Epirb (Notfunkbake) auf Schiffen - wie viele sind an Bord?

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KuddeldaddelduHH
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Registriert: Mo 2. Feb 2009, 19:30

Epirb (Notfunkbake) auf Schiffen - wie viele sind an Bord?

Beitrag von KuddeldaddelduHH »

Moinmoin,

ich habe mal eine (zugegebenermassen sehr spezielle) technische Frage an die Schiffahrtsexperten hier im Forum: Welche Schiffe, Boote und sonstige Rettungsmittel sind alle mit Notfunksendern (epirb = emergency position indicating radio beacon), die auf der internationalen COSPAS/SARSAT Frequenz (406.025 MHz) senden, ausgestattet?

Für Yachten etc. gibt es sowas ja quasi serienmässig zu kaufen. Jeder einzelne Sender muss mit einer eigenen, unverwechselbaren Kennung registriert werden. Im Notfall kann das Ding dann entweder manuell oder automatisch aktiviert werden, ist sogar schwimmfähig, und sendet dann ein Signal auf der o.g. Frequenz (evtl. auch noch andere) aus; in dem Signal können noch mehrere Zusatzinformationen (Kennung, Heimatland, letzte bzw. aktuelle Position, etc.). Das Signal kann weltweit über Satellit empfangen werden, und anschliessend kann eine Rettungsaktion eingeleitet werden. Von Hubschraubern, Flugzeugen, Schiffen und von sonstigen Peilern kann ich so einen Sender dann in der Nähe einpeilen und direkt zu den Verunglückten gelangen.

So weit, so gut.

Doch wie viele von solchen Sendern befinden sich eigentlich an Bord eines grossen Schiffes, beispielsweise auf grossen Passagierschiffen? Ist jedes Rettungsboot, jede Rettungsinsel, und dann das Schiff selber mit so einem Sendern ausgestattet? Hat jeder Sender dann eine eigene Kennung? Hat man in dem Fall, wenn z.B. ein grosser Luxusdampfer mit 2000 Mann und Maus an Bord untergeht und alle in die Boote müssen, gleich zig Sender, die alle gleichzeitig senden? Haben diese Sender alle unterschiedliche Kennungen (IDs)?

Vielleicht weiss ja jemand mehr.

Gruß aus dem Binnenland,
Andreas
MariusC
Mitglied
Beiträge: 161
Registriert: Fr 11. Jan 2008, 12:28

Re: Epirb (Notfunkbake) auf Schiffen - wie viele sind an Bord?

Beitrag von MariusC »

Hallo Andreas,

Grundsätzlich ist es erstmal vom Schiff abhängig, da Kriegsschiffe, Yachten usw. von der Ausrüstungspflicht ausgenommen sind.
GMDSS-Schiffe sind sonst alle über 300 BRZ.

Es hat aber auch damit zu tun, für welches Seegebiet das Schiff zugelassen ist. Große Hochseeschiffe sind in der Regel für min. A3 ausgerüstet. A3 bezeichnet das Seegebiet, es wird in A1 bis A 4 klassifiziert. A 4 ist die höchste und behinhaltet auch die Polregionen. Hier ist mehr Ausrüstung erforderlich da dort keine INMARSAT-Abdeckung (nur bis 70°N und 70°S).

Für A2-A4 Regionen gilt bzgl. EPIRB das selbe:
Es ist eine EPIRB an Bord, dort wo sie leicht aufschwimmen kann, sollte sie nicht manuell ausgelöst werden und gleichzeit leicht erreichbar ist um sie manuell auszulösen.
In der Praxis ist das in der Regel auf der Nock des Schiffes. Die EPIRB ist mit einem Wasserdruckauslöser ausgestattet.


Radartransponder (Search and Rescue Radar Transponder = SART) sind in höherer Zahl vorhanden und müssen in jedem Überlebensfahrzeug vorhanden sein. Es müssen mindestens zwei Transponder an Bord sein, bei Rettungsbooten an der Seite, an jeder Seite ein Radartransponder, bei Freifallbooten dann an diesem ein Radartransponder.
Auf Passagierschiffen müssen die Rettungsflöße nicht alle mit Radartranspondern ausgerüstet sein. Hier gilt 4 Rettungsinseln, für ein Radartransponder. Für den Transponder hat man auf dem aufgeblasenen Dach des Rettungsfloßes eine Halterung in die man diesen dann reinsteckt. Umso höher das Gerät um so größer die Reichweite.

SART sind nur auf X-Band Radargeräten zu sehen, nicht im S-Band.


Ich hoffe das hilft erstmal und ich habe mich nicht verzettelt ;-)
Marius
Jörg Z.
Mitglied
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Registriert: Fr 11. Jan 2008, 12:48
Wohnort: Hannover

Re: Epirb (Notfunkbake) auf Schiffen - wie viele sind an Bord?

Beitrag von Jörg Z. »

Hallo zusammen,

im Buch "Das Schicksal der Hohe Weg, ISBN 978-3-8391-1996-9, ist das Verfahren anschaulich beschrieben.

Es gibt Bodenstationen, die die vom Satteliten empfangenen Daten aufnehmen. Neben Toulouse in Frankreich gibt es in Europa noch Pentelli (Griechenland), Bari (Italien), Tromsö und Spitzbergen (Norwegen), Maspalomas (Spanien) und Combe Martin (Großbritannien). Die Bodenstationen werden auch als LUT (Local User Terminal) bezeichnet.

Bei einem Notruf in deutschen Gewässer kommt das Signal in Toulouse an. Wenn dort festgestellt wird, dass die Position im deutschen Bereich ist, wird die Meldung an das Aeronautical Rescue Co-ordination Centre (ARCC) der Bundesluftwaffe in Münster weitergegeben. Wenn dort festgestellt wird, dass die Position über Wasser ist, wird dass MRCC Bremen, die Seenotleitung der DGzRS, informiert.
Trotz des langen Weges und der vielen Hände soll der Transport über spezielle Leitungen in der Regel zwei bis drei Minuten dauern. Bei der Übertragung der daten vom Satteliten zur Bodenstation kann es technisch bedingt zu minimalen Ungenauigkeiten und geringen Zeitverzögerungen kommen.

Bei den Bojen gibt es welche, die einen eingebauten GPS-Empfänger haben und die ermittelte Position mit aussenden und solche ohne GPS-Empfänger. Hier muss aus Laufzeitdifferenzen der Funksignale die Position ermittelt werden, wass gewisse Ungenauigkeiten bedeuten kann. Die Hohe Weg hatte z.B. eine Boje ohne GPS-Empfänger an Bord.

Ich hoffe, dass ich als interessierter Nichtprofi mit der Zusammenfassung ein wenig weiterhelfen konnte.
Viele Grüße
Jörg

http://www.zuerner-maritim.de
KuddeldaddelduHH
Beiträge: 7
Registriert: Mo 2. Feb 2009, 19:30

Re: Epirb (Notfunkbake) auf Schiffen - wie viele sind an Bord?

Beitrag von KuddeldaddelduHH »

Moinmoin,

danke Euch für die Informationen! - Das war genau das, was ich gesucht habe.

Danke auch für die Bilder. Der 15-stellige Code auf der Bake ist tatsächlich die "15-Hex-ID", also ein hexadezimal-Code (bestehend aus 0-9, A-F, siehe Digitaltechnik), die für jede Bake einzigartig ist (d.h. daran erkennt man, welches Schiff gerade untergegangen ist, etc.). - Mehr Infos dazu gibts auch noch im Netz, einfach mal COSPAS/SARSAT eingeben (so heisst das ganze, weltumspannende satellitengestützte System).

Was mich nur wundert, vor allem nach dem Anblick der Bilder: die Bojen schwimmen wirklich selbständig auf? Vor allem auf dem ersten Bild sieht das Ding etwas eingefroren aus...

Schöne Grüße,
Andreas
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