Sicherung vor Piraten

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Fischländer
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Fischländer »

Alexander hat geschrieben:
Es gehört aber durchaus zu den grundlegenden Instinkten von Menschen, daß sie überleben wollen.
Das hast du richtig erkannt und deswegen werden Schiffe überfallen.
Denn als Fischer werden sie niemals den Status erreichen den sie als Pirat haben.
Als Fischer leben sie in völliger Armut und das sieht ein paar 1000 km weiter südlich so aus:
Bild

Aber ArneKiel hat es auch ganz treffend beschrieben:
Die Zahl der bisher getöteten Piraten ist wohl eher einstellig....
Einen sehr guten Beitrag schrieb Spreecaptain. Diese Meinung vertrete ich auch.
die einzige Chance Somalias und damit das (langfristige) Ende der Piraterie liegt im schnellstmöglichen Zerfall dieses nach regulären Maßstäben eh nicht mehr existierenden Staates.
Also die nach Unabhängigkeit strebenden Teilregionen so schnell wie möglich anerkennen, mit Blauhelmen stabilisieren und die Quelle der Piraterie
dann auf eine sehr überschaubare Region eindämmen. Diese dann von allen Seiten isolieren. Und damit meine ich auch Finanzkanäle und Technologie.
Es gibt nur ein paar Probleme dabei. Kein wirtschaftlicher Nutzen für irgendwen und auch keine Aussicht auf einen verlässlichen Partner im Kampf gegen Al Qaida vor Ort.
Was immer auf Wikipedia über die Vorzüge Somalias zu lesen steht, es bedeutet nur eines: Somalia bleibt ein Hort der Piraterie, aber damit wenigestens in unserem Bewusstsein.
Und irgendwann wird der Leidensdruck zu hoch....
freundliche Grüße
Meine Fotos sind durch ein Copyright urheberrechtlich geschützt.
ArneKiel

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von ArneKiel »

Moin,

einer interessanten Artikel zum Thema Piraten, ihre Hintermänner und zur Frage "wo ist das Geld" gab es schon 2008 bei T-Online zu lesen

http://nachrichten.t-online.de/pirateri ... 1072/index

Nach 2 Jahren ist man offenbar immer noch nicht klüger geworden :evil:
Hintermänner der Piraten in Nairobi vermutet -Ein kenianischer Seefahrtexperte, der ungenannt bleiben wollte, berichtete, nur ein Teil des Lösegeldes komme tatsächlich in Somalia an: "Das meiste geht nach Nairobi und Mombasa, nach Großbritannien, Kanada und so weiter." Dass soviel Lösegeld in Kenia lande, zeige, dass die Sicherheitslücken hier Teil des Problems seien. Wenn die Staatengemeinschaft also tatsächlich gegen die Hintermänner der Piraten vorgehen wolle, dann müsse sie in Nairobi anfangen, denn Kenias Hauptstadt sei die Drehscheibe für Händler und Geschäftsleute aus Somalia.

Riesige somalische Auslandsgemeinde
Für den Londoner Autor John Burnett gehören die somalischen Piraten zweifelsohne "grenzüberschreitenden Verbrechersyndikaten" an. Was er von seinen Informanten gehört hat, deutet darauf hin, dass das Geld bis nach Europa und Kanada fließt. Zwar ist an der somalischen Küste so manches Fischernest, wo Piraten sich große Häuser und schicke Autos zulegen, regelrecht aufgeblüht. Doch: "Orte wie Eyl kriegen nur einen Teil der Lösegeldmillionen ab", sagte der Autor. "Die somalische Auslandsgemeinde ist riesig." Für den Leiter der Sicherheitsabteilung im somalischen Innenministerium, Sheik Qasim Ibrahim Nur, bestand "kein Zweifel", dass die Seeräuber Verbindungen ins Ausland haben.
Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

Fischländer hat geschrieben: Das hast du richtig erkannt und deswegen werden Schiffe überfallen.
Denn als Fischer werden sie niemals den Status erreichen den sie als Pirat haben.
Ob es bei den niedrigen Todeszahlen unter den Piraten bleibt, bleibt abzuwarten. Und wenn die Zahl steigt, dann wird sich evtl. durchaus der Überlebenswille durchsetzen.
Fischländer hat geschrieben: Einen sehr guten Beitrag schrieb Spreecaptain. Diese Meinung vertrete ich auch.
[/quote]

Durchaus zustimmenswert. Er schrieb ja: "Also die nach Unabhängigkeit strebenden Teilregionen so schnell wie möglich anerkennen, mit Blauhelmen stabilisieren und die Quelle der Piraterie
dann auf eine sehr überschaubare Region eindämmen. Diese dann von allen Seiten isolieren."

Und damit wären wir doch genau da, wo ich hinwill: Bekämpfung der Ursachen - statt blindwütiger Gewalt, wie sie von anderen hier präferiert wird. Also, wir sind da gar nicht so weit auseinander...
Meine Schiffsfotos bei Fotocommunity: http://home.fotocommunity.de/squarerigg ... 4&g=240434
frank0265
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von frank0265 »

Alexander hat geschrieben:
Fischländer hat geschrieben: Das hast du richtig erkannt und deswegen werden Schiffe überfallen.
Denn als Fischer werden sie niemals den Status erreichen den sie als Pirat haben.
Ob es bei den niedrigen Todeszahlen unter den Piraten bleibt, bleibt abzuwarten. Und wenn die Zahl steigt, dann wird sich evtl. durchaus der Überlebenswille durchsetzen.
Fischländer hat geschrieben: Einen sehr guten Beitrag schrieb Spreecaptain. Diese Meinung vertrete ich auch.
Durchaus zustimmenswert. Er schrieb ja: "Also die nach Unabhängigkeit strebenden Teilregionen so schnell wie möglich anerkennen, mit Blauhelmen stabilisieren und die Quelle der Piraterie
dann auf eine sehr überschaubare Region eindämmen. Diese dann von allen Seiten isolieren."

Und damit wären wir doch genau da, wo ich hinwill: Bekämpfung der Ursachen - statt blindwütiger Gewalt, wie sie von anderen hier präferiert wird. Also, wir sind da gar nicht so weit auseinander...[/quote]


Das dürfte wohl eine der größten Chancen sein, die Piraterie vor Somalia einzudämmen und wieder etwas geordnetere Verhältnisse an Land und auf See zu schaffen. Von dieser blindwütigen Waffengewalt halte ich rein gar nichts.
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
ArneKiel

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von ArneKiel »

Moin,
Schiff und Besatzung muss schnell, effektiv und vor Allem legal geschützt werden
Was ist denn in diesem Zusammenhang "illegaler Schutz"?
ArneKiel

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von ArneKiel »

M Sicherheit hat geschrieben:Hallo ArneKiel,

als illegal würde ich in diesem Zusammenhang jede Form von Putativnotwehr oder Notwehrüberschreitung werten. Dann bedarf eines, nicht unerheblichen Aufwands, legal und vernünftig bewaffnet zu sein.

Gruß
Patrick
Also wenn die Besatzung zurückschießt.... oder andere böse Menschen die Jagd auf Piraten (die nur harmlose Fischer sind) eröffnen...

Sicher meinst Du nicht die ex NavySeals bzw. die israelischen Sicherheitsprofis, die die Schiffe (wie z.B. der Reederei ZIM) jetzt begleiten
ArneKiel

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von ArneKiel »

Alexander hat geschrieben: Ob es bei den niedrigen Todeszahlen unter den Piraten bleibt, bleibt abzuwarten. Und wenn die Zahl steigt, dann wird sich evtl. durchaus der Überlebenswille durchsetzen.
Moin,

wie war das noch mit den 69 Jungfrauen, die im Paradies auf Märtyrer warten - schließlich sind Somalier alle sunnitische Moslems - ob sich da der Überlebenswille durchsetzt....
Wie hoch der Einfluss von al-Qaida in Somalia bzw. auf die Piraten ist wäre in dem Zusammenhang auch zu hinterfragen.
Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

M Sicherheit hat geschrieben:Nein. Es ist in diesem Zusammenhang völlig egal wer das macht. Natürlich dürfen auch Besatzungsmitglieder zurückschießen. Solange es sich um eine reelle Notrwehrsituation handelt, der Schütze zum Führen der Schusswaffe berechtigt ist und dieser nach Abwehr aufhört "Notwehr" zu üben.
... und wenn dann doch "versehentlich" einmal auf die Falschen das Feuer eröffnet wird, ist das Geschrei (zu Recht) groß.

Wie kannst und willst Du sicherstellen, daß nicht ein Bewaffneter an Bord (egal ob bewaffnetes Crew-Mitglied oder aber Sicherheitsprofi) einmal zu früh schießt bzw. den Finger zu locker ab Abzug hat? Ich will nur mal daran erinnern, daß es auch unter den Profis der Bundeswehr Fälle gibt, in denen versehentlich (!) die Falschen getroffen werden. Erinnert sei z.B. an jenen Zwischenfall an einem deutsch-afghanischen Checkpoint nähe Kabul, bei dem ein vollbesetzter Zivil-PKW mit einer ganzen Familie drin zusammengeschossen wurde. Sicher, solche Aktionen mögen (hoffentlich) die Ausnahme sein, aber selbst ein einziger Vorfall dieser Art wäre einer zuviel.

Es muß ja nur mal ein Fischerboot (also ein echtes, kein getarntes Piratenboot) einem "geschützten" Frachter zu Nahe kommen. Was dann? Das übliche Prozedere, wie man es von der Polizei bzw. vom Wachdienst bei der BW kennt, also Anruf, Warnschuss, gezielter Schuß? Werden Kollateralschäden in Kauf genommen?
Meine Schiffsfotos bei Fotocommunity: http://home.fotocommunity.de/squarerigg ... 4&g=240434
Alexander
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Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von Alexander »

ArneKiel hat geschrieben: wie war das noch mit den 69 Jungfrauen, die im Paradies auf Märtyrer warten - schließlich sind Somalier alle sunnitische Moslems - ob sich da der Überlebenswille durchsetzt....
Klar, und jeder Christ glaubt an das Paradies. Sorry, das ist doch wohl ein eher schwaches Argument...
Meine Schiffsfotos bei Fotocommunity: http://home.fotocommunity.de/squarerigg ... 4&g=240434
ArneKiel

Re: Sicherung vor Piraten

Beitrag von ArneKiel »

Alexander hat geschrieben:
M Sicherheit hat geschrieben:Nein. Es ist in diesem Zusammenhang völlig egal wer das macht. Natürlich dürfen auch Besatzungsmitglieder zurückschießen. Solange es sich um eine reelle Notrwehrsituation handelt, der Schütze zum Führen der Schusswaffe berechtigt ist und dieser nach Abwehr aufhört "Notwehr" zu üben.
... und wenn dann doch "versehentlich" einmal auf die Falschen das Feuer eröffnet wird, ist das Geschrei (zu Recht) groß.

Wie kannst und willst Du sicherstellen, daß nicht ein Bewaffneter an Bord (egal ob bewaffnetes Crew-Mitglied oder aber Sicherheitsprofi) einmal zu früh schießt bzw. den Finger zu locker ab Abzug hat? Ich will nur mal daran erinnern, daß es auch unter den Profis der Bundeswehr Fälle gibt, in denen versehentlich (!) die Falschen getroffen werden. Erinnert sei z.B. an jenen Zwischenfall an einem deutsch-afghanischen Checkpoint nähe Kabul, bei dem ein vollbesetzter Zivil-PKW mit einer ganzen Familie drin zusammengeschossen wurde. Sicher, solche Aktionen mögen (hoffentlich) die Ausnahme sein, aber selbst ein einziger Vorfall dieser Art wäre einer zuviel.

Es muß ja nur mal ein Fischerboot (also ein echtes, kein getarntes Piratenboot) einem "geschützten" Frachter zu Nahe kommen. Was dann? Das übliche Prozedere, wie man es von der Polizei bzw. vom Wachdienst bei der BW kennt, also Anruf, Warnschuss, gezielter Schuß? Werden Kollateralschäden in Kauf genommen?
Bevor es zum Schusswechsel kommt, muss doch erst einmal von der anderen Seite geschossen werden, oder? -sonst wäre es ja keine Notwehrsituation - das Fischerboot alleine reicht ja wohl nicht....
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