Fischländer hat geschrieben:Moin,
ich muss Globus auch zustimmen. So ist es heute größtenteils.
Ich hatte immer Gück und bin bis jetzt immer unter deutscher Flagge gefahren, mit 6-10 Deutschen an Bord. Wenn man einige Deutsche an Bord hat, dann flimmert dieses "Zusammensein" wieder ein bisschen auf. Es gab mal ein Feierabendbier oder man hat sich abends getroffen und einen Film zusammen geguckt.
Aber es ist halt nur möglich, wenn mehrere Deutsche an Bord sind. Dieser "Multi-Kulti" ist für niemanden gut, außer für den Reeder.
Die Kulturen sind einfach zu unterschiedlich und somit schotten sie sich voneinander ab und das wollen viele auch so. Man ist halt lieber unter sich.
Bestes Bsp. "Grillparty", alle freuen sich darauf, dann ist Grüppchenbildung angesagt und nach einer Stunde sitzen die Deutschen alleine da. Die Anderen feiern in ihrem Aufenthaltsraum weiter.
@ Frank: Dein Bsp. habe ich auch schon erlebt. Die Leute sind leider viel zu lange auf den Schiffen und somit gibt es Probleme. Filipnos fahren in der Regel 9 Monate, Kiribatis/Tuvalus 12 Monate und die Deutschen 3-4 Monate.
Manchen Seeleuten sind auch 12 Monate nicht genug und versuchen zu verlängern, um mehr Geld zu verdienen, denn nur die Deutschen haben bezahlten Urlaub.
Es ist viel soziales Verständnis nötig, um den Job an Bord mit den unterschiedlichen Menschen zu händeln.
freundliche Grüße
Im Jahr 2009 war ich an Bord der "ALANA". Der Kapitän war der einzige Deutsche - der Rest Polen und Philippinos. Er war heilfroh, mal wieder mit einem Landsmann ein paar Worte wechseln zu können. Hat er mir beim Abschied auch so gesagt.
Das mit deiner Schilderung der Bordparty habe ich auch schon mehrmals beobachten können. Nur nach einer Stunde sind die nicht-deutschen Crewmitglieder plötzlich verschwunden....und der klägliche deutsche Rest sitzt noch beisammen.
Genau das dürfte dann auch im E-Fall so passieren. Ein Offizier eines Containerschiffes gestand mir, dass die Crewmitglieder von diesen Südseeinseln gerade mal wissen, wie ein Schiff aussieht. Was sie aber im E-Fall zu tun haben, scheint ihnen manchmal nicht ganz klar zu sein. Wir hatten auch schon einen Koch an Bord, den wir zur Rettungsübung erst suchen mussten. Alle saßen schon im Boot, aber der Koch fehlte noch. Somit dauerte die Übung auch etwas zu lange, was der Kapitän dann zum Lunch auch "kraftvoll" herüberbrachte.
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
da muß ich Globus ausnahmsweise mal uneingeschränkt recht geben
@ frank0265: Du schreibst: "Ein Offizier eines Containerschiffes gestand mir, dass die Crewmitglieder von diesen Südseeinseln gerade mal wissen, wie ein Schiff aussieht. Was sie aber im E-Fall zu tun haben, scheint ihnen manchmal nicht ganz klar zu sein." Da sind meine Erfahrungen ganz andere. Im Ernstfall waren das die einzigen, auf die ich mich verlassen konnte, die Filipinos saßen schon im Rettungsboot und beteten.
Auch sind meine Erfahrungen mit gemischten Grillabenden (Deutsch/Kiribati/Tuvalu/Filipino, alle auf einem Schiff) anders. Es kommt sicherlich auch darauf an, wie wir auf unsere ausländischen Besatzungsmitglieder zugehen.
Allerdings sind meine Erfahrungen auch 20 Jahre her ...
In der Tat. Die Art und Weise des Umgangs ist das A und O wie auf Schiffen das Bordklima ist - sei es rein Deutsch oder Multi - Kulti. Man kann Hierarchie waren (und muß es) und trotzdem menschlich sein und Vertrauen und Sympathie bei den Untergebenen haben. Das Problem heutzutage als derartiges Führungspersonal:
a) Die Besatzungsdienstgrade haben in der Vergangenheit viele autoritäre, unnahbare Führungskräfte kennengelernt und sind daher extrem vorsichtig im Umgang. Diese "Schale" zu knacken, den "Jungs" zu zeigen das man zwar Kapitän / CE / CM ist, aber trotzdem Mensch ist und bei Bedarf auch ein Ohr für sie hat, mit Ihnen feiern und fröhlich sein kann ohne übertriebene Distanz zu wahren, dauert meist bis zu 3 Monate. Und damit folgt Problem
b) der Germane wird nach 4 oder 5 Monaten abgelöst.
Also kaum das man als Führungskraft mit den Jungs auf Tuchfühlung ist und sie Dir glauben das Du so bist wie Du bist und sie Dir vertrauen können - da bist Du schon fast wieder weg. Das bedeutet nicht das ich dafür wäre länger zu fahren - aber es zeigt wie schwer eine "gute" Führungskraft es hat "gut" zu sein....
LG
NP
Lieber 'ne schneidige Kollision als ein lahmes Manöver....
Globus hat geschrieben:(....)Was die Seefahrt heute so ungemütlich macht :
Die Konstruktion der Schiffe:
Es gibt kein Palaverdeck mehr, wo man sich abends treffen kann. Ein großer, windgeschützer Raum, draußen irgendwo gleich unter dem Brückendeck.
Die Klimaanlage, so schön, wie man bei ihr schlafen kann, läßt die gesamte Besatzung drinnen bleiben. Früher traf man sich abends auf dem Palaverdeck.
Die Kammern. Heute findet man pro Deck vielleicht 2 - 3 Kammern. Mit Flurtür, wie im Hotel. Automatisch zu wegen Feuerschutz. Bei den alten Schiffen wohnten sämtliche Offz./Ings in einem Deck. Tür an Tür. Und die Türen der Kammern stehen abends so lange auf, bis man ins Bett geht. Also einladend für Besucher.
Das ist das, was bei den modernen Schiffen nichts taugt. Man hat die Wohnräume schöner, moderner gemacht, nur am Bedarf völlig vorbei. Nur wachgerecht, d.h niemand wird mehr gestört.
Globus
also gehen die (vordergründigen) wirtschaftlichen Aspekte beim Schiffbau an den Kommunikationsbedürfnissen vorbei.
Dann müßte doch Einsatzbereitschaft, Leistungswille o.ä. im Vergleich zu früher auch runtergehen? Scheitert es dann am Geldbeutel des Reeders oder fehlt's nur an Ideen, wie man ein "Palaverdeck" ohne große Kosten beim Bau berücksichtigen könnte ? Oder fehlt's am Bewußtsein für derartige Dinge ? (z.B. innerbetriebliches Vorschlagswesen bei den Reedereien ?)
Was sagt eigentlich die Ausbildung in den Hochschulen zu diesem Thema; früher hat man doch Architekten ("Pinnau") zur Schiffsgestaltung eingesetzt, die auch solche Dinge berücksichtigt haben. Ist dies alles vergessen ? (Also doch Rotstift in den Reedereien ?) Wo sind dann die Untersuchungen zu Leistungsbereitschaft/Leistungswille der Besatzungen ?
Fragende Grüße
Seekater
Wenn schon Irren, dann lieber durch eine Tat, als durch eine Unterlassung
also gehen die (vordergründigen) wirtschaftlichen Aspekte beim Schiffbau an den Kommunikationsbedürfnissen vorbei.
Ja, natürlich!
Dann müßte doch Einsatzbereitschaft, Leistungswille o.ä. im Vergleich zu früher auch runtergehen?
Sicher, man macht heute seinen Job und geht wieder. Früher kam man meistens nach dem Urlaub wieder zurück. War jahrelang auf einem Schiff. Und wollte deshalb einen guten Zustand.
Scheitert es dann am Geldbeutel des Reeders oder fehlt's nur an Ideen, wie man ein "Palaverdeck" ohne große Kosten beim Bau berücksichtigen könnte ?
Dann wird der Reeder sagen. Geschlossene Räume und die gibt es ja, sind doch viel schöner. Außerem ist so etwas heute, bei den merkwürdigen Aussehen der Schiffe, gar nicht mehr möglich.
Oder fehlt's am Bewußtsein für derartige Dinge ? (z.B. innerbetriebliches Vorschlagswesen bei den Reedereien ?)
Innerbetriebl..... was ist das?? Die Schiffe sind fertig geplant, da läßt sich nichts mehr umbauen. Und das dann alles für den einen Germanen? Wenn überhaupt! Ob die Filipinos, Kiribatis, Russen, Polen so etwas wollen??
Die wollen ihre Vertragszeit abreissen und ganz schnell nach Haus. Die kommennie wieder.
Was sagt eigentlich die Ausbildung in den Hochschulen zu diesem Thema;
Gar nichts! Sie fabulieren viel herum, aber ob sie jemals einen wirklichen Seemann dazu gefragt haben?
früher hat man doch Architekten ("Pinnau") zur Schiffsgestaltung eingesetzt, die auch solche Dinge berücksichtigt haben. Ist dies alles vergessen ? (Also doch Rotstift in den Reedereien ?) Wo sind dann die Untersuchungen zu Leistungsbereitschaft/Leistungswille der Besatzungen ?
Das zu untersuchen würde wenig Sinn machen.
Wie bilden denn die "Seefahrtschulen" auch heute aus?? Immer mit dem Gedanken, Seefahrt ist auch für Euch nur ein Übergang. Seefahrt ist doch auch heute an den Schulen eigentlich etwas ganz Überflüssiges.
Wer mal sehen will, was ein Palaverdeck ist, sollte sich die DDR-Serie "Zur See" mal wieder ansehen.
Der Reeder hat sich natürlich große Gedanken darüber gemacht wie er uns glücklich machen kann.
Da stand z.B. Im "Bremer Kurier" die Freudenbotschaft : Jedes Schiff unserer Flotte bekommt zum Weihnachtsfest für 2000 DM Spiele an Bord. Eine soziale Leistung, der wir uns unseren Leuten gegenüber verpflichtet fühlen.
Spiele, für 40 - 50 jährige, ausgewachsene Männer. Spiele die in den Kindergarten gehört hätten. Alles sehr gut durchdacht.
Parallel dazu bekamen wir an Bord jeder eine Mittelung, in der uns erklärt wurde, dass ab sofort kein 13. Weihnachtsgeld mehr gezahlt wird. Das stand nicht in der Zeitung.
Problematisch ist sicher die Tatsache , dass bei den meisten Reedereien , gerade in deutscher Hand , nur noch Emissionshäuser und Anteilseigner das Sagen haben und es denen geht es primär um Gewinnmaximierung . Das es auch anders praktiziert werden kann , sehe ich regelmässig auf skandinavischen , gelehentlich auch auf niederländischen Schiffen , die sich noch sehr häufig in Familienbesitz befinden und der Reeder noch "Patriarch" ist . Gerade Schweden und Finnen ( i.d.R. findet man dort noch rein finnische und zumindest Besatzungen mit recht hohem "Schwedenanteil" ) leben in einer ganz anderen maritimen Arbeitswelt . Die Schiffe sind komfortabel bis luxuriös ausgestattet , das Essen schmackhaft , die Stimmung gut und entspannt , , die Bezahlung nicht nur "dem Tätigkeitsfeld angemessen" , sondern gut , im Sommer wird draußen gegrillt , sofern noch ein "Palaverdeck" vorhanden ist , man fährt 1 um 1 und man muss sich nicht für jede Rolle Klopapier rechtfertigen , die man bestellt hat . Natürlich macht auf solchen Schiffen auch meine Arbeit mehr Vergnügen . Wenn ich mir hingegen so den GL-Supercontainerdampfer ansehe , der mittlerweile bei vielen deutschen Charterredereien Einzug gehalten hat....Ein vorn untergebrachtes Deckshaus , das etwa die Länge eine 20ft Containers besitzt , nirgendwo ( außer vielleicht auf der Back ) etwas Platz , um mal einen Tisch und Campingbänke aufzubauen und falls doch , röhren die Lüfter infernalisch und machen jede Kommunikation im Ansatz zunichte .
Interessant jedoch das deutsche Phänomen , sich häufig genug das Leben schwer zu machen , egal wie klein die "germanische" Rumpftruppe auch geworden sein mag . Gerade dann , wenn Ressortleiter bzw. Schiffsführer ( die Kollegen , die Ende der 50er / Anfang der 60er mit der Seefahrt begonnen haben , sind ja noch fast alle so domestiziert und sehen die Welt durch die Scheuklappe ihres Ressorts ) mit einer ausgeprägten Berufsehre aufeinanderprallen ( so etwas sieht man hier im Forum ja auch , wenn hier von den faulen Fensterguckern oder den ungehobelten Ölfüßen die Rede ist , gell , Herr -statt des Namens kommt hier ein Platzhalter......) . So etwas ist m.E. anachronistisch und macht das Bordleben schwieriger , als es ohnehin schon ist .
Was Frank0265 zur Alana sagte , kann ich bestätigen . Häufig habe ich den Eindruck , dass ein großer Anteil des Lotslebens nicht nur aus Beratung der Schiffsführungen , sondern aus Seelsorge und Zuhören besteht , gerade dann , wenn der Kapitän der einzige Restgermane an Bord ist . Beispiel : ein kürzlich verwitweter Kapitän , der seine schwerstkranke Frau bis zum Ende gepflegt hat , war froh , mal für 4 Stunden seinen Kummer von der Seele zu reden . Das kommt in meiner Berufspraxis gar nicht mal so selten vor .
Ansonsten pflichte ich eher Tham bei . Ich bin zwar auch schon seit dem Jahr 2000 aus der aktiven Seefahrt ausgeschieden , glaube aber nicht , dass sich die Besatzungsstruktur seitdem ( ich fuhr mit 2 bis 6 Deutschen , ansonsten ostasiatischen Mitarbeitern ) wesentlich geändert hat . Es kommt auch -was das Bordklima betrifft- auf einen selber an . Ich war zwar in meiner aktiven Zeit weit davon entfernt , mich mit den Filipinos zu fraternisieren , sondern verfuhr eher nach dem Motto "In der Sache entschieden , aber konziliant im Ton." , ( die ostasiatischen Kollegen , die auch keine Probleme hatten , mir das ins Gesicht zu sagen , nannten es "very strict , but also very approachable" ) hatte aber für alle ein offenes Ohr oder eine freundliche Bemerkung parat , wurde auf die Geburtstage und Karaokeabende eingeladen und wenn ich ausstieg , wurde mir eine kleine Feier ausgerichtet ( aber vielleicht eher aus Freude , mich loszuwerden , in der Hoffnung mein Flugzeug möge abstürzen...) . Und wenn an Deck die Nadelhämmer röhrten , konnte man durch den Lärm auch noch Gesang hören , also waren die Jungs trotz meiner Pedanterie ( "....und wenn ausgefleckt wird , dann nur im rechten Winkel zur Längsachse des Schiffes..." ) wohl ganz gut drauf . Insofern war ich -zumindest etwas- integriert . Eine gewisse Gluckenhaftigkeit gehörte wohl aber auch zu meiner persönlichen Note und nach dem Faustschen Motto "zwar weiß ich viel , doch will ich alles wissen." interessierte ich mich auch für das Leben der Mitarbeiter und derer Familienclans auf den Inseln und war über Geburten , Hochzeiten , das Business etc. i.d.R. wohlinformiert . Natürlich , gebe ich gerne zu , fand ich meine Azubi und OA-Zeit mit rein deutschen Besatzungen besser , aber es liegt auch in Zeiten wie diesen an einem selber und ein bisschen Empathie und Motivationskunst kann schon helfen . Die Besatungsstruktur kann man sowieso nicht ändern , also muss man zumindest das Beste daraus machen . Aber es gab mit Sicherheit auch welche , die mich am liebsten über Bord geworfen hätten .
Grundsätzlich bin ich der Meinung , dass dieses Feld "Mentalhygiene" gerade während des Studiums / Seefahrtschule erheblich stärker beackert werden müsste , denn die Performance und somit auch der betriebswirtschaftliche Nutzen eines Schiffes hängt auch vom Wohlbefinden der Besatzung ab , so weit denken jedoch viele Arbeitgeber und Bildungsstätten aus deutschen Landen leider nicht . Unsere nördlichen Kollegen sind uns da weit voraus .
Um von der Brücke über die Container sehen zu können, muß die Brücke über ihnen stehn.
Also muß das Deckshaus mindestens diese Höhe haben.
Also hat man statt 4 Decks früher, heute das Vielfache.
Man muß/kann also die Besatzung heute in sehr viel mehr Decks unterbringen als früher. Also hätte man sehr viel Freiraum, wenn man die Decks nicht kleiner machen würe.
Daher dieses sehr häßliche Aussehen der heutigen Schiffe.
Um von der Brücke über die Container sehen zu können, muß die Brücke über ihnen stehn.
Also muß das Deckshaus mindestens diese Höhe haben.
Also hat man statt 4 Decks früher, heute das Vielfache.
Man muß/kann also die Besatzung heute in sehr viel mehr Decks unterbringen als früher. Also hätte man sehr viel Freiraum, wenn man die Decks nicht kleiner machen würe.
Daher dieses sehr häßliche Aussehen der heutigen Schiffe.
Ja, das ist der Sichtstrahl. Also von der Brücke aus muss noch der Bugmast zu sehen sein. Die zugelassene Stauhöhe der Container an Deck nimmt von der Brücke in Richtung Backdeck immer mehr ab.
Schiffe sollen ja nicht unbedingt hübsch aussehen. Es sind zweckbestimmte Transportmittel. Aber man hat bei der Konstruktion schon einige Dinge außer Acht gelassen. Zum Beispiel, dass die Besatzung nicht nur an Bord arbeitet, sondern auch längere Zeit dort leben muss.
Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts-und Marinegeschichte e.V. ; FB Handelsschifffahrt
frank0265 hat geschrieben:[Schiffe sollen ja nicht unbedingt hübsch aussehen. Es sind zweckbestimmte Transportmittel. Aber man hat bei der Konstruktion schon einige Dinge außer Acht gelassen. Zum Beispiel, dass die Besatzung nicht nur an Bord arbeitet, sondern auch längere Zeit dort leben muss.
So ist das ja schon seit einigen tausend Jahren. Warum wurden sie aber erst in den letzten 30 Jahren so häßlich?