Sicherung vor Piraten

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Henri
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Henri »

feli hat geschrieben:Ich bin zwar nur blutiger Laie, möchte mich nun allerdings mit einer Frage an diese Diskussion beteiligen:

Hier war jetzt mehrmals die Rede von Großcontainerschiffen, wie die Emma Maersk, die von Piraten nicht angegriffen werden unter anderem aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit (z.B. 25 Knoten).
Da ist jetzt meine Frage, ob diese möglichen Geschiwndigkeiten wirlich gefahren werden, denn seit der Wirtschaftskrise in den letzten Jahren wird es doch immer populärer die Schiffe unter dem sogenannten "Slow Steaming" laufen zu lassen.
Wird dort trotzdem so schnell gefahren oder reicht dort immernoch der hohe Freibord und die Wellen, die trotz der niedrigeren Geschwindigkeit ja bei größeren Schiffen ja dann trotzdem nicht unerheblich sind?


Lg Felix
Jeder VERNÜNFTIGE Kapitän schmeißt beim passieren vom Golf von Aden den Hebel aufn Tisch und gibt Fersengeld. Auch sollte jede Reederei eine solche Anweisung herausgeben haben. Tun sie es nicht sind die selber schuld. Steht auch im jedem Ratgeber dazu vollgas zu fahren.
Speed has never killed anyone. Suddenly becoming stationary, that's what gets you.
ArneKiel

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von ArneKiel »

Jeder VERNÜNFTIGE Kapitän schmeißt beim passieren vom Golf von Aden den Hebel aufn Tisch und gibt Fersengeld. Auch sollte jede Reederei eine solche Anweisung herausgeben haben. Tun sie es nicht sind die selber schuld. Steht auch im jedem Ratgeber dazu vollgas zu fahren.
Moin,

das wird in den"Best Management Practices" auch unbedingt empfohlen

Bild
frank0265
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von frank0265 »

M Sicherheit hat geschrieben:Hallo Henri,

das ist auch meiner Meinung nach sehr effektiv. Hebel aufm Tisch. Vernünftig baulich und personell (Marine) aufgestellt, gibt es keinerlei Erfolgsaussicht für Piraten.


Gruß
Patrick

..das dürfte auch derzeit die effektivste Art der Piratenabwehr sein
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
Henri
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Henri »

ArneKiel hat geschrieben:
Mein Vorschlag für die Politik wäre mal ins Geschichtsbuch zu gucken und nachlesen wie man früher der Piraterie erfolgreich Herr geworden ist und diese Methoden dann anzuwenden...Erfolg wäre garantiert, nur bei Vermittelbarkeit zuhause würde es doch etwas harpern...Insbesondere bei Leuten wie Frank.
Moin,

wenn ich mir anschaue wie die Leute "zuhause" die Filmreihe "Fluch der Karibik 1-4" lieben, könnte die Vermittlung der dort zuhauf praktizierten Methoden einfacher sein als man glaubt... :D :D .
Mit derartigen gewissen Methoden würde man leider auch die Geiseln treffen :evil:
Ja netter Filmstoff fällt da sicherlich ab :D. Ich meinte da jetzt aber weniger Rambo Methoden beim Befreien von Schiffen, wenn die einmal an Bord sind und die Besatzung nicht sicher im Schutzraum ist hat man verloren. Sondern wie mit Piraten verfahren werden die bei einem Angriff erwischt werden.... Und das Piraten die erfolglos ein Schiff angeriffen haben verfolgt werden und zur Strecke gebracht werden. Weiterhin geht es ja auch um die Mutterschiffe. Diese sind ja bekannt bzw. zumindest vermutet man welche es sein könnte und bei den ganzen newsletters sind auch Bilder von denen dabei. Die einzigen die bisher zwei Mutterschiffe zur Strecke gebracht haben waren die Inder. Die haben da auch nicht viel Federlesens gemacht.
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Spleißen

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Spleißen »

Hallo

Weiß nicht ob ihr das heute gelesen habt, aber THB brachte es kurz nach Mitternacht. Was sagt man dazu , wenn es stimmt ???
Ging auch durch das Revolverblatt "Bild"

...Chemiefrachter soll freikommen
http://www.thb.info/news/single-view/id ... ommen.html

Da sind Geldsummen im Spiel !!!

Spleißen
Fischländer
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Fischländer »

Moin,
Alexander hat geschrieben:
Ein Schiff so zu versenken, daß es binnen weniger Minuten komplett absäuft, ist zwar möglich, aber doch nicht ganz einfach, denn das würde sicher mehrere genau am richtigne Ort plazierte Ladungen erfordern. Und da wären wir schon wieder beim Faktor Zeit - Zeit, die die Piraten nicht haben, weil sie eben mit jeder Minute, die sie unnötig, d.h. ohne im direkten Zugriff befindliche Geiseln, an Bord bleiben, mit einem Schiff oder einem Hubschrauber der internationalen Marinekräfte rechnen müssen. Insofern ist das in meinen Augen kein sehr wahrscheinliches Szenario.
Das Gebiet der Piraterie ist hier bitte nicht einzuschränken. Der Aktionsradius der "somalischen Piraten" hat sich den Bewachungsmaßnahmen angepasst und operiert meißt fern ab vom "Horn von Afrika".
Hier eine veralterte Karte vom Aktionsradius der "Pirates of Somalia"
http://newsimg.bbc.co.uk/media/images/4 ... _466_2.gif
MCL Bremen: 1000 sm vor der somalischen Küste gekapert
Beluga Fortune: 1200 sm ""
Die aktuellen Sicherungsmaßnahmen sind absolut ungenügend und somit haben die bösen Jungs, 1000 sm entfernt von jedem Kampfverband, genügend Zeit.
Da bringt mir auch ein Sicherungsteam, welches mich ab Bab el Mandeb bis ende IRTC begleitet nichts.
Im Gegensatz könnte das Sicherungsteam vom Hafen A zum Hafen B mitfahren, aber das wird sich kein Reeder leisten können.
Hinzu kommen Verpflegung, Unterbringung und mehr als vier Personen sind schwer unterzubringen.
Die Nautiker lösen sich alle 4 Std. ab, aber wie soll man das mit einem vierköpfigen Sicherungsteam, welches auf mein Schiff aufpassen muss und somit in ständiger Alarmbereitschaft ist, handhaben???

Die Piraterie wird weiter zunehmen, auch in anderen Gebieten der Welt, da die "Pirates of Somalia" es gut vormachen, dann wird es ganz schnell einen 2. 3. und 4. Teil in diesem Umfang geben.
Es wird immer davon gesprochen, dass man das Grundproblem der Piraterie angehen muss. Richtig! Aber wer denn bitte? Die EU versinkt im Schuldenberg, anderen Ländern und Vereinigungen geht es nicht besser.

Wer von euch ist Seemann? Wer von euch muss da zwei- , dreimal im Jahr durchfahren? Ich bin viermal in zwei Monaten durchgefahren und das unbehagliche Gefühl fährt immer mit. Es ist ein echt schlechtes Gefühl, wenn man im Funk hört wie jemand mit ängstlicher Stimme um Hilfe schreit, weil ihm zwei Somalische-Schnellboote auf den Fersen sind und immer näher kommen. 15 sm entfernt, aber man kann nichts machen.

Wenn man möchte, dass dieser Piratenterror aufhört, dann muss man radikaler vorgehen und die Piratennester und Strände besetzen. Alles Andere sind Wunschvorstellungen von einer besseren Welt, zurecht.
Aber es wurden noch nicht genug Schiffe gekapert, noch nicht genug Seeleute gefangen genommen.
Somit fährt hei Seemann weiter mit einem schlechten Gefühl durch dieses sich ausweitende verfluchte Meer...
freundliche Grüße
Zuletzt geändert von Fischländer am Di 28. Dez 2010, 11:24, insgesamt 1-mal geändert.
Meine Fotos sind durch ein Copyright urheberrechtlich geschützt.
Henri
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Henri »

@ Fischländer

Das Problem an einer wirkungsvollen Piratenbekämpfung ist doch das sie politisch nicht durchsetzbar ist, da sie nicht konform mit der im Westen herrschenden Wertevorstellung ist. Bei einer Abstimmung unter den Bestazungen, der Schiffe die dadurchfahren, würde eine, nur ein toter Pirat ist ein guter Pirat, Vorgehensweise natürlich eine 99% Zustimmung erhalten. Aber ich bezweifel stark das man davon auch nur die nicht Seeleute hier im Forum von überzeugen könnte. Geschweige den die öffentliche Meinung.
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Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

Henri hat geschrieben:Aber ich bezweifel stark das man davon auch nur die nicht Seeleute hier im Forum von überzeugen könnte. Geschweige den die öffentliche Meinung.
Und das ist auch verdammt gut so!
Meine Schiffsfotos bei Fotocommunity: http://home.fotocommunity.de/squarerigg ... 4&g=240434
Henri
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Henri »

Alexander hat geschrieben:
Henri hat geschrieben:Aber ich bezweifel stark das man davon auch nur die nicht Seeleute hier im Forum von überzeugen könnte. Geschweige den die öffentliche Meinung.
Und das ist auch verdammt gut so!
Ja das dachte ich mir... Wenn du deine Meinung ändern willst dann setze dich doch auf einen dicken, langsamen und unagilen abgeladenen Bulki/Tanker. Dessen Aufbauten mit Natodraht bepflastert sind und der mit 13kn dahinschleicht. Jedes Fischerboot das du siehst ist ein potenzieller Pirat, jedes das näher kommt quasi sicher einer aber wissen wirst du es erst wenn sie wirklich angreifen. Kommen welche näher suchst nach einer Möglichkeit denen auszuweichen aber scheiße da sind ja auch welche! Was nun schneller? Geht auch nicht, Hebel liegt ja schon aufn Tisch! Naja bleibt nur abzuwarten. Ah die drehen ab sehr schön, jetzt ist wieder für eine Stunde Ruhe bis die nächsten einem auf die Nerven gehen. Nebenbei darf man sich dann noch mit anhören wie andere überfallen werden. Das beste aus dem Bereich, war ein Schiff das unter jemenitischen Küste fuhr (in begleitung der jemenitischen Küstenwache). Erst haben sie mit zwei Booten angegriffen, wurden abgewehrt dann kamen sie mit vier wieder, wurde auch noch abgewehrt. Zum Schluss kamen sie mit sechs Booten, das konnten sie nicht mehr abwehren... Und das alles darf man wie Fischländer ja schon so schön beschreibt über UKW alles mithören.

Und das geht ja schon seit Jahren so. Und das einzige was man hört um die Angelegenheit in Griff zu kriegen ist: Ja mit mehr Entwicklungshilfe evtl. in ein paar Jahren, könnte man es evtl. in den Griff kriegen. Oder auch nicht... Sprich das übrige blabla von dem man von vornerein weiß das es so nicht klappen und auch nicht passieren wird. Oder hab ich was verpasst und ist Entwicklungshilfe mittlerweile ein hoch effektives Wundermittel??

@ M Sicherheit

Die Lösung des Piratenproblems ist Aufgabe der Marine und nicht der privater Sicherheitsdienste. Per Defenition hat eine Marine zwei Aufgaben, den Kampf gegen andere Seestreitkräfte und die Offenhaltung und Sicherheit der internationalen Handelsrouten.
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aha11
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von aha11 »

Zwei, drei Anmerkungen zur Sicherheit.

Grosse, schnelle Schiffe mit hohem Freibord sind natürlich besser geeignet, Piraten-Skiffs zu entkommen, als alte, langsame Frachter mit niedrigem Freibord oder gar traditionelle Daus. Trotzdem stoppen auch die Container meist, wenn mit Panzergranaten auf die Brücke geschossen wird. Die Piraten verwenden übrigens gern mal Granaten vom RPG Typ 7V, die bei der Explosion ein Brennstoff-Luft-Gemisch erzeugen und ein Flammeninferno verursachen. Auf der Hansa Stavanger beispielsweise ist durch den Granatenangriff die Kapitänskajüte vollkommen ausgebrannt.

Die Lärmkanonen LRAD sind angeblich nicht besonders wirkungsvoll. Britische Sicherheitsleute, die damit 2008 einen Piratenangriff auf den Chemikalientanker Biscaglia abwehren wollten, erklärten später, die Piraten hätten "nur darüber gelacht". Als die Piraten trotz LRAD, Feuerlöschregen etc. an Bord kamen, hüpften die Security-Leute (übrigens unter Zurücklassung der Crew) vom Peildeck ins Wasser. Hier könnt ihr alles noch mal nachgucken (viele Fotos): http://www.cargolaw.com/2008nightmare_mv_biscaglia.html

Am besten bewährt hat sich bisher die Zitadelle aka Panikraum aka Schutzraum (so sieht das übrigens aus: http://piraten.tumblr.com/post/21676970 ... ikraum-aus

Gut zu funktionieren scheint es auch, Gurkhas an Bord zu nehmen. Die haben den Vorteil, dass ihr Ruf so krass ist, dass sich die Piraten normalerweise schon davon von einem Anfgriff abhalten lassen. Beim Angriff auf den Cruiser Seaborn Spirit 2005 haben nach Ansicht von Seekriegsexperten die Gurkhas an Bord ein Kidnapping verhindert.

Basis für alles ist es aber, die Best Management Praktiken BPM anzuwenden, deren download ich allen nur ans Herz legen kann, die durch High-Risk-Gebiete wie den Indischen Ozean fahren. Download: http://www.mschoa.org/bmp3/Documents/BM ... al_low.pdf

Schönen Abend noch

Michael
Michael Kneissler, Piraten-Terror, Delius Klasing Verlag, Hamburg 2010. Piraten-Blog: http://piraten.tumblr.com/
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