Morgen,
danke erstmal für die Verschiebung der News, dachte nicht, dass da so viel Interesse besteht und es mittlerweile eher als Normalität angesehen wird.
Grundsätzlich ist es natürlich positiv, wenn Nachwuchs ausgebildet und gefördert wird. Allerdings -so meine Meinung- werden Schiffsmechaniker als eierlegende Wollmilchsäue ausgebildet, können von allem etwas, aber nicht richtig perfekt. Für den Bordbetrieb ist das auch gut und ausreichend, richtig qualifizieren auf einige Tätigkeiten (Drehen, Schweißen, Maschinenwartung...) geht jedoch nur durch jahrelange Berufserfahrung, großes Eigeninteresse und persönliche Fortbildung.
Nachdem also die Ausbildung abgeschlossen ist, können diese auf Schiffen arbeiten, aber wo sollen sie unterkommen und ihren Lebensunterhalt herbeziehen? Wo an Land untergebracht werden? Die Liste bei der Arbeitsagentur allein in Hamburg quillt an arbeitssuchendem Personal über. Dass die Leute nach der Ausbildung direkt übernommen und beschäftigt werden, wird zur Rarität. Außerhalb bewerben? Meist sind die SM's den Reedereien zu teuer und durch die Altersentwicklung ausscheidende SM's werden durch günstiges Personal aus dem asiatischen Raum aufgefüllt.
Nicht viel besser sieht es bei den Offizieren aus, die ja zunehmend durch günstiges (ja, leider günstiges, nicht billiges) Personal aufgefüllt werden. Denn -wenn man sich mal nichts vor macht- auch die Ausbildung in den früher dritte Welt Ländern gewinnt mehr an Qualität und diese können ein Schiff ebenfalls sicher von A nach B bringen ; haben nicht die Ansprüche an Urlaubs- und Gehaltsvorstellungen, wie deutsches / europäisches Personal, verkaufen sich einfach billiger.
Den Rückgang der Praxissemesterstudenten kann man leider auch an der mangelnden Anzahl an Plätzen auf Schiffen ausmachen. Im ersten Praxissemester an Bord muss -m.W.n. das Praktikum an Bord eines Frachtschiffs erfolgen. Hier im Forum, in diversen anderen Foren und vorallendingen durch Gespräche mit betroffenen, wird immer öfter erzählt, dass unendlich lang nach freien Plätzen gesucht wird, kaum eine Reederei diese noch nbieten will / kann (alleine der Faktor Verpflegungs- und Reisekosten ist ja mittlerweile ein Thema

).
Daher bleiben immer weniger Plätze für deutsche Seeleute auf Schiffen über und die Stellen in der Inspektion / Fleet Management sind rar.
Natürlich würde ich auch gerne mehr Schiffe in deutscher Hand sehen, aber macht es wirklich Sinn diesen Jobzweig zu empfehlen? Zu empfehlen, wenn man weiß, dass nur die besten (über Beziehungen) noch an Stellen kommen und anschließend in Reedereibüros wechseln? Wo sollen die übrigen untergebracht werden, die auch überhaupt keine Lust auf einen Bürojob haben und aus Leidenschaft zur See fahren?
Soweit nur mal meine Meinung, weshalb ich es kritisch sehe noch zu empfehlen, sich für eine Ausbildung in der Seefahrt zu entscheiden.
Denn die zu besetzenden Stellen sind rar und werden immer weniger. Direkt nach der Ausbildung in die Arbeitslosigkeit zu rutschen, ist nicht das gelbe vom Ei und wünscht man keinem.
Jedoch betrifft das Problem nicht nur die Seefahrt, sondern alle anderen Gewerbe. Es ist traurig, aber jeder Mensch ist einfach ersetzbar. Bei den LKW Fahrern schon lange Gang und Gebe (von deutschen LKW Fahrern zu Russen, Rumänen, Bulgaren), wird es in Zukunft sicherlich noch einige andere Branchen treffen.
Gruß
WeißerHai (der sich erstmal für einige Tage abmeldet, um wieder vor der Nordseeküste umherzuschippern)