Sicherung vor Piraten

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Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

M Sicherheit hat geschrieben: Bei Notwehr gibt es keine Straftaten. Hier wird entweder Notwehr geübt oder eine strafbare Handlung vollendet.
Wie gesagt: Ich wünsche weder Dir noch Deinen Männern nicht, daß sie am Schluß vor Gericht stehen, weil sie Deiner Definition von Notwehr vertraut haben.
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Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

M Sicherheit hat geschrieben:was soll bitte andauernd die Sorge, dass Sicherheitsdienste an geltendem Recht vorbei agieren? Das geschieht äusserst selten und liegt wohl kaum im Promillebereich.
Diese Sorge ist genau dann, wenn Sicherheitsunternehmen mit scharfen Schußwaffen agieren dürfen, durchaus berechtigt, denn hier kann jedes Fehlverhalten potentiell tödlich sein, insofern wäre auch eine Fehlerquote im Promillebereich ggf. ein Toter zu viel...

Und diesen "Promillebereich" halte ich insgesamt für untertrieben. Sicher darf man nicht alle Sicherheitsdienste über einen Kamm scheren und sollte auch nach den jeweiligen Tätigkeiten differenzieren, aber in einzelnen Facetten des Gewerbes tummeln sich relativ viele schwarze Schafe, so daß es hier regelmäßig zu Straftaten kommt. Erinnern möchte ich hier nur an die Tätigkeit als Türsteher. Hier sind Straftaten wie Körperverletzung, Rauschgiftdelikte, etc. fast schon üblich. :-(

Davon abgesehen: Um, wie Du so schön schreibst, "an geltendem Recht vorbei zu agieren" braucht es nicht mal Vorsatz. Eine Fehleinschätzung einer Situation, aus welchen Gründen auch immer (und sei es z.B. nur aus Übermüdung), kann hier, gerade wenn das Personal bewaffnet ist, durchaus fatale Folgen haben, zumal dann, wenn das Personal mit der betreffenden Situation/Umgebung nicht bestens vertraut ist (wie es z.B. der Fall wäre, wenn irgendwelche Sicherheitsmenschen, die üblicherweise an Land arbeiten, auf einmal auf einem Schiff Dienst schieben).

Versteh mich nicht falsch: ich möchte nicht unterstellen, daß es bei Dir oder Deinen Leuten so kommen wird, aber ich habe manchmal das Gefühl, daß Du Dir hier einen neuen Geschäftszweig erschließen willst, ohne klar zu wissen, auf was Du Dich da einlässt, indem Du meinst, Deine (sicherlich vorhandenen) Erfahrungen, die wohl primär Landeinsätze betreffen, 1:1 auf hohe See zu übertragen. Insofern möchte ich meine Gedanken als Denkanstöße verstanden wissen. Ob Du diese Anstöße annimmst oder nicht, das bleibt dann Dir überlassen. Aber ich hoffe wirklich ernsthaft, nie in den Nachrichten negative Informationen über die Firma "M-Sicherheit" zu sehen oder zu lesen...
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frank0265
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von frank0265 »

Arbeit an Land und Arbeit zur See sind 2 verschiedene Paar Schuhe...Warst Du überhaupt schonmal auf einem Schiff ? Privat meine ich ?
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

[quote="M Sicherheit]Allerdings möchte ich anmerken, dass ich persönlich unter hoheitlicher Aufsicht auf 3 verschiedenen Kontinenten bewaffnete Einheiten befehligt und geführt habe. Zu einer Fehleinschätzung kam es hierbei zu keinem Zeitpunkt und in keiner Situation. In meinen Unterrichten stelle ich das sehr einfach dar.[/quote]

Deine Erfahrung vermag mich zwar ein wenig zu beruhigen, aber eben nicht ganz. "Murphy's Law" sagt Dir sicher was: "Alles, was schief gehen kann, geht irgendwann mal schief!". Insofern wird es, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, auch einmal entsprechende Fehler Deiner Leute oder vergleichbarer Einheiten geben. Insofern (und aufgrund der hinreichend diskutierten anderen Gründe) bleibt bei mir nach wie vor ein gewisses Bauchweh bei der Vorstellung, bewaffnete Sicherheitsdienstleister an Bord von Handelsschiffen zu schicken. Aber ich kann Dich beruhigen: dieses Bauchweh hätte ich auch, wenn BW oder BP oder sonstige öffentliche Sicherheitskräfte an Bord wären (wie leichtsinnig manch einer bei der BW mit Waffen umzugehen scheint, wird ja gerade in Zusammenhang mit dem toten Kameraden in Afghanistan bekannt).

Es ist also kein Generalverdacht nur gegenüber privaten Sicherheitsfirmen, sondern generelles Unwohlsein bei der Vorstellung, man könne das Piratenproblem so in den Griff kriegen (Du brauchst hierzu auch nichts mehr zu erwidern, unsere Pro- und Contra-Argumente dürften alle ausgetauscht sein, ich wollte nur nochmal erklären, weshalb ich generell dieses ungute Gefühl habe).
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Henri
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Henri »

frank0265 hat geschrieben:Arbeit an Land und Arbeit zur See sind 2 verschiedene Paar Schuhe...Warst Du überhaupt schonmal auf einem Schiff ? Privat meine ich ?
Das fragt der Richtige....
Speed has never killed anyone. Suddenly becoming stationary, that's what gets you.
Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

Anbei mal ein Link zu einem vor allem für Patrick interessanten Artikel:

http://www.abendblatt.de/wirtschaft/art ... raten.html

Zitat daraus:
Bei der Reederei Komrowski hatte das Bundesinnenministerium es jedoch untersagt, auf dem Schiff unter deutscher Flagge Wachpersonal einzusetzen. Deshalb musste die Reederei die "Taipan" erst nach Liberia ausflaggen.
Widerspricht das nicht Deiner Sichtweise, daß es problemlos möglich wäre, bewaffnete Wachleute an Bord deutscher Schiffe einzusetzen?
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mooringman
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von mooringman »

Das Herr Stolberg für seine ausgeflaggten Schiffe den deutschen Staat im bewaffneten Schutz bittet,halte ich für einen schlechten Witz.Er hätte aber einen privaten Sicherheitsdienst anheuern können.
Das seine Besazung mehr als 2 Tage im Sicherheitsraum war und dieser dann geknackt wurde,ist der Supergau schlechthin.Das kein Marineschiff und keine Helikopter zur Hilfe kamen,ist schlicht und einfach ein krasses Versagen der Marine und der Politik!
Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

mooringman hat geschrieben: Das seine Besazung mehr als 2 Tage im Sicherheitsraum war und dieser dann geknackt wurde,ist der Supergau schlechthin.Das kein Marineschiff und keine Helikopter zur Hilfe kamen,ist schlicht und einfach ein krasses Versagen der Marine und der Politik!
Bleibt zunächst mal abzuwarten, was bei einer Untersuchung, WARUM keine Hilfe kam, rauskommt. Mag auch sein, daß es dafür nachvollziehbare Gründe gab. Aber das wissen wir derzeit noch nicht...
Meine Schiffsfotos bei Fotocommunity: http://home.fotocommunity.de/squarerigg ... 4&g=240434
Torben K.

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Torben K. »

In Bezug auf die Beluga Nomination und obrigen Aussagen krieg ich bei sowas die Krise:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0 ... 73,00.html

Das ist doch bitter: Die Marine und die Bundespolizei kann keine Leute abstellen für die Reeder, Private wollen aie auch nicht.
Patrick, du bist im falschen Gewerbe, die Seeleute müsstest du als Geistlicher begleiten, damit du die Jungs in Gefahrensituationen mit ein paar Bibelsprüchen versorgen kannst. Das scheint alles sonst so trostlos.
Da kann man denen auch gleich sagen: die Piraterie ist zwar ein riesen Problem, aber halt euers.
Torben K.

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Torben K. »

Das dein Gewerbe einer Sensibilität unterliegt, ist mir klar. Ihr seid ja uU auch Geheimnisträger.
Es geht doch hier nur darum, den Kameraden auf See ein Stückchen Sicherheit zu geben, das die nicht schon im Suez Kanal Magenschmerzen kriegen.
Wenn man das liest, mit Folter und Scheinhinrichtung, die sowas mitmachen mussten, die bekommen noch psychisch einen richtigen Knacks. Alptraume, Drepressionen und Angstzustände sind die Folgen. Die können doch nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Und dann so eine Entscheidung. Als Seemann hätte ich eine gehörige Portion Wut im Bauch.

Und man sieht jetzt wohin die Entwicklung geht. Und es ist eindeutig, dass die Atalanta Mission nur unzureichend hilft, die Sicherheit des Seeverkehrs am Kap und im indischen Ozeanen zugewähren.
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