Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

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Jan F.
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Jan F. »

Volker Landwehr hat geschrieben:
Mo 11. Mai 2020, 23:41
Burkhard hat geschrieben:
Mo 11. Mai 2020, 22:31
siehste... auf dem Bild der Pioneering Spirit ist die von mir zitierte waagerechte Strebe am Kranbock zu sehen, die rechtzeitig ein Rückschlagen des Kranauslegers schon rechtzeitig vor der Senkrechten und darüber hinaus verhindert hätte, aber auch den Ausleger in der Ausladung begrenzt. Und eben die fehlte am Liebherr Kran.
Hier ist eine Grafik des 5000 t Huisman Kran auf der Pioneering Spirit: https://www.huismanequipment.com/afbeel ... 0_h453.jpg
Wo ist da eine Querstrebe?
Hier ist der Liebherr HLC 29500: https://www.heavyliftnews.com/wp-conten ... 295000.jpg

Ich sehe keine großen Unterschied in der Konstruktion, aber vielleicht übersehe ich auch etwas. Über dem A-Bock ist der Ausleger des Liebherr Krans abgeknickt.
Gruß, Volker
Es kann ja nicht darum gehen ein Gerät auf den unwahrscheinlichsten Fall des Versagens eines einzelnen Bauteils hin zu „optimieren“. Sondern das Versagen eines kritischen Bauteils zu verhindern. Wir bauen ja auch nicht Autos mit 8 Rädern, weil vielleicht in einer von einer Million neuen Reifen bei 120km platzt.... Wer erwartet den so einen Fehler?

Volker Landwehr
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Volker Landwehr »

Jan F. hat geschrieben:
Mo 11. Mai 2020, 23:58
Es kann ja nicht darum gehen ein Gerät auf den unwahrscheinlichsten Fall des Versagens eines einzelnen Bauteils hin zu „optimieren“. Sondern das Versagen eines kritischen Bauteils zu verhindern. Wir bauen ja auch nicht Autos mit 8 Rädern, weil vielleicht in einer von einer Million neuen Reifen bei 120km platzt.... Wer erwartet den so einen Fehler?
Das habe ich nicht sagen wollen. Ich sehe es für den Kran auch nicht als sinnvoll an. Ich vermute, dass das Schiff schon für diesen Unfall ausgelegt ist, um ein Kentern auszuschließen.

Mir ging darum, mal zwei Krane unterschiedlicher Hersteller nebeneinander zu zeigen. Aus meiner Sicht keine es keine signifikanten Unterschiede in der Konstruktion. Das folgende Bild des Krans auf der Orion 1 vor dem Unfall zeigt ebenfalls Endabschaltungen an der unteren Quertraverse: https://www.esys.org/news/SOS-Bilder-20 ... bherr).jpg
Gruß, Volker

Tim S.
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Tim S. »


Volker Landwehr
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Volker Landwehr »

Tim S. hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 12:03
Schwarze-Peter-Spiel in Rostock:
https://www.welt.de/wirtschaft/article2 ... digen.html
Eigentlich gibt es keinen Grund zum Schwarzer-Peter-Spiel. Die Verantwortlichkeiten sind durch die Verträge festgelegt. Liebherr ist gegenüber seinem
Auftraggeber für den Schaden verantwortlich. Sollte der Kranhaken versagt haben, dann kommt der niederländische Nachunternehmer ins Spiel. Ist es ein Montagefehler durch Liebherr, dann bleibt es dort hängen.

DNV GL dürfte außen vor sein. Wenn es ähnlich ist wie beim Prüfingenieur in der Bauindustrie, muss man grobe Fahrlässigkeit nachweisen, um sie mitverantwortlich zu machen. Aber das kann ein Insider sicher besser beurteilen.

In der Welt heißt es:Der Kran auf dem Schiff sollte theoretisch auch den Verlust des Kranhakens samt Gewicht überstehen.
Das habe ich in der entsprechenden DNV GL Vorschrift auf die Schnelle nicht gefunden: https://rules.dnvgl.com/docs/pdf/DNVGL/ ... T-0378.pdf
Aber in den vielen Bauvorschriften könnte das auch irgendwo anders geregelt sein. Kennt sich da jemand aus?

Wenn es so wäre, zeigt das neue Video, dass anscheinend die Rollbewegung alleine ausgereicht hätte, um den Ausleger hintenüber schlagen zu lassen. Das läge außerhalb Liebherrs Einflussbereichs.
Gruß, Volker

Sven J
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Sven J »

Volker Landwehr hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 16:02
Wenn es so wäre, zeigt das neue Video, dass anscheinend die Rollbewegung alleine ausgereicht hätte, um den Ausleger hintenüber schlagen zu lassen.
Das zeigt das Video sogar sehr deutlich. Die Entlastung durch das Abreißen des Pontons hat dem Ausleger keinen Schaden zugefügt. Der entstand durch den von der folgenden Schiffsbewegung ausgelösten Überschlag.

Ohne Abriss der Last wäre das Schiff nicht Richtung Ufer gerollt. Die Ursache für den Bruch des Kranhakens wird sich hoffentlich finden lassen. Und dann wird man sehen, ob vor dem Test alles wie vorgesehen geprüft wurde, und ob der Kran vorschriftsmäßig bedient wurde. Von beidem darf man zwar angesichts der Bedeutung des Projekts und der zahlreichen beim Test anwesenden Fachleute ausgehen, aber man weiß es ja nicht.

Grüße
Sven

Jan F.
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Jan F. »

Sven J hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 17:09
Volker Landwehr hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 16:02
Wenn es so wäre, zeigt das neue Video, dass anscheinend die Rollbewegung alleine ausgereicht hätte, um den Ausleger hintenüber schlagen zu lassen.
Das zeigt das Video sogar sehr deutlich. Die Entlastung durch das Abreißen des Pontons hat dem Ausleger keinen Schaden zugefügt. Der entstand durch den von der folgenden Schiffsbewegung ausgelösten Überschlag.

Ohne Abriss der Last wäre das Schiff nicht Richtung Ufer gerollt. Die Ursache für den Bruch des Kranhakens wird sich hoffentlich finden lassen. Und dann wird man sehen, ob vor dem Test alles wie vorgesehen geprüft wurde, und ob der Kran vorschriftsmäßig bedient wurde. Von beidem darf man zwar angesichts der Bedeutung des Projekts und der zahlreichen beim Test anwesenden Fachleute ausgehen, aber man weiß es ja nicht.

Grüße
Sven
Dem stimme ich vollumfänglich zu. Somit wäre die Theorie von „Ast“, „Gummiband“ und „Peitsche“ dann wohl vom Tisch 👍. Dann lassen wir mal die Fachleute ihre Arbeit machen. BSU ist vielleicht ja auch involviert.

Volker Landwehr
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Volker Landwehr »

Sven J hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 17:09
Volker Landwehr hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 16:02
Wenn es so wäre, zeigt das neue Video, dass anscheinend die Rollbewegung alleine ausgereicht hätte, um den Ausleger hintenüber schlagen zu lassen.
Das zeigt das Video sogar sehr deutlich. Die Entlastung durch das Abreißen des Pontons hat dem Ausleger keinen Schaden zugefügt. Der entstand durch den von der folgenden Schiffsbewegung ausgelösten Überschlag.
Grüße
Sven
Das Abreißen lässt auch erstmal keinen direkten Schaden am Ausleger erwarten, aber die Halteseilen des Ausleger, die durch die Last gedehnt sind, verkürzen sich schlagartig und beschleunigen den Ausleger nach hinten. Ob es zum Überschlag gereicht hätte, lässt sich sicher nicht mehr im Video vom Rolleffekt trennen.

Ich weiß auch nicht, ob die Offshore Heavy Lift Krane eine Sicherheitseinrichtung haben, die die Halteseile schnell genug entlasten?

Hier nur mal ein Video, dass die frei werdenden Kräfte illustriert: https://www.youtube.com/watch?v=up7oPzeLng4
Die Situation ist ein wenig unübersichtlich. Zwei Kräne halten das Rohr am Kopf, unten soll der Haken des Raupenschleppers eingehängt werden. Bei einem Kran reißt das Hebegeschirr und er schlägt um.
Gruß, Volker

Tim S.
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Tim S. »

So, hier ist endlich mal ein Direktlink zu dem Video, was auf der OZ vermutlich hinter der Schranke verschwand:
https://www.youtube.com/watch?time_cont ... =emb_title

Und noch ein Bericht:
https://www.swp.de/panorama/liebherr-kr ... 82554.html

Jan F.
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Jan F. »

Volker Landwehr hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 18:28
Sven J hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 17:09
Volker Landwehr hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 16:02
Wenn es so wäre, zeigt das neue Video, dass anscheinend die Rollbewegung alleine ausgereicht hätte, um den Ausleger hintenüber schlagen zu lassen.
Das zeigt das Video sogar sehr deutlich. Die Entlastung durch das Abreißen des Pontons hat dem Ausleger keinen Schaden zugefügt. Der entstand durch den von der folgenden Schiffsbewegung ausgelösten Überschlag.
Grüße
Sven
Das Abreißen lässt auch erstmal keinen direkten Schaden am Ausleger erwarten, aber die Halteseilen des Ausleger, die durch die Last gedehnt sind, verkürzen sich schlagartig und beschleunigen den Ausleger nach hinten. Ob es zum Überschlag gereicht hätte, lässt sich sicher nicht mehr im Video vom Rolleffekt trennen.

Ich weiß auch nicht, ob die Offshore Heavy Lift Krane eine Sicherheitseinrichtung haben, die die Halteseile schnell genug entlasten?

Hier nur mal ein Video, dass die frei werdenden Kräfte illustriert: https://www.youtube.com/watch?v=up7oPzeLng4
Die Situation ist ein wenig unübersichtlich. Zwei Kräne halten das Rohr am Kopf, unten soll der Haken des Raupenschleppers eingehängt werden. Bei einem Kran reißt das Hebegeschirr und er schlägt um.
Gruß, Volker
Gas ist doch wieder völliger Unsinn. Lies bitte meine Post vorher, Die Halteseile sind kaum unter Spannung bei der Auslage und wenn doch, die dehnen sich nicht wie ein Gummiband... da ist keine Energie gespeichert!
Sicherheitseinrichtung um Halteseile zu entspannen? Wozu? Es gibt nichts zu entspannen wo nicht gespannt ist. Google Stahldrahtseil...

Hamburch
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Re: Rostock/Warnemünde (Dinge, die über Fotos hinaus gehen)

Beitrag von Hamburch »

Wenn das Überschlagen des Auslegers erst durch das Rollen des Schiffs verursacht wurde, und das wiederum durch den Lastabriss einerseits und das zuvorige Gegentrimmen andererseits, stellt sich mir eine weitere Frage:

Warum steht der Ausleger senkrecht oder darüberhinweg, wenn für den maximalen Hub gegengetrimmt wird, ohne dass Last angebracht ist, also das Schiff schräg im Wasser liegt? Wäre es nicht Sinnvoll für den Fall des Lastabrisses einige Grad Sicherheit zu haben? Mir ist schon klar, dass die maximale Hubmöglichkeit mit Reduzierung der Auslage wächst. Hat man trotzdem zu sehr auf Kante genäht?
Gruß

Christian

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