Moin!
Zu den "Potsdam-Schiffen" (am Beispiel des weitgehend mit der "CASTORP" identischen Potsdam-Dampfers "BROOK") von mir noch einige Ergänzungen:
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland der Schiffbau zunächst untersagt. Im sogenannten
"Potsdamer Abkommen" im August 1945 wurde die vollständige Auflösung der deutschen Kriegs- und Handelsflotte von den Siegermächten beschlossen. Im August 1947 wurde das Abkommen gelockert. Es durften beschädigte und gesunkene Schiffe wieder repariert werden - die Werften bekamen wieder Arbeit und konnten wieder Neubauten auf Stapel legen, allerdings mit den Beschränkungen: nur mit Dampfmaschine, Geschwindigkeit höchstens 10 Kn, kleiner als 1.500 BRT. Als erstes Schiff war die "BROOK" der Hamburger Reederei H. M. Gehrckens Bestandteil des ersten Nachkriegs-Neubauprogramms, mit dem schließlich 49 Schiffe mit 79.791 BRT und einem Kostenaufwand von DM 88,6 Millionen fertig gestellt wurden. Insgesamt DM 66,9 Millionen wurden aus ERP-Mitteln
("Marshall-Plan") finanziert.

Bildnachweis: Sammlung Peter Hartung, Nidda
Die erste Neubaulizenz des Military Security Board bekam die Reederei H.M. Gehrckens für den Dampfer „Brook" (MSB/Ship 1) am 31. Mai 1949. H. M. G. gab dieses „Potsdam-Schiff" bei der Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft in Auftrag. Am 26. November 1949 lief es vom Stapel, 21.1.1950 machte es seine Probefahrt. Das Schiff entsprach genau den Bestimmungen. Am Heck musste das Schiff den
Stander C an Stelle der Nationalflagge und am Bug zusätzlich zum Schiffsnamen eine Registriernummer des alliierten Kontrollrates tragen.

Bildnachweis: Uwe Schöning
Es lief nur elf Knoten statt der erlaubten zwölf, es hatte nur 1.489 BRT statt der erlaubten 1.500, aber es war ein Meisterwerk in der Ausnutzung des gegebenen Rahmens. Bei 1.489 BRT bzw. 795 NRT hatte es eine Ladefähigkeit von 3.185 tdw, seine Masten waren so niedrig, daß es auch die Brücken des Manchesterkanals passieren konnte. Gebaut wurde der Frachtdampfer bei der Lübecker Maschinengesellschaft LMG unter der Baunummer 426. Das Schiff führte das Unterscheidungssignal DHFD. Die "Brook" war 81,60 m zwischen den Loten lang bei einer Länge über alles von 87,60 m. Sie hatte eine Breite von 13,20 m, eine Seitenhöhe bis Hauptdeck von 7,90 m, eine Seitenhöhe bis zum Zwischendeck von 5,45 m und einen Tiefgang auf Sommerfreibord von 5,43 m. Eine von der LMG gebaute Doppelverbunddampfmaschine (Christian & Meyer) mit 1250 PS bei 100 Umdrehungen pro Minute trieb das Schiff an. Nach der Umstellung von Kohle- auf Ölfeuerung verbrauchte die Dampfmaschine der "Brook" 10,5 bis 11 t Heizöl pro Tag. Die "Brook" kam ab 1950 im neu aufgenommenen Liniendienst nach Finnland und Schweden (einmal wöchentlich) zum Einsatz. Mittelmeerfahrten, seit 1949 wieder erlaubt, kamen dazu. Es war ein historischer Augenblick, als der Stander C, unter dem die deutschen Handelsschiffe seit 1946 zu fahren hatten, der deutschen Bundesflagge Platz machte. Am 23. Februar 1951, vierzehn Tage nach Verkündung, trat das Gesetz über das Flaggenrecht der Seeschiffe und der Flaggenführung der Binnenschiffe in Kraft.
mfg Peter Hartung