Danke für die fachkundige Stellungnahme dazu, Markus! Ich ahnte es... Offenbar tut sich die Binnenschiff-Branche technisch und wirtschaftlich schwer mit der Umstellung auf Doppelhüllen-Schiffe. Wie 2007 der Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt e.V. bekannt gab, "kann der für die Umstellung der Binnenschiffsflotte von Einhüllen- auf Zweihüllenschiffe zur Verfügung stehende Zeitraum technisch-wirtschaftlich bis zum Jahre 2018 abgeschlossen sein."Markus hat geschrieben:Moin an alle,
die Vermutung, dass es sich um einen "Einhüller" handelt ist richtig. Es sieht bei diesem Thema so aus, dass man natürlich gerne nur noch mit Doppelhüllern seine Produkte transportiert haben möchte und die gesetzliche Vorgabe auch bereits da ist, jedoch mit einer entsprechenden Übergangsfrist. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt einfach unmöglich, auf die Einhüllentanker zu verzichten, da die Kapazität an Doppelhüllern für den Transportmarkt noch lange nicht ausreichend ist. Allerdings hat man schon soweit reagiert, dass mit Einhüllern nur noch Produkte gefahren werden, die leichter sind als Wasser (Diesel, Benzin, usw.), um bei Havariefällen ausgelaufene Produkte auf der Oberfläche bekämpfen zu können.
Es ist vergleichsweise so, dass man gerne alle LKW's nach bester Abgasnorm fahren lassen möchte, jedoch ohne die älteren Modelle in einer Woche unsere Kühlschränke leer wären.
MfG
Die Probleme für die Umstellung sind laut Binnenschiffer-Verband:
• Rund 40 Mio. t Güter sind von der Umstellung betroffen.
• Allein die deutsche Flotte benötigt zusätzlich weit mehr als 200 Doppelhüllenschiffe.
• Die Werften könnten diese Zahl von Schiffen angeblich gar nicht kurzfristig bereitstellen.
• Das Investitionsvolumen liegt bei über 1 Mrd. Euro bei einem Umsatz der deutschen Tankschifffahrtsunternehmen von 300 Mio. Euro p.a.
Die Binnenschiffer wollen deshalb wie folgt vorgehen:
• Unterteilung des Umstellungsprozesses auf Doppelhüllentanker in mehrere Stufen
• Stoffe mit höheren Risiken zuerst umstellen
• Bildung von mengenmäßig gleichen Gruppen
• Werftkapazität für 50 bis 60 zusätzliche Schiffe mit zwei Hüllen in Europa pro Jahr
• „normale“ Wasserstandsentwicklung und „normale“ Entwicklung der Transportnachfrage.
• Für Bunkerboote und Bilgenentölerboote Nutzung bis an das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer
• Für vor dem 1. Januar 2007 bestehende Typ N-Schiffe Nutzung bis an das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer
• Für Schiffe unter 1.000 t Tragfähigkeit Freistellung von den Vorschriften für den Transport in Schiffen mit Doppelhüllen.
Bei Neubauten müssen nach den Vorstellungen des Verbandes die Vorschriften für die Doppelhülle eingehalten werden oder durch geeignete Maßnahmen eine gleichwertige Sicherheit nachgewiesen werden.
Laut Bundesamt für Güterverkehr (BAG) liegt das Durchschnittsalter der Binnentankschiffe bei rund 30 Jahren. Im Jahr 2004 gab es gerade mal 38 Doppelhüllen-Binnentankschifffe (Typ C) mit einer Kapazität von 80.313 Tonnen und einem Flottenanteil von 13,3 Prozent. Im gleichen Jahr wurden noch 311 einfache Binnentankschiffe (Typ N) mit insgesamt 484.161 Tonnen Kapazität bei einem Flottenanteil von 80,5 % gezählt.
Allerdings ist zu erwarten, dass sich nach solchen Unfällen wie jetzt bei Geestacht der Druck auf die Binnenschifffahrt erhöhen wird, den Neubau von Doppelhüllenschiffen zu beschleunigen.
mfg Peter Hartung
