen fallen die erforderlichen Verstärkungen geringfügiger aus. (...) Auch eine höhere Maschinenleistung ist nötig, um je nach Eisklasse eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf Knoten im eishaltigen Fahrwasser zu erzielen."*
Eisklasse - Eisdicke*
IA Super - 1,0 m
IA - 0,8 m
IB - 0,6 m
IC - 0,4 m
Das wären also die technischen Voraussetzungen für die Eisfahrt.
Es ist aber eine Frage der Risiko-Abschätzung und der Fahrterlaubnis durch die schwedischen und finnischen Schifffahrts-/Eisbrecher-Behörden. Und letztlich eine ökonomische Frage.
"Die Eisklasse von (Frachtschiffen) ist nicht allein aufgrund der klimatischen Bedingungen in nördlichen Seegebieten von Bedeutung. Auch hinsichtlich der laufenden Betriebskosten – die Anrainerstaaten erheben von den Reedern in den von Eis betroffenen Seegebieten Gebühren – sind sie von Vorteil. Die Anrainerstaaten berechnen die Gebühren nach der Schiffstonnage und der entsprechenden Eisklasse." (...) Eine Eisklasse führe zu einer Reduzierung der Eisbrechergebühren. "Je höher die Eisklasse, um so geringer sind die Gebühren für die Eisbrechereskorte."*
Die Finnisch-Swedisch Eisklasse E 3 gewährleiste höchste Charterraten. Wer es billiger haben wolle, nimmt Schiffe ohne Eisklasse, zahlt aber dann bei den Eisbrechergebühren oben drauf.
"Die Bestimmung von Eisklassen in der weltweiten Seeschifffahrt erfolgt nach den „Finnish-Swedish Ice Class Rules“ (FSICR) der finnischen and schwedischen Schifffahrtsbehörden. An diesen Regeln orientieren sich alle Klassifikationsgesellschaften, Werften, Reedereien und maritime Behörden, wenn es um die besondere Ausstattung von Seeschiffen für den Einsatz in eisigen Gewässern geht."*
Zwar gibt es auch spezielle Eisklassen für arktische Gewässer, diese sind aber für die internationale Handelsschifffahrt bisher kaum relevant.
Welche Eisklassen die von Dir gemeinten Schiffe haben, solltest Du über die Datenbanken der verschiedenen Klassifizierungsgesellschaften selbst herausfinden können.
Hope this may assist.
mfg Peter Hartung
* Quelle: "SCHIFFBAU INDUSTRIE" 1/2005, Seite 34 und 35 (Beitrag des Germanischer Lloyds)
@ KaiR: Ich versuche mal Deine Fragen zu beantworten.
"Normale RoRos"? Ich vermute, Du meinst RoRos, die im Winter bis in den nördlichen Botten fahren? Dann sollten sie eine der höchsten Eisklassen E 3 oder E 4 des Germanischen Lloyds haben (siehe unten).KaiR hat geschrieben:Welche Eisklasse haben normale RoRos? Welche benötigt man zwingend für einen Einsatz in der Ostsee? Wird in Kauf genommen, dass die Schiffe bei bestimmten Eislagen nicht fahren können oder ist das Thema diesseits von Klaipeda eh noch nicht so gravierend?
"Die Finnish-Swedish Ice Class Rules (FSICR) sind in vier Eisklassen unterteilt.
Sie kennzeichnen die Dicke des Eises, in denen sich die Schiffe in Begleitung von Eisbrechern sicher bewegen können:
Jede Klassifikationsgesellschafte verfügt über eigene Kategorien, die auf den Finnish-Swedish Ice Class Rules basieren.
So entspricht beispielsweise die Eisklasse E4 des Germanischen Lloyd der höchsten FSICR-Klasse IA Super.
Schiffe mit Eisklasse erfüllen besondere technische Anforderungen bei Konstruktion und Ausstattung. Neben einem verstärkten Rumpf auf Höhe des Wasserpasses, dem so genannten Eisgürtel, ist ein geringerer Spantenabstand sowie eine technisch stärkere Auslegung des Ruders und der Propelleranlage erforderlich. Das Gesamtgewicht des Schiffsrumpfs erhöht sich durch die Erfordernisse der Eisklassen. Bei kleineren Schiffen ist der zusätzliche Stahlanteil höher. Bei größeren Schiffen fallen die erforderlichen Verstärkungen geringfügiger aus. (...) Auch eine höhere Maschinenleistung ist nötig, um je nach Eisklasse eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf Knoten im eishaltigen Fahrwasser zu erzielen."*
Eisklasse - Eisdicke*
IA Super - 1,0 m
IA - 0,8 m
IB - 0,6 m
IC - 0,4 m
Das wären also die technischen Voraussetzungen für die Eisfahrt.
Es ist aber eine Frage der Risiko-Abschätzung und der Fahrterlaubnis durch die schwedischen und finnischen Schifffahrts-/Eisbrecher-Behörden. Und letztlich eine ökonomische Frage.
"Die Eisklasse von (Frachtschiffen) ist nicht allein aufgrund der klimatischen Bedingungen in nördlichen Seegebieten von Bedeutung. Auch hinsichtlich der laufenden Betriebskosten – die Anrainerstaaten erheben von den Reedern in den von Eis betroffenen Seegebieten Gebühren – sind sie von Vorteil. Die Anrainerstaaten berechnen die Gebühren nach der Schiffstonnage und der entsprechenden Eisklasse." (...) Eine Eisklasse führe zu einer Reduzierung der Eisbrechergebühren. "Je höher die Eisklasse, um so geringer sind die Gebühren für die Eisbrechereskorte."*
Die Finnisch-Swedisch Eisklasse E 3 gewährleiste höchste Charterraten. Wer es billiger haben wolle, nimmt Schiffe ohne Eisklasse, zahlt aber dann bei den Eisbrechergebühren oben drauf.
"Die Bestimmung von Eisklassen in der weltweiten Seeschifffahrt erfolgt nach den „Finnish-Swedish Ice Class Rules“ (FSICR) der finnischen and schwedischen Schifffahrtsbehörden. An diesen Regeln orientieren sich alle Klassifikationsgesellschaften, Werften, Reedereien und maritime Behörden, wenn es um die besondere Ausstattung von Seeschiffen für den Einsatz in eisigen Gewässern geht."*
Zwar gibt es auch spezielle Eisklassen für arktische Gewässer, diese sind aber für die internationale Handelsschifffahrt bisher kaum relevant.
Welche Eisklassen die von Dir gemeinten Schiffe haben, solltest Du über die Datenbanken der verschiedenen Klassifizierungsgesellschaften selbst herausfinden können.
Hope this may assist.
mfg Peter Hartung
* Quelle: "SCHIFFBAU INDUSTRIE" 1/2005, Seite 34 und 35 (Beitrag des Germanischer Lloyds)
Alle Fotos von Peter Hartung sind (falls nicht anders angegeben) unter einer
Creative Commons-Genehmigung lizenziert. Siehe hier: Foto-Lizenz: CC-BY-NC-ND
Creative Commons-Genehmigung lizenziert. Siehe hier: Foto-Lizenz: CC-BY-NC-ND
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KaiR
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Re: Frage zur Eisklasse
Hallo,
Dann habe ich das jetzt verstanden. Danke für die Information.
Grüße
Kai
Heißt also, wenn sie nur bis ins Baltikum fahren ist das Thema gar nicht so relevant?Peter Hartung hat geschrieben: "Normale RoRos"? Ich vermute, Du meinst RoRos, die im Winter bis in den nördlichen Botten fahren? Dann sollten sie eine der höchsten Eisklassen E 3 oder E 4 des Germanischen Lloyds haben (siehe unten).
heißt: schlimmstenfalls zahlen die Betreiber mehr Eisbrechergebühren? Im Prinzip aber können auch Schiffe wie Baltic Amber und Liverpool Seaways mit vertretbarem Risiko in der Rigaer Bucht fahrenPeter Hartung hat geschrieben:Die Finnisch-Swedisch Eisklasse E 3 gewährleiste höchste Charterraten. Wer es billiger haben wolle, nimmt Schiffe ohne Eisklasse, zahlt aber dann bei den Eisbrechergebühren oben drauf.
Dann habe ich das jetzt verstanden. Danke für die Information.
Grüße
Kai
Grüße,
Kai
Kai
