Jade-Weser Port

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Spatenpauli
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Spatenpauli » Mi 3. Jul 2013, 12:56

Ich bin ein alter THW Helfer und habe das Hochwasser 1962 miterlebt und da waren die Elbe und Weser noch viel flacher, aber es gab den Sturm über 3 Hochwasser konstant, bis es zum großen Unglück kam. Wenn die Deiche seit der Zeit nicht schon erhöht worden währen, dann hätte das Wasser schon wieder die Deiche überflutet.Da von vorhergesagten 2 Zentimeter zu sprechen ist schon hanebüchen. Die Stürme werden stärker und der Meerespiegel steigt insgesamt, also ich glaube den Gutachtern kein Wort.
MfG aus Bremen l

Jochen
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Jochen » Mi 3. Jul 2013, 15:17

Das zumindest dürfte unstrittig sein: Die Stürme werden nicht nur stärker, sondern auch häufiger und damit in ihrer sich möglicherweise aufschaukelnden Wirkung völlig unberechenbar. Und unstrittig dürfte auch der Zusammenhang zwischen Vertiefung und Fließgeschwindigkeit sein: noch ein Faktor, der jedes hydrodynamische Modell zum reinen Himmelsfahrtskommando macht.

Lars.B
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Lars.B » Mi 3. Jul 2013, 15:40

Eine schwere Sturmflut mit neuen Rekordhöhen lässt schon lange auf sich warten.
Seltsamerweise hatten wir das die letzten 10 bis 15 Jahre nicht.
Die Elbe wurde die letzten Jahre nur durch Regen - Hochwasser heimgesucht,welches die Unterelbe nicht wirklich betrifft.
Aber da haben wir ja innerhalb von 10 Jahren 3 Jahrhunderthochwasser erlebt :shock:
Was wirklich aus der Unterelbe im Fall der Fälle wird kann man wohl auch erst nach einer stattgefundenen Extremsituation sagen. Solange versuchen die Behörden mit Berechnungsmodellen zu beruhigen und Umweltorganisationen mit Horrorszenarien die Menschen auf ihre Seite zu bringen. Vermutlich liegt die Wahrheit, wie so oft in der Mitte.

RonnyM
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von RonnyM » Mi 3. Jul 2013, 17:36

Zu Fabians Bemerkungen hinsichtlich des "Ostblocks", deren Container über Hamburg laufen sei angemerkt, dass zwischenzeitlich die E-Klasse den "Ostblock", also Polen schon anlaufen. Also an HH vorbei. Und auch dort macht die Infrastruktur Fortschritte und das wird nicht nur HH spüren, sondern auch BHV und künftig auch WHV. Im Übrigen wird so getan, dass nur volle Schiffe HH anlaufen. Daher sei die Frage gestattet: Laufen die aus Asien kommenden Schiffe jetzt an Antwerpen und Rotterdam vorbei :?:

ME hinkt auch dein Versuch mit Kreetsand. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass diese kleine Bucht alle Hochwassergefahren beseitigt. Das gilt allemal als Alibifunktion.

Grüße Ronny

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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Fabian » Mi 3. Jul 2013, 18:29

Natürlich glaube ich nicht dass Kreetsand alle Hochwasserprobleme beseitigt, dass hab ich ja auch überhaupt nicht behauptet, aber es ist eben ein kleiner Schritt neben weiteren.
Und dass so viele Großcontainerschiffe Hamburg nur mit teilweise 12 Metern Tiefgang und weniger anlaufen liegt ja u.a. gerade an der verzögerten Elbvertiefung, denn den meisten Reedern ist die Einhaltung des Fahrplans erstmal wichtiger als ein voll beladenes Schiff. Nur fraglich wie lange diese das noch hinnehmen, CMA CGM hat ja vor einiger Zeit schon gedroht aus Hamburg abzuwandern, wenn sich die Vertiefung weiter verzögert und dann andere Häfen außerhalb Deutschlands verstärkt anzulaufen.
Außerdem sei noch erwähnt, dass es schon vorgekommen sein soll, dass Schiffe auf dem Weg nach Hamburg nochmal umkehren mussten weil der Tiefgang zu groß war.

Nach Polen fährt bisher auch nur Maersk mit wirklich großen Schiffen, aber da bleibt abzuwarten, wie sich dies besonders im Hinblick auf die neue P3-Allianz entwickelt.

Jackinho
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Jackinho » Do 4. Jul 2013, 11:48

Guten Tag zusammen,

aus meiner Sicht ist die Vertiefung der Elbe um einen Meter unverzichtbar & auch im Hinblick auf evtl. Folgen realisierbar.

In dem Fernsehbeitrag werden doch sehr detailiert die jeweiligen Risiken bzw. Einwände der Umweltverbände dargelegt & eben auch wiederlegt.
Nicht ohne Grund lobt die EU in Ihrer Stellungnahme die Ausgleichsmaßnahmen & betont das überragende öffentliche Interesse der Vertiefung.

Ich selbst habe mittlerweile 25 Jahre meines Lebens direkt an der Unterelbe verbracht & in dieser Zeit Vieles an Veränderung festgestellt - nur eben mit Sicherheit keine Verschlechterung der Umwelt (&schon gar nicht nach der letzten Vertiefung des Flusses).
Von einer dreckigen stinkenden Brühe zur Zeit der Wende hat sich der Fluss mittlerweile zu einem einzigartigen Lebensraum für viele Tierarten entwickelt. Ich sehe wieder, wie Menschen in der Elbe baden & Angler fischen gehen können.
Auch sollte nicht vergessen werden, dass viele der Lebensräume entlang der Unterelbe erst durch frühere Eingriffe / Vertiefungen entstanden sind (Mühlenerger Loch / Pagensand etc.).

Sicherlich gibt es ein gewisses Risiko bzw. gewisse Folgen einer weiteren Vertiefung (die ja mit entspechenden Maßnahmen kompensiert werden), nur was ist die Alternative bzw. was wären die Folgen einer Nicht-Vertiefung?
Das Seeschiff ist unbestritten das umweltfreundlichste Transportmittel. Gerade im Hinblick auf die 25% LOCO - Quote des Hamburger Hafens ist ein Transport via Seeschiff nur logisch bzw. deutlich umweltfreundlicher als ein Transport via LKW / Bahn in den Großraum Hamburg.
Auch gibt es ein seit Jahrzehnten entstandenes System an Hinterlandanbindungen / Umschlagsanlagen, in das Milliarden geflossen sind.
Soll dieses System nun verrotten?

Sicherlich sind ein Großteil der Containerschiffe beim Anlauf von Hamburg nicht voll ausgelastet - nur ist Dieses eben gerade eine Folge der nicht vertieften Elbe.
Betrachtet man die genauen Teifgänge gerade beim Abgang der Schiffe, so fällt eine Häufung von 12,5m Tiefgang - sprich gerade noch tideunabhängig - auf.
Viele Ladungen die rein von der Logik kostengünstiger bzw. auch umweltfreundlicher via Hamburg (& das bestehende System) geroutet werden könnten, müssen alternativ via Rotterdam etc. laufen, um flexibel zu bleiben. Wo ist da der Vorteil für unsere Umwelt??

Unter Berücksichtigung der P3 - Allianz mit Start im kommenden Jahr ist meiner Meinung nach auch die Warnung von CMA CGM zu verstehen: Ihr müsst den Fluss vertiefen / verbreitern, sonst werden wir unsere Ladungen nach Rotterdam ziehen (müssen). Denn der Maashafen ist momentan der Einzige Hafen, der meines Erachtens alle Vorraussetzungen - sprich Wassertiefe + Anbindungen - mitbringt.
Wilhelmshaven als Tiefwasserhafen wird da in Naher - Zukunft aufgrund fehlender Anbindungen & aufgrund der Überkapazitäten in Nordeuropa keine große Rolle spielen.

Ich wünsche mir von Seiten der Umweltverbände ein wenig mehr Weitsicht & eben nicht nur die Betrachtung evtl. Folgeschäden an der Elbe.
Auf Lange Sicht wird die Nicht-Vertiefung zu deutlich mehr negativen Einflüsssen auf die Umwelt führen.

Von den Folgen für den Standort Deutschland als Export-Nation & dem damit verbundenen Arbeitsplatzverlust einmal ganz zu schweigen.

MfG.

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Martin Witte
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Martin Witte » Do 4. Jul 2013, 17:23

RonnyM hat geschrieben:Laufen die aus Asien kommenden Schiffe jetzt an Antwerpen und Rotterdam vorbei :?:
Moin,

es gibt durchaus Dienste deren Hafenrotation so aussieht.

Das Problem der Elbe liegt nicht nur im maximal möglichen Tiefgang. Die in einigen Passagen der Elbe auf 90m beschränkte Gesamtbreite der sich begegnenden Schiffe beschränkt einen Großteil der Großcontainerschiffe und Bulker zudem. Dei Schiffsbreiten lassen sich auch durch geänderte Hafenrotationen nicht verändern.

Viele Grüße
Martin

Jochen
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Jochen » Do 4. Jul 2013, 17:33

"Die in einigen Passagen der Elbe auf 90m beschränkte Gesamtbreite der sich begegnenden Schiffe beschränkt einen Großteil der Großcontainerschiffe und Bulker zudem"


Machts nichts, dann baggern wir eben die Ufer weg. Des Reeders Wille ist schließlich Gesetz und nichts ist für Politiker doch schöner als sich erpressen zu lassen und dann entschuldigend von Sachzwängen zu schwätzen. Mögliche Alternativen verlangen schließlich Nachdenken und das ist im Gehalt nicht drin.

Paapa

Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Paapa » Fr 5. Jul 2013, 12:29


Seehafenprognose sieht gute Zukunft für JadeWeserPort

http://www.ndr.de/regional/seehaefen121.html

Jochen
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Re: Jade-Weser Port

Beitrag von Jochen » Fr 5. Jul 2013, 12:54

Ja, bei den ganzen Prognosen - immerhin über 17 Jahre, also einen Zeitraum der auch mal von 1930 bis 1947 reichte - wundert man sich doch immer wieder wieso die Prognosen nicht erfüllt wurden auf denen der Hafen gebaut wurde. Andere Glaskugel?

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