Peter_W hat geschrieben:(...)
Der Verfasser des Artikels bezieht sich auf eine alte deutsche Illustrierte namens "Motor" aus dem Jahr 1913. Darin wird über die Probefahrt und Ablieferung der HERMANN KRABB als erstes und rein deutsches Dieselmotorschiff berichtet.
Das Schiff muß danach im Jahr 1912/13 von der Kieler Werft "Stocks & Kolbe" gebaut worden sein, und war für eine deutsche Exportfirma bestimmt. Einsatzgebiet war die La-Plata Mündung und Flüsse im Mündungsgebiet zwischen Argentinien und Uruguay.(...)
Vielen Dank und Gruß von der Ostsee
Peter
Moin, Peter! Über die "HERMANN KRABB" habe ich nichts weiter direkt herausfinden können. Auch erscheint mir zweifelhaft, ob das Schiff überhaupt, wie von Dir zitiert, als "erstes und rein deutsches Dieselmotorschiff" bezeichnet werden kann.
Klaus-Peter Kiedel hat für das Deutsche Schiffahrtsmuseum eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel "Antriebe – Seeschiffe; Dampf oder Diesel? Quellen zum Übergang von der Dampf- zur Motorschifffahrt 1910-1939; Fassung Nr. 1, Juni 2009" veröffentlicht. Der Download des illustrierten Textes ist möglich über folgenden Link:
http://www.dsm.museum/DBSchiff/pdf_file ... diesel.pdf
Kiedel schreibt u. a. - Zitat:
"Für das Jahr 1914 weist der Germanische Lloyd in seinem Handelsschiffsregister bereits 98 seegehende Motorschiffe aus. Unter
deutscher Flagge werden insgesamt acht größere Schiffe mit Motorleistungen zwischen 1850 und 3900 PS genannt,
darunter drei Tanker und fünf Trockenfrachter, die mit einer Ausnahme alle in Hamburg beheimatet sind."
Kiedel bezeichnet den „Nordseemotorkutter“ PRÄSIDENT ROSE, der im Mai 1910 bei der Schiffbaugesellschaft m. b. H. „Unterweser“ in Lehe (heute Bremerhaven) vom Stapel lief, als erstes deutsches Motorschiff. Das knapp 18 m lange Schiff zeigte nach der Indienststellung sowohl unter Segeln wie auch im Mischbetrieb und unter alleiniger Nutzung des 16 PS leistenden Zweitakt-Rohölmotors gute Fahreigenschaften.
Im August 1910 gab Hapag-Lloyd bei der A.G. Weser in Bremen und bei Blohm & Voss in Hamburg zwei Motorfrachter in Auftrag, die nach ihrer Fertigstellung unter den Namen "PRIMUS" und "SECUNDUS" in Fahrt gesetzt werden sollten. "SECUNDUS" kam 1914 als Motorfrachter in Fahrt, "PRIMUS" wurde zum Dampfer umgebaut und kam erst 1915 als "KRIBI" in Fahrt.
Interessant in dem Artikel ist die Beschäftigung mit der Frage, warum der Norddeutsche Lloyd lange Zeit eine "Dampfschiff-Reederei" blieb, während Hapag-Lloyd schon frühzeitig eine "Motorschiff-Reederei" wurde.
Der Artikel ist sehr lesenswert und aufschlussreich für die Übergangszeit vom Dampf- zum Motorschiff. Insbesondere die Tatsache, dass die kleinen Küstenschiffe mit Segelantrieb sehr früh mit Dieselmotoren bestückt wurden und sozusagen die Dampfmaschinenphase übersprangen.
mfg Peter Hartung