Dies war und wird ein einmaliger bzw. letztmaliger Besuch dieses Schiffes bleiben und ich möchte die - wie ich finde - spannende Geschichte,
die sehr gut bei Wikipedia nachzulesen ist: https://de.wikipedia.org/wiki/Logos_Hope hier in Teilen mit Bildern untermauern,
die zu 98% von mir selber im Laufe der Jahre aufgenommen wurden. Dabei sind einige Scans von über 40 Jahren alten Negativen,
deren Qualität leider nicht mehr die beste war - ich bitte deshalb die Bilder nur als Dokumentation zu verstehn.
Aufgrund seiner Geschichte und Routen war dieses Schiff für mich von Anfang an interessant. Gebaut wurde sie 1973 auf der
legendären Nobiskrug Werft in Rendsburg, die dann leider dreizehn Jahre später in Konkurs ging. Die "Logos Hope" ist die
letzte der vielen dort gebauten noch aktiven (Fähr-)Schiffe, auf Kiel gelegt als "Gustav Vasa" für Saga-Linjen. Für diese Reederei
fuhr sie dann auch bis 1983 auf der Route Malmö-Travemünde und wurde dann an die Reederei Smyril-Line von den Färöer-Inseln verkauft.

Im Sommer 1983 konnte ich die damals "neue" Norröna, einziges Schiff der ebenfalls neugegründeten Smyril Line und Nachfolgerin der
legendären alten SMYRIL (ex Morten Mols) https://www.shipspotting.com/photos/380 ... est&page=1 das erste Mal in Hanstholm treffen. Ihre Route Hanstholm-Torshavn-Scrabster-Bergen-Torshavn-Seydisfjördur-Torshavn-Hanstholm war damals ein einwöchiger Rundkurs und wurde zu Anfang nur im Sommer betrieben.
Skurril dabei war, dass einige Fahrzeuge noch zusätzlich per Kran auf das Sonnendeck gehievt wurde, weil die vorhandene Stellfläche für Fahrzeuge wohl nicht ausreichend war. Dies wurde jedoch nach meinen Kenntnissen nur im ersten Betriebsjahr so praktiziert.
Die folgenden Fotos von 1983 (Scans von Negativen) zeigen erst die NORRÖNA in Hanstholm und dann die eben beschriebene Kranverladung:





Da die Stammroute als Hartwetter-Route in den Anfangsjahren nur bis Ende August betrieben wurde, vercharterte Smyril Line ihr Schiff in den Wintermonaten oft erfolgreich. So kam die NORRÖNA unter anderem auf der Route Kiel-Korsör zum Einsatz (leider habe ich das DAtum des Einsatzes nicht mehr finden können).

Aber auch TT-Line charterte die NORRÖNA zeitweise für die Route Travemünde - Trelleborg in 1987. Damit kam sie dann kurzzeitig auf ihre
Ursprungsroute zurück.

1988 und 1989 charterte das damalige Hamburger Reiseunternehmen "Thematik Reisen" die NORRÖNA jeweils für Reisen ins Baltikum, nach Norwegen und nach England. Bei der ersten sog. "Heimweh-Reise", die von Hamburg durch den NOK nach Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Riga und Klaipeda nach Kiel führte begleitete ich meine Großmutter. Sie wollte noch einmal ihre alte Heimat Memel (heute Klaipeda), die Kurische Nehrung und auch das "Ännchen von Tharau" wiedersehen. Dies war übrigens der "offizielle" Erstanlauf des Schiffes in Hamburg …
Die Tour starte von den Hamburger Landungsbrücken vom damaligen England-Terminal an Brücke 1. Besonders komfortabel war, dass alle Passagiere ihr Auto ohne Zusatzkosten mit an Bord nehmen konnten und so in Kiel wieder von Bord fahren konnten. Allerdings war es nicht möglich, zwischenzeitlich von Bord zu fahren.
Einige Impressionen dieser Reise zeigen die nun folgenden Bilder:




Hier lagen wir mit der NORRÖNA in Stockholm und Riga. Von Klaipeda liegen leider keine Bilder vor, weil wir dort nicht fotografieren durften.
Die NORRÖNA war damals das erste westliche Passagierschiff, dass diesen Hafen anlaufen durfte. Wir lagen unmittelbar am Anleger der
Mukran-Fähren. Das war ein besonderes Erlebnis - aber auch die Fahrt mit meiner Oma zur Kurischen Nehrung, eine herrliche einsame und damals noch sehr ursprüngliche Dünenlandschaft, wo uns sogar zwei Elche begegneten. Meine Oma konnte noch einmal ihr Geburtshaus sehen und war danach zufrieden.


Thematik Reisen bot damals noch weitere Fahrten mit der NORRÖNA an, z.B. speziell für Feuerwehren und deren Mitglieder eine Kreuzfahrt in die norwegischen Forde. Dort wurde dieses Bild aufgenommen, welches nicht von mir stammt.

Da Thematik Reisen dann Anfang der 90er Jahre insolvent ging, wurden leider auch diese Reisen nicht mehr veranstaltet.
Eine Fährverbindung zwischen Wismar und Newcastle wurde im September 1994 eingerichtet und existierte nur extrem kurz. Wegen mangelnder Nachfrage und starker Kritik an den extremen Bedingungen (viele Passagiere litten bei der 36 stündigen Überfahrt unter starker Seekrankheit) wurde die Linie nach nur vier Wochen wieder eingestellt. Eingesetzt wurde hierfür ebenfalls die NORRÖNA, als "WISMAR 2". Allerdings bekam sie diesen Namen nie angeschrieben.
Das Bild zeigt das Schiff in Wismar nach der Ankunft von ihrer ersten Reise.

In den Jahren danach wurde die Route auf die Färöer und nach Island dann als Ganzjahresroute betrieben. Ich fuhr in der Zeit zweimal mit nach Island und hatte jedesmal sehr schlechtes Wetter, welches die Norröna bewunderswert meisterte - als ehemalige Ostseefähre durchaus nicht selbstverständlich.
2003 wurde dann die neue NORRÖNA, als letztes bei der Flender-Werft in Lübeck gebautes Schiff, in Dienst und die NORRÖNA 1, wie sie fortab hieß, außer Dienst gestellt.
Durch einen Zwischenfall im Januar 2004 kollidierte die neue NORRÖNA bei stürmischem Wetter mit der Hafenmauer in Tórshavn und wurde beschädigt. Für die zweimonatige Reparaturzeit (bei Blohm & Voss in Hamburg) wurde die NORRÖNA 1 noch einmal reaktiviert und anschließend wieder im Kalkbrænderihavnen in Kopenhagen aufgelegt und man sah ihr die vielen Jahre auf der Hartwetterroute dann auch an (das Foto ist von 2004 als sie bereits an OM verkauft und in "Logos Hope" umbenannt wurde)

Das Schiff wurde anschliessend nach einer kurzen Zwischenaufliegezeit in Malta nach Trogir in Kroatien in die Brodotrogir-Werft überführt. Hier wurde sie bis 2007 grundlegend renoviert und zum Bücher- und Konferenzschiff umgebaut.
Im November 2007 wurde die "Logos Hope" dann für den Innenausbau nach Kiel verlegt, wo sie auch auf die "Logos II" traf, deren Aufgaben sie dann übernahm. Die folgenden Bilder sind bei der Ankunft in Kiel am 26.11.2007 entstanden, wo sie begeistert begrüßt wurde:




Im Mai 2008 wurde nach Landskrona in Schweden ins Trockendock verholt, wo eine neue Hilfsmaschine eingebaut wurde.
(beide Bilder nicht von mir, 1. Bild Urheber unbekannt, 2. Bild Werft-Webcam Screenshot)


Ab Juli 2008 befand sie sich in Køge in Dänemark, um sie für die Erfordernisse der Passenger Ship Safety Certificate (PSSC) vorzubereiten. Das Zertifikat wurde am 14. Februar 2009 von einem Gutachter von Lloyd’s Register erteilt. Am 19. Februar verließ die "Logos Hope" Køge und nahm am Tag darauf in Göteborg, Schweden, ihren Dienst als weltweites Missionsschiff auf.
In dieser Funktion war "Logos Hope" nun also zum 2. Mal in "ihrem Leben" in Hamburg - und das vermutlich zum letzten Mal. Mitarbeiter gaben mir beim Besuch an Bord zu verstehen, dass das Schiff wohl noch ca. 5 Jahre im Dienste von OM Ships weiterfahren soll und dann aufgrund der veralteten Technik und des angeblich an einigen Stellen dünner werdenden Schiffsstahl außer Dienst gestellt werden soll. Dann wäre die ehemalige "Gustav Vasa" wohl 58 Jahre. Sie ist um die ganze Welt gefahren und hat nun als Schwerpunkt Afrika, Karibik, Südamerika und Europa.
Hier noch einige Innenansichten:










Dies ist das ehemalige Autodeck, wo sich jetzt ein Theater- und Veranstaltungssaal befindet. Dort, wo die schwarze Tür ist, war früher die Heckrampe.


Das ehemalige Restaurant mit Bar ist nun ein Konferenzraum, wo oft Gottesdienste stattfinden

Eine Reminiszenz an alte färöische Eignerschaft des Schiffes: ein handgemaltes Bild der färöischen Landschaft.



Tschüss Logos Hope - allzeit gute Fahrt!
Ich bin froh, dass ich dieses Schiff, das mich viele Jahre meines Lebens interessenmäßig begleitet hat, noch einmal live und in sehr gutem Zustand, erleben durfte und hoffe, dass mein Bericht bei Euch Gefallen findet.
Wer möchte und hat, kann gerne noch eigene Bilder des Schiffes anfügen.



