Ich denke, daß man auch hier differenzieren sollte...Bernd Przyb. hat geschrieben:Das Auswärtige Amt schreibt zur Lage aktuell:
Sollten Sie im Großraum Tokyo/Yokohama oder den Präfekturen Chiba, Fukushima, Gunma, Ibaraki, Miyagi, Niigata, Tochigi, Yamagata wohnen oder sich gegenwärtig dort aufhalten, empfiehlt das Auswärtige Amt unverändert, dieses Gebiet, sofern Ihr Aufenthalt dort nicht unbedingt erforderlich ist, vorübergehend zu verlassen, bis die stabile Arbeit der Kühlaggregate in dem Kraftwerk Fukushima I gewährleistet ist.
Warum müssen denn unbedingt Seeleute in dieses Gebiet hineingeschickt werden, bevor die Kühlung der betreffenden Reaktoren wieder im Griff ist?
Das AA veröffentlicht eine solche Warnung ja nur einmalig und passt sie nicht täglich oder gar stündlich den aktuellen Gegebenheiten an, so nach dem Motto: "Liebe Deutsche in Japan, heute sind die Winde gut, sie können in Tokio bleiben. Morgen aber dreht der Wind und sie sollten fliehen, ehe sie übermorgen, bei erneut veränderter Windrichtung wieder nach Tokio zurückkehren können.".
Eine solch pauschale Warnung ändert aber nichts daran, daß sich die Lage je nach Windrichtung und anderen Faktoren jederzeit ändern kann und wird. Im Klartext: es wird Zeiten geben, zu denen ein Anlaufen von Tokio ohne die Gefahr der Kontaminierung mögich ist - und es wird Zeiten geben, wo es nicht geht. Eine Reederei, die zu meinen der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und Schiffen, zum anderen aber auch gegenüber ihren japanischen Kunden gerecht werden will, muß also den Spagat schaffen, ihre Schiffe nur dann nach Tokio zu schicken, wenn absehbar ist, daß dies gefahrlos möglich ist. Sprich: sie braucht verdammt gute meteorlogische wie auch radiologische Beratung.
Wobei natürlich auch nicht vergessen werden darf, daß trotz noch so guter Beratung die Prognosen falsch sein können. Im Klartext: ein Schiff läuft wegen angeblicher Gefahrenfreiheit Tokio an und dann stellt sich raus, daß es doch gerade zu Fallout kommt. DAS wäre dann insofern ein Problem, als daß dann das ganze Schiff zu dekontaminieren wäre. Auch die Crew könnte dann evtl. verstrahlt werden. Allerdings darf man hier nicht vergessen, daß wir NUR vom Fallout, nicht aber von der direkt aus dem Reaktor kommenden Primärstrahlung sprechen. Und gegen Fallout kann man sich tatsächlich relativ gut schützen: Mund- und Nasenschutz sowie Schutzbrille, damit nichts in diese Körperöffnungen gelangen kann, Einmaloverall, der den Körper komplett umschließt, dekontaminierbare Gummistiefel und gründliches Duschen (idealerweise danach Freimessen durch Fachpersonal). Mag jetzt verharmlosend klingen, ist aber aktueller Stand der Wissenschaft...
Dazu kommt ja noch der zeitlich sehr limitierte Aufenthalt der Seeleute gegenüber einem längeren Zeitraum bei in Tokio wohnenden Menschen. Das mag erklären, warum die Warnung des AA für diesen Sonderfall nicht unbedingt passt.
Nehmen wir nur mal an, die von Dir angesprochene Kühlung der Reaktoren in Fukushima würde nur 4 Wochen dauern (und es gibt seriöse Schätzungen, die von deutlich längeren Zeiträumen reden), welche Folgen hätten nur diese 4 Wochen für die japanische und die Weltwirtschaft? Ich will's mir lieber nicht vorstellen...
Alexander

