Mentalhygiene des Seemanns
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frank0265
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Mentalhygiene des Seemanns
Aus gegebenem Anlass möchte ich mit diesem Beitrag einen durchaus interessanten Thread eröffnen und bitte um eine sachliche Diskussion hierzu.
"Als solche Faktoren, die über die psychische Belastung durch Arbeit an Bord hinaus einen Einfluß auf die Psyche der Seeleute haben, sind zu nennen :
- Monotonie während der großen Fahrt
- ständige Kontakte mit den gleichen Personen
- räumliche Restriktion bei identischer Arbeits- und Freizeitumgebung
- sehr begrenzte soziale Kontakte
- Abgeschiedenheit von Familie und anderen gewohnten Bezugsgruppen an Land
- ausgeprägte psychische Isolation
- fehlende Möglichkeiten zur Kompensierung und Ableitungen von Spannungen
- geringes Freizeitangebot
- unbefriedigte sexuelle Bedürfnisse
- schädliche oder störende Umwelteinflüsse (Lärm, Vibrationen, Schiffsbewegungen, Klimabelastungen....)
- bei kurzen Hafenliegezeiten permanente Frustration des erlebnishungrigen Seemannes
- potenzielle Gefahren der Seefahrt
Bei einer wesentlichen Verbesserung der allgemeinen hygienischen Bedingungen an Bord und einem teilweise recht hohen Wohnkomfort mit Einzelkammern auch für die Mannschaftsdienstgrade ist die Situation in mentalhygienscher Sicht eher noch schlechter geworden. Insbesondere durch die Personalreduktion auf den heutigen modernen Seeschiffen wird sowohl die psychische Isolation auf See als auch die Monotonie erheblich verstärkt. Darüber hinaus führen sowohl die Nichterfüllung der Erwartung einer illusionären "Seefahrtsromantik" als auch die mitunter schlechten interpersonellen Verhältnisse und ein zum Teil unzeitgemäßer Führungsstil in einer starren Bordhierarchie zur Unzufriedenheit mit der Arbeit und dem Leben an Bord und sind - wie aus entsprechenden Befragungen von Seeleuten hervorgeht - ein häufiger Grund des Berufswechsels. Außerdem wird in neuester Zeit im Hinblick auf die Diskussionen über weitere Besatzungsreduzierungen der Arbeitsplatz in der Schifffahrt als in Zukunft wenig gesichert empfunden. Dieser Aspekt bringt erneute zusätzliche psychische Belastungen für den Seemann mit sich.
Schädigungen der mentalen Gesundheit können psychische Erkrankungen auslösen. Die Angaben über die psychischen Erkrankungen der Seeleute sind jedoch sonderbarerweise sehr widersprüchlich. In vielen Morbizitätsstatistiken sind diese Erkrankungen nur mit wenigen Prozenten vertreten. Dagegen ist nach den Unterlagen der SBG Hamburg die Zahl derer, die wegen psychischer Erkrankungen und Trunksucht seedienstuntauglich wurden, mit 20 - 40 % verhältnismäßig hoch. In den Jahren 1963 - 1972 waren hier durchschnittlich 20,4 % der für arbeitsunfähig erklärten Seeleute psychisch krank. Fälle von Alkoholismus und Suizide sind bei Seeleuten häufiger als bei der Landbevölkerung. Für den Zeitraum von 1960 - 1973 hat die SBG 236 Seeamtsprotokolle von schweren Unfällen, bei denen es zu Seeamtsverhandlungen gekommen ist, gesammelt, die von WODARG (1977) ausgewertet wurden. Es handelte sich hier in 182 Fällen (77%) um Suizidversuche, davon waren 115 (69%) mit letalem Ausgang. Die bevorzugte Suizidversuchsmethode war der Sprung über Bord (111 Fälle = 61%), die meisten Suizidanten standen zur Tatzeit unter Alkoholeinfluß. Diese relative Häufigkeit von Suizidversuchen hat ihren Ursprung wahrscheinlich in autoaggressiven Tendenzen, bedingt durch die psychsichen Belastungen des Lebens auf See."
Quelle
Bernhard-Nocht-Institut
Dr.med B.-F. Schepers
"Als solche Faktoren, die über die psychische Belastung durch Arbeit an Bord hinaus einen Einfluß auf die Psyche der Seeleute haben, sind zu nennen :
- Monotonie während der großen Fahrt
- ständige Kontakte mit den gleichen Personen
- räumliche Restriktion bei identischer Arbeits- und Freizeitumgebung
- sehr begrenzte soziale Kontakte
- Abgeschiedenheit von Familie und anderen gewohnten Bezugsgruppen an Land
- ausgeprägte psychische Isolation
- fehlende Möglichkeiten zur Kompensierung und Ableitungen von Spannungen
- geringes Freizeitangebot
- unbefriedigte sexuelle Bedürfnisse
- schädliche oder störende Umwelteinflüsse (Lärm, Vibrationen, Schiffsbewegungen, Klimabelastungen....)
- bei kurzen Hafenliegezeiten permanente Frustration des erlebnishungrigen Seemannes
- potenzielle Gefahren der Seefahrt
Bei einer wesentlichen Verbesserung der allgemeinen hygienischen Bedingungen an Bord und einem teilweise recht hohen Wohnkomfort mit Einzelkammern auch für die Mannschaftsdienstgrade ist die Situation in mentalhygienscher Sicht eher noch schlechter geworden. Insbesondere durch die Personalreduktion auf den heutigen modernen Seeschiffen wird sowohl die psychische Isolation auf See als auch die Monotonie erheblich verstärkt. Darüber hinaus führen sowohl die Nichterfüllung der Erwartung einer illusionären "Seefahrtsromantik" als auch die mitunter schlechten interpersonellen Verhältnisse und ein zum Teil unzeitgemäßer Führungsstil in einer starren Bordhierarchie zur Unzufriedenheit mit der Arbeit und dem Leben an Bord und sind - wie aus entsprechenden Befragungen von Seeleuten hervorgeht - ein häufiger Grund des Berufswechsels. Außerdem wird in neuester Zeit im Hinblick auf die Diskussionen über weitere Besatzungsreduzierungen der Arbeitsplatz in der Schifffahrt als in Zukunft wenig gesichert empfunden. Dieser Aspekt bringt erneute zusätzliche psychische Belastungen für den Seemann mit sich.
Schädigungen der mentalen Gesundheit können psychische Erkrankungen auslösen. Die Angaben über die psychischen Erkrankungen der Seeleute sind jedoch sonderbarerweise sehr widersprüchlich. In vielen Morbizitätsstatistiken sind diese Erkrankungen nur mit wenigen Prozenten vertreten. Dagegen ist nach den Unterlagen der SBG Hamburg die Zahl derer, die wegen psychischer Erkrankungen und Trunksucht seedienstuntauglich wurden, mit 20 - 40 % verhältnismäßig hoch. In den Jahren 1963 - 1972 waren hier durchschnittlich 20,4 % der für arbeitsunfähig erklärten Seeleute psychisch krank. Fälle von Alkoholismus und Suizide sind bei Seeleuten häufiger als bei der Landbevölkerung. Für den Zeitraum von 1960 - 1973 hat die SBG 236 Seeamtsprotokolle von schweren Unfällen, bei denen es zu Seeamtsverhandlungen gekommen ist, gesammelt, die von WODARG (1977) ausgewertet wurden. Es handelte sich hier in 182 Fällen (77%) um Suizidversuche, davon waren 115 (69%) mit letalem Ausgang. Die bevorzugte Suizidversuchsmethode war der Sprung über Bord (111 Fälle = 61%), die meisten Suizidanten standen zur Tatzeit unter Alkoholeinfluß. Diese relative Häufigkeit von Suizidversuchen hat ihren Ursprung wahrscheinlich in autoaggressiven Tendenzen, bedingt durch die psychsichen Belastungen des Lebens auf See."
Quelle
Bernhard-Nocht-Institut
Dr.med B.-F. Schepers
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
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Globus
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- Registriert: So 29. Nov 2009, 09:18
Re: Mentalhygiene des Seemanns
Aus gegebenem Anlass möchte ich mit diesem Beitrag einen durchaus interessanten Thread eröffnen und bitte um eine sachliche Diskussion hierzu.
"Als solche Faktoren, die über die psychische Belastung durch Arbeit an Bord hinaus einen Einfluß auf die Psyche der Seeleute haben, sind zu nennen :
- Monotonie während der großen Fahrt
Nicht, wenn man zum technischen Dienst gehört. Da wünscht man sich sehr oft mehr Montomie.
- ständige Kontakte mit den gleichen Personen
Im Gegenteil. Sehr häufiger Kollegenwechsel.
- räumliche Restriktion bei identischer Arbeits- und Freizeitumgebung
Identisch? Keineswegs. Niemand legt sich in den Maschinenraum oder auf die Brücke.
- sehr begrenzte soziale Kontakte
Das ist schon richtig, aber wer zur See fährt und dort bleibt, will es nicht anders.
Dafür sehr lange Urlaub.
- Abgeschiedenheit von Familie und anderen gewohnten Bezugsgruppen an Land
Wer es richtig macht, nimmt seine Frau die Hälfte der Fahrtzeit mit.
- ausgeprägte psychische Isolation
Es wird nirgends so viel Kaffeeklatsch getrieben, wie bei der Seefahrt.
- fehlende Möglichkeiten zur Kompensierung und Ableitungen von Spannungen
Ein Frachter ist nicht die „Gorch Fock“
- geringes Freizeitangebot
Gering ja, aber genügend.
- unbefriedigte sexuelle Bedürfnisse
Möglich, aber auszuhalten. An Land gibt es viel ärmere Würstchen.
- schädliche oder störende Umwelteinflüsse (Lärm, Vibrationen, Schiffsbewegungen, Klimabelastungen....)
Im Bagger sitzen, im Bürohaus arbeiten usw ist besser?
- bei kurzen Hafenliegezeiten permanente Frustration des erlebnishungrigen Seemannes
Kaum. Das sind Gedanken eines nie zur See Gefahrenen.
Und auf der Autobahn ist es weit gefährlicher, als bei der Seefahrt.
Bei den geringen Besatzungsstärken fällt jeder Alkoholiker sofort auf und wird gefeuert.
Heute, bei der Seefahrt, Alkoholiker zu sein, ist schon ein großes Kunststück.
Wer das schafft, nicht aufzufallen, muß schon ein Künstler sein.
Früher wurden Alkoholiker geduldet und mitgezogen. Heut nicht mehr.
Selbstmorde habe ich während meiner gesamten Fahrtzeit nicht erlebt.
Die, die die Seefahrt nicht abkönnen, gehen sehr schnell wieder. Der Rest, der länger fährt, kann das auch ab.
Warum nimmt man für die Suizid- und Alkoholismusberechnungen denn die 60er und 70er Jahre. Das ist 40 und 50 Jahre her und hat doch mit den heutigen Umständen überhaupt nichts mehr zu tun.
Globus
"Als solche Faktoren, die über die psychische Belastung durch Arbeit an Bord hinaus einen Einfluß auf die Psyche der Seeleute haben, sind zu nennen :
- Monotonie während der großen Fahrt
Nicht, wenn man zum technischen Dienst gehört. Da wünscht man sich sehr oft mehr Montomie.
- ständige Kontakte mit den gleichen Personen
Im Gegenteil. Sehr häufiger Kollegenwechsel.
- räumliche Restriktion bei identischer Arbeits- und Freizeitumgebung
Identisch? Keineswegs. Niemand legt sich in den Maschinenraum oder auf die Brücke.
- sehr begrenzte soziale Kontakte
Das ist schon richtig, aber wer zur See fährt und dort bleibt, will es nicht anders.
Dafür sehr lange Urlaub.
- Abgeschiedenheit von Familie und anderen gewohnten Bezugsgruppen an Land
Wer es richtig macht, nimmt seine Frau die Hälfte der Fahrtzeit mit.
- ausgeprägte psychische Isolation
Es wird nirgends so viel Kaffeeklatsch getrieben, wie bei der Seefahrt.
- fehlende Möglichkeiten zur Kompensierung und Ableitungen von Spannungen
Ein Frachter ist nicht die „Gorch Fock“
- geringes Freizeitangebot
Gering ja, aber genügend.
- unbefriedigte sexuelle Bedürfnisse
Möglich, aber auszuhalten. An Land gibt es viel ärmere Würstchen.
- schädliche oder störende Umwelteinflüsse (Lärm, Vibrationen, Schiffsbewegungen, Klimabelastungen....)
Im Bagger sitzen, im Bürohaus arbeiten usw ist besser?
- bei kurzen Hafenliegezeiten permanente Frustration des erlebnishungrigen Seemannes
Kaum. Das sind Gedanken eines nie zur See Gefahrenen.
Und auf der Autobahn ist es weit gefährlicher, als bei der Seefahrt.
Bei den geringen Besatzungsstärken fällt jeder Alkoholiker sofort auf und wird gefeuert.
Heute, bei der Seefahrt, Alkoholiker zu sein, ist schon ein großes Kunststück.
Wer das schafft, nicht aufzufallen, muß schon ein Künstler sein.
Früher wurden Alkoholiker geduldet und mitgezogen. Heut nicht mehr.
Selbstmorde habe ich während meiner gesamten Fahrtzeit nicht erlebt.
Die, die die Seefahrt nicht abkönnen, gehen sehr schnell wieder. Der Rest, der länger fährt, kann das auch ab.
Warum nimmt man für die Suizid- und Alkoholismusberechnungen denn die 60er und 70er Jahre. Das ist 40 und 50 Jahre her und hat doch mit den heutigen Umständen überhaupt nichts mehr zu tun.
Globus
Zuletzt geändert von Globus am Mo 31. Jan 2011, 15:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Michael H.
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- Registriert: Fr 11. Jan 2008, 20:10
Re: Mentalhygiene des Seemanns
das dauert gerade mal 2 Stunden und schon hast Du die "erhoffte" "sachliche" Diskussion......
Hätte mich auch gewundert wenns anders gekommen wäre
Hätte mich auch gewundert wenns anders gekommen wäre
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frank0265
- Mitglied
- Beiträge: 1013
- Registriert: Fr 11. Jan 2008, 13:28
- Wohnort: 08209 Auerbach
Re: Mentalhygiene des Seemanns
@ Globus
Erst mal vielen Dank für deine offenen Worte zum Sachverhalt. Ich möchte mir, bevor in die Diskussion eingestiegen wird, noch ein paar weitere Meldungen anschauen.
Erst mal vielen Dank für deine offenen Worte zum Sachverhalt. Ich möchte mir, bevor in die Diskussion eingestiegen wird, noch ein paar weitere Meldungen anschauen.
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
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Globus
- Mitglied
- Beiträge: 416
- Registriert: So 29. Nov 2009, 09:18
Re: Mentalhygiene des Seemanns
Ich kenne diese SBG-Jahresberichte über Alkoholismus und Suizide aus diesen Jahren
(60er/70er) und sie entsprachen, zumindest was den Alkoholismus betraf, der Wahrheit.
Aber, Alkoholismus war bei der Seefahrt nicht weiter verbreitet, als an Land.
Oder man kann auch sagen, gab es genau so viel wie an Land.
Damals konnte man, da fast nur deutsche Besatzungsmitglieder an Bord waren, diesen aber bekämpfen. Man sprach sich mit der Reederei ab, die betreffenden Besatzungsmitglieder zu entlassen.
An Land werden Alkoholker kaum erkannt. Bei der Seefahrt, mit der zweijährigen ärztlichen Untersuchung, bleibt eine Erkenntnis kaum aus. Deshalb der Eindruck, bei der Seefahrt wird mehr gesoffen.
Heute ist Alkohol, zumindest bei der christl. Seefahrt, kaum noch ein Problem.
Erkannte Alk. werden entlassen. Es gibt auch keine Zeremonien, wie bei der Deutschen Marine, wo auch von Antialkoholikern erwartet wird, dass sie mittrinken.
Gruß Globus
(60er/70er) und sie entsprachen, zumindest was den Alkoholismus betraf, der Wahrheit.
Aber, Alkoholismus war bei der Seefahrt nicht weiter verbreitet, als an Land.
Oder man kann auch sagen, gab es genau so viel wie an Land.
Damals konnte man, da fast nur deutsche Besatzungsmitglieder an Bord waren, diesen aber bekämpfen. Man sprach sich mit der Reederei ab, die betreffenden Besatzungsmitglieder zu entlassen.
An Land werden Alkoholker kaum erkannt. Bei der Seefahrt, mit der zweijährigen ärztlichen Untersuchung, bleibt eine Erkenntnis kaum aus. Deshalb der Eindruck, bei der Seefahrt wird mehr gesoffen.
Heute ist Alkohol, zumindest bei der christl. Seefahrt, kaum noch ein Problem.
Erkannte Alk. werden entlassen. Es gibt auch keine Zeremonien, wie bei der Deutschen Marine, wo auch von Antialkoholikern erwartet wird, dass sie mittrinken.
Gruß Globus
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frank0265
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Re: Mentalhygiene des Seemanns
..aber in letzter Zeit mehren sich doch auch wieder Meldungen, in denen über betrunkene Schiffsführungen berichtet wird. Also so ganz aus der Welt ist dieses Problem nicht - noch nicht. Vllt liegen die wahren Ursachen hierfür wo ganz anders. Möglicherweise ist auch die zunehmende Vereinsamung oder auch der Streß an Bord daran schuld.
http://www.rp-online.de/panorama/auslan ... 93452.html
http://www.mainpost.de/regional/franken ... 27,5695273
http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/ ... toppt.html
http://www.shortnews.de/id/817162/Niede ... angehalten
http://www.kn-online.de/schleswig_holst ... Hafen.html
http://www.krone.at/Welt/Finnischer_Kap ... ory-230587
Ja früher hatten die Frachtschiffe auch mehr als 40 Mann Besatzung. Jetzt sind die Schiffe aber um ein Mehrfaches größer - die Besatzungsstärke liegt dafür weit unter diesen 40 Mann. Im E-Fall sind die Leute an Bord doch völlig überfordert. Das haben mir schon mehrere Seeleute auf meinen Reisen so bestätigt.
http://www.rp-online.de/panorama/auslan ... 93452.html
http://www.mainpost.de/regional/franken ... 27,5695273
http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/ ... toppt.html
http://www.shortnews.de/id/817162/Niede ... angehalten
http://www.kn-online.de/schleswig_holst ... Hafen.html
http://www.krone.at/Welt/Finnischer_Kap ... ory-230587
Ja früher hatten die Frachtschiffe auch mehr als 40 Mann Besatzung. Jetzt sind die Schiffe aber um ein Mehrfaches größer - die Besatzungsstärke liegt dafür weit unter diesen 40 Mann. Im E-Fall sind die Leute an Bord doch völlig überfordert. Das haben mir schon mehrere Seeleute auf meinen Reisen so bestätigt.
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
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Globus
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Re: Mentalhygiene des Seemanns
Mit Schiffsführungen sind fast immer die Kapitäne gemeint. Dieser war schon immer einsam. Wenn nicht noch einsamer als heute. Heute hat er, mit den Offizieren und Ings., genügend kompetente Gesprächspartner. Mit diesen trifft er sich zumindest an drei Mahlzeiten am Tag.
Vereinsamung wird immer von Leuten genannt, die nicht wissen, wie es früher zuging. Mehr Leute heißt nicht, mehr Gesprächspartner. Die Menge der Leute damals waren einfache Schmierer, Reiniger, Matrosen usw mit denen sich kaum mal die Schiffsführung zusammengesetzt hat. (Weihnachten!).
Damals hatten die meisten Offiz und Ings kleine Patente, also kein Abi, kaum mal Realschulabschluß.
Was meinst Du mit Ernstfall?
Heute sind sie alle gut ausgebildete Rettungsbootfahrer, Feuerabwehrkräfte. Lecksicherungsspezialisten. Die Rettungsboote früher sind mit den heutigen überhaupt nicht zu vergleichen.
Was die Seefahrt heute so ungemütlich macht :
Die Konstruktion der Schiffe:
Es gibt kein Palaverdeck mehr, wo man sich abends treffen kann. Ein großer, windgeschützer Raum, draußen irgendwo gleich unter dem Brückendeck.
Die Klimaanlage, so schön, wie man bei ihr schlafen kann, läßt die gesamte Besatzung drinnen bleiben. Früher traf man sich abends auf dem Palaverdeck.
Die Kammern. Heute findet man pro Deck vielleicht 2 - 3 Kammern. Mit Flurtür, wie im Hotel. Automatisch zu wegen Feuerschutz. Bei den alten Schiffen wohnten sämtliche Offz./Ings in einem Deck. Tür an Tür. Und die Türen der Kammern stehen abends so lange auf, bis man ins Bett geht. Also einladend für Besucher.
Das ist das, was bei den modernen Schiffen nichts taugt. Man hat die Wohnräume schöner, moderner gemacht, nur am Bedarf völlig vorbei. Nur wachgerecht, d.h niemand wird mehr gestört.
Globus
Vereinsamung wird immer von Leuten genannt, die nicht wissen, wie es früher zuging. Mehr Leute heißt nicht, mehr Gesprächspartner. Die Menge der Leute damals waren einfache Schmierer, Reiniger, Matrosen usw mit denen sich kaum mal die Schiffsführung zusammengesetzt hat. (Weihnachten!).
Damals hatten die meisten Offiz und Ings kleine Patente, also kein Abi, kaum mal Realschulabschluß.
Was meinst Du mit Ernstfall?
Heute sind sie alle gut ausgebildete Rettungsbootfahrer, Feuerabwehrkräfte. Lecksicherungsspezialisten. Die Rettungsboote früher sind mit den heutigen überhaupt nicht zu vergleichen.
Was die Seefahrt heute so ungemütlich macht :
Die Konstruktion der Schiffe:
Es gibt kein Palaverdeck mehr, wo man sich abends treffen kann. Ein großer, windgeschützer Raum, draußen irgendwo gleich unter dem Brückendeck.
Die Klimaanlage, so schön, wie man bei ihr schlafen kann, läßt die gesamte Besatzung drinnen bleiben. Früher traf man sich abends auf dem Palaverdeck.
Die Kammern. Heute findet man pro Deck vielleicht 2 - 3 Kammern. Mit Flurtür, wie im Hotel. Automatisch zu wegen Feuerschutz. Bei den alten Schiffen wohnten sämtliche Offz./Ings in einem Deck. Tür an Tür. Und die Türen der Kammern stehen abends so lange auf, bis man ins Bett geht. Also einladend für Besucher.
Das ist das, was bei den modernen Schiffen nichts taugt. Man hat die Wohnräume schöner, moderner gemacht, nur am Bedarf völlig vorbei. Nur wachgerecht, d.h niemand wird mehr gestört.
Globus
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Spatenpauli
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- Registriert: Do 31. Jan 2008, 19:04
- Wohnort: Bremen
Re: Mentalhygiene des Seemanns
Globus Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Enkel eines Verwandten von mir, ist zZ in der Ausbildung zum Kapitän und der hat genau dieses berichtet.
MfG aus Bremen
MfG aus Bremen
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frank0265
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- Registriert: Fr 11. Jan 2008, 13:28
- Wohnort: 08209 Auerbach
Re: Mentalhygiene des Seemanns
Früher waren das eben noch richtige Besatzungen, d.h. die haben sich eben nach Feierabend noch auf einen kleinen Klönsnack an Deck getroffen. Heute sind das in aller Regel nur noch reine Wachbesatzungen. Wer dienstfrei hat, schließt sich in seiner klimatisierten Kammer ein oder schläft ne Runde. Die anderen arbeiten.
Das andere Problem sind diese multi-kulti Crews. Ich habe das auf meinen Reisen schon oft bemerkt, dass die Philippinos ihrer eigenen Freizeitgestaltung nachgehen. Mit den Deutschen sieht man sie nur zum "BB". Die Asiaten sieht man nur beim Arbeiten - nach Feierabend kaum mehr.
Bei einer meiner Reisen - es war 2006 auf der LT CORTESIA - kam der zuständige Steward (ein Philippino) auf meine Kabine, um dort seiner täglichen Aufgabe "Reinigung" nachzugehen. Viel hatte er nicht zu tun - die Kammer war sowieso sauber. Dann verabschiedete er sich - und kam kurze Zeit darauf wieder. Er hatte ein kleines Kuvert mitgebracht und bat um Einlass. Er öffnete den Briefumschlag und legte einen großen Stapel Fotos auf den Tisch. Er begann zu erzählen - auf englisch. Die Fotos zeigten alle seine Familienmitglieder und nächste Verwandte. Eine Riesenfamilie. Dann sagte er unter Tränen, dass seine Frau schwanger wäre, er aber nicht zu ihr kann bei der Entbindung (Oktober 2006). Bei der Reederei und der Crewing Firma hatte er bereits Urlaub angemeldet, dieser wurde aber abgelehnt. Er war darüber sehr traurig und sagte, dass man ihm einen Urlaub erst im November gewähren würde. Dann bedankte er sich mit einer großen Verbeugung, dass ich ihm zugehört habe. Er brauchte also jemandem, der ihm wirklich zuhört. Das hat er bei seinen Kollegen und der Schiffsführung vielleicht nicht gefunden.
Das andere Problem sind diese multi-kulti Crews. Ich habe das auf meinen Reisen schon oft bemerkt, dass die Philippinos ihrer eigenen Freizeitgestaltung nachgehen. Mit den Deutschen sieht man sie nur zum "BB". Die Asiaten sieht man nur beim Arbeiten - nach Feierabend kaum mehr.
Bei einer meiner Reisen - es war 2006 auf der LT CORTESIA - kam der zuständige Steward (ein Philippino) auf meine Kabine, um dort seiner täglichen Aufgabe "Reinigung" nachzugehen. Viel hatte er nicht zu tun - die Kammer war sowieso sauber. Dann verabschiedete er sich - und kam kurze Zeit darauf wieder. Er hatte ein kleines Kuvert mitgebracht und bat um Einlass. Er öffnete den Briefumschlag und legte einen großen Stapel Fotos auf den Tisch. Er begann zu erzählen - auf englisch. Die Fotos zeigten alle seine Familienmitglieder und nächste Verwandte. Eine Riesenfamilie. Dann sagte er unter Tränen, dass seine Frau schwanger wäre, er aber nicht zu ihr kann bei der Entbindung (Oktober 2006). Bei der Reederei und der Crewing Firma hatte er bereits Urlaub angemeldet, dieser wurde aber abgelehnt. Er war darüber sehr traurig und sagte, dass man ihm einen Urlaub erst im November gewähren würde. Dann bedankte er sich mit einer großen Verbeugung, dass ich ihm zugehört habe. Er brauchte also jemandem, der ihm wirklich zuhört. Das hat er bei seinen Kollegen und der Schiffsführung vielleicht nicht gefunden.
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Fischländer
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- Registriert: Mi 15. Jul 2009, 08:02
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Re: Mentalhygiene des Seemanns
Moin,
ich muss Globus auch zustimmen. So ist es heute größtenteils.
Ich hatte immer Gück und bin bis jetzt immer unter deutscher Flagge gefahren, mit 6-10 Deutschen an Bord. Wenn man einige Deutsche an Bord hat, dann flimmert dieses "Zusammensein" wieder ein bisschen auf. Es gab mal ein Feierabendbier oder man hat sich abends getroffen und einen Film zusammen geguckt.
Aber es ist halt nur möglich, wenn mehrere Deutsche an Bord sind. Dieser "Multi-Kulti" ist für niemanden gut, außer für den Reeder.
Die Kulturen sind einfach zu unterschiedlich und somit schotten sie sich voneinander ab und das wollen viele auch so. Man ist halt lieber unter sich.
Bestes Bsp. "Grillparty", alle freuen sich darauf, dann ist Grüppchenbildung angesagt und nach einer Stunde sitzen die Deutschen alleine da. Die Anderen feiern in ihrem Aufenthaltsraum weiter.
@ Frank: Dein Bsp. habe ich auch schon erlebt. Die Leute sind leider viel zu lange auf den Schiffen und somit gibt es Probleme. Filipnos fahren in der Regel 9 Monate, Kiribatis/Tuvalus 12 Monate und die Deutschen 3-4 Monate.
Manchen Seeleuten sind auch 12 Monate nicht genug und versuchen zu verlängern, um mehr Geld zu verdienen, denn nur die Deutschen haben bezahlten Urlaub.
Es ist viel soziales Verständnis nötig, um den Job an Bord mit den unterschiedlichen Menschen zu händeln.
freundliche Grüße
ich muss Globus auch zustimmen. So ist es heute größtenteils.
Ich hatte immer Gück und bin bis jetzt immer unter deutscher Flagge gefahren, mit 6-10 Deutschen an Bord. Wenn man einige Deutsche an Bord hat, dann flimmert dieses "Zusammensein" wieder ein bisschen auf. Es gab mal ein Feierabendbier oder man hat sich abends getroffen und einen Film zusammen geguckt.
Aber es ist halt nur möglich, wenn mehrere Deutsche an Bord sind. Dieser "Multi-Kulti" ist für niemanden gut, außer für den Reeder.
Die Kulturen sind einfach zu unterschiedlich und somit schotten sie sich voneinander ab und das wollen viele auch so. Man ist halt lieber unter sich.
Bestes Bsp. "Grillparty", alle freuen sich darauf, dann ist Grüppchenbildung angesagt und nach einer Stunde sitzen die Deutschen alleine da. Die Anderen feiern in ihrem Aufenthaltsraum weiter.
@ Frank: Dein Bsp. habe ich auch schon erlebt. Die Leute sind leider viel zu lange auf den Schiffen und somit gibt es Probleme. Filipnos fahren in der Regel 9 Monate, Kiribatis/Tuvalus 12 Monate und die Deutschen 3-4 Monate.
Manchen Seeleuten sind auch 12 Monate nicht genug und versuchen zu verlängern, um mehr Geld zu verdienen, denn nur die Deutschen haben bezahlten Urlaub.
Es ist viel soziales Verständnis nötig, um den Job an Bord mit den unterschiedlichen Menschen zu händeln.
freundliche Grüße
Meine Fotos sind durch ein Copyright urheberrechtlich geschützt.
