http://www.wiesbadener-kurier.de/region ... 352377.htm
21.03.2011
Landeshauptstadt Wiesbaden
Wappen der „Wiesbaden“ für das Stadtmuseum


Es wiegt fast 200 Kilo und ist aus bestem Schiffsstahl gefertigt. Jetzt hat Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller das Wappen des ehemaligen Patenschiffes der hessischen Landeshauptstadt dem Stadtmuseum übergeben. „Mehr als drei Jahrzehnte war es als weithin sichtbarer Botschafter Wiesbadens auf vielen Weltmeeren unterwegs. Deswegen war es uns wichtig, es als Exponat für das Stadtmuseum zu sichern“, stellt Dr. Müller fest. Nachdem die „Wiesbaden“ bereits vor einigen Jahren wegen der Fangbeschränkung und zurückgehender Fischbestände nicht mehr rentabel betrieben werden konnte, dümpelte sie in Cuxhaven an einer Anlegestelle. Im Oktober 2010 trat sie ihre letzte Reise nach Grenaa in Dänemark an und wurde abgewrackt.
Durch einen Eintrag in einem „Schiffe-Forum“ wurde die Stadt Wiesbaden auf das Ende der „Wiesbaden“ aufmerksam. Ulrich Karches, ein Schiffsexperte aus Kostheim, stellte den Kontakt zu Kapitän Charly Behrensen her, der eine Menge Unterlagen zum Schiff und seinen Vorgängern bereit stellte. Dank der Unterstützung durch die Geschäftsleitung der Werft Fornaes Shipbreaking in Grenaa war es schließlich möglich, das Wappen zu sichern. Die Transportkosten nach Wiesbaden hat dankenswerterweise der Förderverein Stadtmuseum Wiesbaden übernommen.
Das Fischereimotorschiff „Wiesbaden“ wurde 1973 durch den damaligen Oberbürgermeister, Rudi Schmitt, getauft. Es galt zu dieser Zeit als eines der modernsten Fabrikschiffe Europas, war rund 92 Meter lang und 15 Meter breit. Herzstück war eine komplette Fischverarbeitungsanlage, einschließlich einer sehr leistungsstarken Tiefkühlung. Zusammen mit der baugleichen „Bremen“, „Hannover“, „Kiel“, „Stuttgart“ und „Mainz“, die aber wegen eines Brandes schon früh verschrottet werden musste, war die „Wiesbaden“ der Stolz der „Nordsee-Fischfangflotte“. Bis zu 820 Tonnen zu Tiefkühlware verarbeiteter Frischfisch und 350 Tonnen Fischmehl konnten ihre Bunker fassen.
Wiesbaden hat übrigens eine bewegte „maritime Vergangenheit“. Die erste „Wiesbaden“ in der Nordseeflotte war 32 Meter lang und wurde 1897 gebaut. Das Schiff mit zehn Mann Besatzung ging auf einer Fahrt von Island nach Aberdeen verloren.
Die zweite “Wiesbaden“ lief 1930 vom Stapel, hatte eine Länge von 43 Metern und konnte 2.200 Zentner Fisch fassen. Von 1939 bis 1945 wurde das Schiff für militärische Zwecke missbraucht und 1946 wieder für die Fischerei umgebaut, dann 1954 abgewrackt.
Das nun abgewrackte Patenschiff der hessischen Landeshauptstadt war das dritte Schiff in der „Nordseeflotte“, das den Namen „Wiesbaden“ trug.
Am 23. Januar 1915 wurde in Kiel der „Kleine Kreuzer Wiesbaden“ in Dienst gestellt. Er sank bei der Schlacht im Skagerrak am 1. Juni 1916. 589 Seeleute, darunter der niederdeutsche Dichter Johann Kinau, bekannt als Gorch Fock. starben. Nur der Oberheizer Hugo Zenne konnte gerettet werden. Ein Modell des kleinen Kreuzers Wiesbaden und ein Schiffsteil sind im Besitz der Stadt. Es konnte bei einem Tauchgang der Bundesmarine 1983 in 53 Metern Tiefe geborgen werden.
Immer noch in See „sticht“ das Motorschiff "MS Wiesbaden" auf dem Wörther See. Eigner sind die Stadtwerke der Patenstadt Klagenfurt“. Die „Wiesbaden“ ist das "First Class" Schiff der Flotte. Sie hat Platz für 90 Passagiere. Erbaut wurde sie 1966 von der Schiffswerft Korneuburg.
Bei der Gelegenheit: Lieben Dank an alle "Wiesbaden"-Freunde, die uns mit Informationen zum Schiff und mit Bildern versorgt haben. Auch wenn unser Patenschiff jetzt im Hochofen endet - wir werden Mitglied im "forum-Schiff" bleiben. Vielleicht gibt es irgendwann ja wieder ein Schiff, das den Namen der hessischen Landeshauptstadt trägt.
Siggi Schneider
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