Himbeere hat geschrieben: ↑Mo 8. Dez 2025, 22:02
Um das Jahr 2000 wurden zwei Doppelendfähren von der dänischen Reederei Easy-Line eingesetzt.
Vom 18. Juni 1998 bis zum 17. Dezember 2000* war die ANJA 11 im Einsatz. Ich fand diese Fotos von Marcus-S:
https://www.shipspotting.com/photos/3658753
https://www.shipspotting.com/photos/3658752
Von März 1999 bis zum 30. August 1999* war zusätzlich die GITTE 3 dabei, auch hier ein Bild von Marcus S:
https://www.shipspotting.com/photos/3659454
(an Marcus-S: Wie sicher ist das angegebene Aufnahmedatum 1. November 2000?)
Ich erinnere mich gut, wie ich diese Schiffe oft beim Ein- und Auslaufen in Rostock beobachtete, sie waren in diesen Jahren so präsent wie heute BERLIN und COPENHAGEN.
Ich berichte von meiner Erfahrung an Bord:
(ob es ANJA 11 oder GITTE 3 war, weiß ich nicht mehr, aber eine von diesen rot-weißen Nussschalen war es ganz sicher.)
Wir waren nach Dänemark zu einem Ausflug gefahren, hin mit Scandlines. Als wir zur Rückfahrt im Hafen Gedser ankamen, erfuhren wir, dass Scandlines den Betrieb wegen Sturms eingestellt hatte. Aber Easy fuhr noch... Also standen wir vor der Entscheidung entweder spontan eine Nacht in Dänemark zu bleiben und den Sturm abzuwarten oder die Überfahrt mit der ANJA 11/GITTE 3 zu wagen. Die Wahl fiel auf das rote, rundliche Schiff.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als das Schiff das Hafenbecken verließ und das erste Mal mit den Wellen richtig in Kontakt kam. Ich bekam sowas wie eine Panikattacke. Ich war noch ein Kind und unerfahren und reagierte entsprechend heftig auf bedrohliche Situationen. Ich wollte sofort wieder an Land, mein Vater teilte mir jedoch mit, dass es dafür nun zu spät war.
Und los ging die Fahrt. Ich erinnere mich daran, dass es Windstärke 12 war (las ich meiner Erinnerung nach in einem Bericht am nächsten Tag o.ä.). Ob es bei Windstärke 12 überhaupt zulässig war, die Fähre zu betreiben, weiß ich nicht und ob das mit der Windstärke stimmt, da bin ich mir nicht mehr so sicher. Unstrittig war Sturm.
Irgendwann war es sehr leer um mich herum geworden. Ich saß vorn an einem Fenster und alle waren weg und hingen kotzend auf den Klos.
Die Türen zur Kombüse waren aufgeflogen, Konservendosen waren rausgerollt und rollten durchs Schiff - mit jeder Aufwärtsbewegung des Bugs rollten sie nach hinten und kurz darauf wieder nach vorn, hin und her, über das ganze Deck.
Es war wirklich extrem und ich war mir damals nicht so sicher, ob ich das lebend überstehen werde. Irgendwann kamen dann die Lichter von Rostock in Sicht und ich war heilfroh.
Seitdem möchte ich so eine Überfahrt noch einmal wiederholen, aber Scandlines fährt bei sowas nicht. Nur die Easy-Line musste es damals machen, um die ganzen gestrandeten Scandlines-Kunden zu übernehmen und die Betriebsaufgabe noch herauszuzögern. Jedenfalls waren die Schiffe nur für etwa zwei Jahre in Rostock, was mich aber verwundert, denn mir kam das viel länger vor. Das wird wohl an dem anderen Zeitgefühl bei Kindern liegen, zwei Jahre sind da eine halbe Ewigkeit.
*Daten laut
https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A4hr ... 0%93Gedser