Aus dem Alltag eines "waterclerk"
Verfasst: Do 11. Feb 2010, 12:46
Ich möchte mit den Bericht über meine ungewöhnlichste Klarierung während meiner Lehrzeit zum Reedereikaufmann und Schiffsmakler (heute Schiffahrtskaufmann), etwas aus dem Berufsleben dieses vielseitigen und schönen Berufes beisteuern. Ich hoffe, dass meine Erinnerung nach den vielen Jahren (1969-1971) noch "up-to-date" sind. Ich hoffe es gefällt, vielleicht fällt ja auch einigen meiner ehemaligen Berufskollegen das eine oder andere dazu ein.
Tschüss aus Hamburg
Dierk
Ein Kümo aus Norwegen
Bei der Reederei Otto A. Müller, mussten die Lehrlinge ab Ende des zweiten Lehrjahres die Aufgaben des Klarierungsagenten (waterclerk) übernehmen. Wir mussten alles selbständig ausführen, natürlich mit Hilfestellung der erfahrenen Mitarbeiter. Eines Tages erhielt ich den Auftrag die Klarierung eines norwegischen Kümo`s zu übernehmen, der eine Ladung von mehreren hundert Tonnen Marmorsplitt nach Hamburg bringen sollte. Nach Auslaufen aus Trondheim in Norwegen sendete der Kapitän sein „eta“ (Abk. für expected time of arrival oder in deutsch voraussichtliche Ankunftszeit) Für diesen Termin musste ich alles was notwendig war bestellen, wie Liegeplatz am Kai, Wasserschutzpolizei, Zoll, Festmacher, etc.
Der Kapitän hatte Anweisungen uns sobald wie möglich wissen zu lassen falls sich sein „eta“ ändert. Die Ladung Marmorsplitt sollte in Hamburg auf wartende Binnenschiffe umgeschlagen werden, um dann weiter nach Berlin befördert zu werden. Sein „eta“, irgendwann im März um 2 Uhr morgens, wurde nicht geändert und wir erhielten auch keine weiteren Nachrichten von dem Schiff. Die Binnenschiffe wurden vom Verlader geordert und machten am Kai der Verladeanlage von Otto A. Müller in der Großen Elbstrasse in Hamburg-Altona fest. Bevor ich das Haus verliess, fragte ich beim Hamburger Schiffsmeldedienst nach, ob das Schiff Stadersand passiert hatte, denn dann wurde es Zeit loszufahren um pünktlich am Kai zu sein. Aber sie konnten nichts sagen. Im Jahr 1970 hatte man noch nicht die perfekte Radarüberwachung oder die moderne Nachrichtentechnik von heute. Deshalb fuhr ich trotzdem los um nicht zu spät am Kai am Altonaer Fischereihafen anzukommen. Ich ging in das Zollamt., das sich glücklicherweise im Gebäude des Fischereihafens befand und wartete dort mit den Beamten von der Wasserschutzpolizei und dem Zoll auf das Schiff. Aber es kam kein Schiff und es gab auch keine weiteren Informationen. Am frühen Morgen, nach einigen Stunden erhielten wir die Bestätigung dass das Schiff nicht auf der Elbe war und wir verließen den Kai. Im Stadtbüro versuchten wir Informationen zu erhalten, wo sich das Schiff befand. Der norwegische Makler des Schiffes hatte keine Informationen erhalten und es wurde auch nicht auf Funksprüche geantwortet. Deshalb, so hörten wir wurde auch von der norwegischen Marine nach dem Schiff gesucht. In Hamburg wurde weiter gewartet. Nach einer Woche erreichte uns die erlösende Nachricht, das das Schiff nicht gesunken und die Besatzung wohlauf sei. Das Schiff war immer noch in Norwegen und zwar lag es jetzt in Stavanger. Nun erhielten wir vom Kapitän, der auch Eigner war, ein neues „eta“, aber er hatte einiges zu erklären. Die Binnenschiffe, die schon weggeschickt werden sollten, mussten bleiben. Das Kümo kam nun pünktlich an. Ich durfte die Klarierung jetzt nicht mehr alleine machen, aber ich war darüber froh, denn der Kollege musste dem Kapitän die schlechte Nachricht übermitteln, dass er diesmal so gut wie nichts verdient hatte. Er erklärte seinem Makler und uns, dass er kurz vor Stavanger krank geworden sei und den Hafen anlaufen musste. Dort sei ihm ein Teil der Besatzung desertiert und er musste sich um Ersatz kümmern. Erst nach einigen Tagen hatte er seinen Makler und die Leute in Hamburg über seine Lage informiert.
Ich glaube, nun war er wirklich in Schwierigkeiten. Sein Makler wollte seinen Vertrag kündigen und vom Verlader in erhielt er nur einen Scheck über DM 300,- Alle Binnenschiffe waren auf „Überliegegeld“ und dies und weitere Extrakosten wurden ihm von seiner Fracht abgezogen. Ich hatte Mitleid mit ihm, denn er war ein alter, gebrechlicher Mann, aber es gab nichts was ich für ihn hätte tun können.
Dies war mein ungewöhnlichstes Erlebnis während meiner Klarierungstätigkeit.
Tschüss aus Hamburg
Dierk
Ein Kümo aus Norwegen
Bei der Reederei Otto A. Müller, mussten die Lehrlinge ab Ende des zweiten Lehrjahres die Aufgaben des Klarierungsagenten (waterclerk) übernehmen. Wir mussten alles selbständig ausführen, natürlich mit Hilfestellung der erfahrenen Mitarbeiter. Eines Tages erhielt ich den Auftrag die Klarierung eines norwegischen Kümo`s zu übernehmen, der eine Ladung von mehreren hundert Tonnen Marmorsplitt nach Hamburg bringen sollte. Nach Auslaufen aus Trondheim in Norwegen sendete der Kapitän sein „eta“ (Abk. für expected time of arrival oder in deutsch voraussichtliche Ankunftszeit) Für diesen Termin musste ich alles was notwendig war bestellen, wie Liegeplatz am Kai, Wasserschutzpolizei, Zoll, Festmacher, etc.
Der Kapitän hatte Anweisungen uns sobald wie möglich wissen zu lassen falls sich sein „eta“ ändert. Die Ladung Marmorsplitt sollte in Hamburg auf wartende Binnenschiffe umgeschlagen werden, um dann weiter nach Berlin befördert zu werden. Sein „eta“, irgendwann im März um 2 Uhr morgens, wurde nicht geändert und wir erhielten auch keine weiteren Nachrichten von dem Schiff. Die Binnenschiffe wurden vom Verlader geordert und machten am Kai der Verladeanlage von Otto A. Müller in der Großen Elbstrasse in Hamburg-Altona fest. Bevor ich das Haus verliess, fragte ich beim Hamburger Schiffsmeldedienst nach, ob das Schiff Stadersand passiert hatte, denn dann wurde es Zeit loszufahren um pünktlich am Kai zu sein. Aber sie konnten nichts sagen. Im Jahr 1970 hatte man noch nicht die perfekte Radarüberwachung oder die moderne Nachrichtentechnik von heute. Deshalb fuhr ich trotzdem los um nicht zu spät am Kai am Altonaer Fischereihafen anzukommen. Ich ging in das Zollamt., das sich glücklicherweise im Gebäude des Fischereihafens befand und wartete dort mit den Beamten von der Wasserschutzpolizei und dem Zoll auf das Schiff. Aber es kam kein Schiff und es gab auch keine weiteren Informationen. Am frühen Morgen, nach einigen Stunden erhielten wir die Bestätigung dass das Schiff nicht auf der Elbe war und wir verließen den Kai. Im Stadtbüro versuchten wir Informationen zu erhalten, wo sich das Schiff befand. Der norwegische Makler des Schiffes hatte keine Informationen erhalten und es wurde auch nicht auf Funksprüche geantwortet. Deshalb, so hörten wir wurde auch von der norwegischen Marine nach dem Schiff gesucht. In Hamburg wurde weiter gewartet. Nach einer Woche erreichte uns die erlösende Nachricht, das das Schiff nicht gesunken und die Besatzung wohlauf sei. Das Schiff war immer noch in Norwegen und zwar lag es jetzt in Stavanger. Nun erhielten wir vom Kapitän, der auch Eigner war, ein neues „eta“, aber er hatte einiges zu erklären. Die Binnenschiffe, die schon weggeschickt werden sollten, mussten bleiben. Das Kümo kam nun pünktlich an. Ich durfte die Klarierung jetzt nicht mehr alleine machen, aber ich war darüber froh, denn der Kollege musste dem Kapitän die schlechte Nachricht übermitteln, dass er diesmal so gut wie nichts verdient hatte. Er erklärte seinem Makler und uns, dass er kurz vor Stavanger krank geworden sei und den Hafen anlaufen musste. Dort sei ihm ein Teil der Besatzung desertiert und er musste sich um Ersatz kümmern. Erst nach einigen Tagen hatte er seinen Makler und die Leute in Hamburg über seine Lage informiert.
Ich glaube, nun war er wirklich in Schwierigkeiten. Sein Makler wollte seinen Vertrag kündigen und vom Verlader in erhielt er nur einen Scheck über DM 300,- Alle Binnenschiffe waren auf „Überliegegeld“ und dies und weitere Extrakosten wurden ihm von seiner Fracht abgezogen. Ich hatte Mitleid mit ihm, denn er war ein alter, gebrechlicher Mann, aber es gab nichts was ich für ihn hätte tun können.
Dies war mein ungewöhnlichstes Erlebnis während meiner Klarierungstätigkeit.