Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

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Mattis
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Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Mattis » Di 1. Jun 2010, 21:25

Moin zusammen,

wie einigen bereits bekannt ist, war ich mit der MS AURORA ein paar Tage auf Reise. Ich möchte euch hiermit an meinen ganz persönlichen Eindrücken und Erlebnissen teilhaben lassen. Gerade weil mir eure Reiseberichte immer sehr gut gefallen und mir bei der Planung sehr geholfen haben, stelle ich hier Stück für Stück mein Tagebuch und die entsprechenden Fotos dazu ein. Gerne beantworte ich eventuelle Fragen, soweit mir das möglich ist. Ich hoffe auf kurzweilige Unterhaltung...

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Mein "Zuhause" für die nächsten Tage

Nachdem ich im letzten Herbst eher zufällig zu einer 1-tägigen "Mitfahrgelegenheit" auf der "Anna Sirkka" gekommen war, wurde der Wunsch, eine "richtige" Frachtschiffreise zu machen, noch einmal größer. Seit Jahren redete ich von einem solchen Vorhaben. Das war meiner Familie natürlich nicht entgangen und so hatte ich anläßlich meines runden Geburtstages schon auf ein solches Geschenk spekuliert...:-)

Seit Wochen verfolge ich den Fahrplan der "Aurora" auf der Unifeeder-Seite. Losgehen soll es am Donnerstag, 13.05. und es soll nach St.Petersburg! Das ist genau "mein" Ziel. Ein Reisführer liegt bereits in den zu verpackenden Sachen und das notwendige Visum ist ebenfalls für €60 erworben. Ganz schön teurer Eintritt in Russland... Aber während der geplanten 25 Stunden Aufenthalt MUß man natürlich in die Stadt!


Dienstag, 11.05.

Der Fahrplan auf der Unifeeder-Seite hat sich geändert. Abfahrt soll jetzt erst der 16.05. sein.Und das erst um 18.00 Uhr, d.h. auch die Passage durch den NOK wird im Dunklen statt finden. Sehr bedauerlich. Die Krönung könnte aber sein, dass der Aufenthalt in St.Petersburg von 25 auf 2 Stunden geändert wurde... Da ist´s natürlich nichts mit dem Landgang.


Mittwoch, 12.05.

Frau Naß von http://www.frachtschiffe.de, die mich bezüglich der Organisation sehr freundlich und engagiert betreut, gibt mir die Telefonnummer des Schiffes bekannt und bittet mich, am Freitag morgens den Kapitän anzurufen, um die Boardingzeit abzusprechen. Außerdem meint sie, dass ein 2-stündiger Aufenthalt in St.Petersburg nicht praktikabel sei. Der Mindestaufenthalt beträgt immer 6-8 Stunden...(Später weiß ich auch, warum) Na ja, lasse ich mich halt überraschen.

Freitag, 14.05.

Ich sitze längst auf gepackten Koffern. Auch habe ich den Tage vorher festgelegten (und zurecht gelegten) "Reisedress" bereits an.( Ich laufe sonst am liebsten im Blaumann rum..) Jetzt fehlt nur noch der entscheidende Anruf, der mir die Zeit zum "Entern" des Schiffes preisgibt. Eine gewisse Hemmschwelle ist schon da und natürlich habe ich mir hundert mal vorher überlegt, was ich denn mit meinem knappen Schulenglisch so von mir geben will. Leider ist nur die Mailbox an und so spreche ich in feinstem deutsch mein Anliegen auf die Maschine.
Bis 14 Uhr habe ich keine Rückmeldung und so werde ich gleich noch mal Frau Naß anrufen. Irgend wie sitze ich wie auf Kohlen und finde nicht die Ruhe, etwas anderes zu tun, außer AIS zu gucken und diese Zeilen zu schreiben.
AIS ist schon eine tolle Sache. Ich sehe jede Bewegung, bekomme alles mit. Eigentlich könnte ich mich in´s Auto setzen und 20 Minuten später "Mein" Schiff in Augenschein nehmen, aber....
14 Uhr 10: Frau Naß berichtet, dass sie die falsche Telefonnummer von der Reederei bekommen hat und somit natürlich kein Kontakt zustande kommen kann. Mit der richtigen Nummer klappt es dann aber nach ein paar Anläufen. Und dann geht alles ganz schnell: Zwar spricht mein Gegenüber Englisch mit starkem russischen Akzent, aber ich verstehe,dass ich -wenn ich will- sofort an Bord gehen kann. Super! Das ist das Signal zum Aufbruch, nur noch schnell bei Frau Naß mitteilen, dass alles in Butter ist und dann die besagten 20 Minuten bis zum Burchardkai. Auch dort geht das "Einchecken" schnell und reibungslos, so dass ich bereits um 16Uhr30 an Bord gehen kann

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Nur noch wenige Schritte bis an Bord

Die ersten Kontakte sind -wie anzunehmen war- etwas verhalten und gewöhnungsbedürftig.
Nicht nur, dass meine Englischkenntnisse eingeschränkt sind und meine Ohren dem Hirn nicht jede Information weiterleiten, sondern erschwerend kommt noch der russische Akzent als Gesprächsblocker hinzu. Mich beruhigt ein wenig, dass auch die Crew zeitweise um die richtige Vokabel ringt. Wenn man gar nicht auf den gemeinsamen Nenner kommt, lächelt man sich halt an und wechselt das Thema...

Gegen 20Uhr30 sind die Entladetätigkeiten auf der Aurora beendet und es wird ein wenig ruhig an Bord. Dieser Zustand ändert sich, als gegen 21Uhr30 der Lotse per Lotsenboot am Burchardkai erscheint und an Bord geht. Die Aurora muß den Liegeplatz frei machen und zum Schuppen 70 verholen. Ein Ort im Hafen, der mir durch etliche Fototouren bestens bekannt ist.
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Burchard-und Eurokai
Die leider nur sehr kurze Fahrt vom Burchardkai zum Schuppen 70 ist phantastisch. Gerade recht zur "blauen Stunde" ist der Weg elbaufwärts Richtung Landungsbrücken mit den vielen Lichtern gut geeignet, Gänshaut zu erzeugen. Wenn man dann noch dazu auf der Brücke eines Schiffes steht, fühlt man sich schon ein wenig wie ein König....
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Übrigens darf ich zu jeder Zeit und bei jedem Manöver die Brücke betreten. Auch die Bedienung des Heißwasserboilers zum Zwecke der Kaffee- oder Teezubereitung wurde mir hier noch vor allen anderen Dingen erklärt..:-)

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....

>wird fortgesetzt<

Cornelia
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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Cornelia » Do 3. Jun 2010, 20:58

Der Anfang des Berichts macht schon mal Lust auf mehr davon :-) Immerhin habe ich euch noch am 16.05.10 im Hamburger Hafen liegen sehen, an zwei verschiedenen Stellen. Leider war niemand an Deck bzw. ausserhalb der Aufbauten zu sehen.. :D

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Mattis
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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Mattis » Do 3. Jun 2010, 23:10

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Die Einfahrt in den Kuhwerder-Hafen geschieht rückwärts, also muß der Lotse das 134 Meter lange Schiff drehen, bevor es an seinen Liegeplatz gelangen kann. Backbords gleiten wir an der "avensburg" vorbei, die am letzten Montag, als ich zuletzt hier war, noch "RBD Alexa" hieß und morgen den kompletten Namen "Stadt Ravensburg" tragen wird. Steuerbords schiebt sich die Aurora am Dock 5 vorbei, in dem gerade ein Schnellboot der Bundesmarine liegt.
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Zu beiden Seiten haben wir einen gefühlten Abstand von 10 Metern und ich erlebe die Mannschaft auf der Brücke ein wenig aufgeregt und hecktisch...
Später, als wir am Kai fest sind, kehrt wieder Ruhe ein. Wir liegen jetzt in guter Gesellschaft: Kaum einen Steinwurf entfernt liegt hinter dem Dock 12 Abramowitch´s "Eclipse", die am nächsten Tag Hafenrundfaht-Barkassen im Minutenrhythmus anzieht...
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Wer ist der Herr in den weißen Hosen?

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IHR müsst in einer Stunde wieder aussteigen... :D

Sonnabend, 15.05.10
Der Tag beginnt -vom Handy-Wecker geweckt- nach einer geruhsamen und völlig unproblematischen Nacht unter der heißen, geräumigen Dusche. Die 2-Griff-Armatur veranlasst mich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit (und Überzeugung) das einmal eingestellte Wasser auch beim Einseifen laufen zu lassen...
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Das erste Frühstück an Bord ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt einen -bei Bedarf auch mehr- 3-lagigen Pfannkuchen. Wohl etwas fragend in die Runde blickend, deutet man auf eine Dose, die geöffnet auf dem Tisch steht. Ich hielt es für eine Art Creme bzw. Brotaufstrich, konnte es aber nicht identifizieren, da die Dose russisch beschriftet war. Tatsächlich war es ein zäh fließender, elfenbeinfarbiger, sehr süßer "Milchsirup", den man sich auf den Pfannkuchen gießt. Sehr süß -wie gesagt- aber lecker. Derart gesättigt, verzichte ich auf Toast o.ä. und nehme mir noch einen Apfel aus der stets gefüllten Obstschale.
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Hieß es zum Mittag noch, wir würden erst am Sonntag morgens gegen 06Uhr zum Burchardkai verholen,kommt jetzt gegen 20Uhr die Nachricht, dass der Lotse zu 21Uhr30 bestellt ist. Die Philippinos, die das Schiff in -Schale geschmissen- Richtung Seemannsmission vor knapp einer Stunde verlassen hatten, werden per Handy umgehend zurückbeordert.

Es ist wieder dieses beeindruckende Schauspiel,als wir in die Elbe einbiegen. Die tausenden Lichter und das geschäftige Treiben. Der Hafen schläft nie...
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Gegen 23Uhr ist das Schiff am Burchardkai fest und ich kann "beruhigt" in meine Kammer auf dem C-Deck gehen und meine Gedanken bei einem Fläschen Weizen und Musik aus dem Mediaplayer festhalten.Gerade singt Katie Melua von 9 millionen Fahrrädern... So ein Notebook ist schon eine tolle Sache! Übrigens brechen ab übermorgen schwere Zeiten an: Dann nämlich ist mein Biervorrat erschöpft und an Bord gibt es keines zu kaufen....
Gute Nacht!
...

Wird fortgesetzt -- und dann gibt´s auch Schiffe zu sehen :D

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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Mattis » Fr 4. Jun 2010, 14:24

Cornelia hat geschrieben:Der Anfang des Berichts macht schon mal Lust auf mehr davon :-) Immerhin habe ich euch noch am 16.05.10 im Hamburger Hafen liegen sehen, an zwei verschiedenen Stellen. Leider war niemand an Deck bzw. ausserhalb der Aufbauten zu sehen.. :D

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Hi Cornelia,
sehr bedauerlich, dass wir uns nicht mehr gesehen haben. Ob Du´s glaubst oder nicht: Ich habe nach dem wir telefoniert hatten, bis ca. 15 Uhr jede Fähre, die vom Bubendeyufer kam, fotografiert. Habe dich aber leider auch nicht gesehen...

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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von kalli » Fr 4. Jun 2010, 15:40

Moin Mattis!

Gefällt mir sehr gut dein Reisebericht. Bilder vom inneren des Schiffes und auch viele vom Geschehen auf dem Wasser/Land; genau so gefällt mir das.
Weiter so. Bin schon auf die Updates gespannt. :D

Gruss
Nils
Mein Youtubekanal Kallis Shipworld: https://www.youtube.com/shipspotter81

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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Mattis » Sa 5. Jun 2010, 18:08

...

Sonntag, 16.05.10
Der Tag beginnt natürlich mit dem Frühstück und dem anschließenden Besuch der Brücke. Die Gespräche mit den Wachhabenden werden ausführlicher und die Verständigung macht zwar zeitweise immer noch Probleme, reicht aber schon für den einen oder anderen Witz...
Im Laufe des Vormittags komme ich auch mit dem Kapitän in´s Gespräch. Er ist ein baumlanger Kerl, muß auf der Brücke schon fast den Kopf einziehen und trägt ausschließlich ein schwarzes,ärmelloses T-Shirt, eine knielange Jogginhose und "Addiletten". Er erinnert mich spontan an die Klitschko-Brüder...
Im Gespräch mit ihm frage ich natürlich nach einer Möglichkeit, das Schiff von außerhalb zu fotografieren. Eigentlich ist es am BuKai ja nicht erlaubt, dort einfach herumzulaufen... Für ihn ist das alles kein Problem: Nnnn...where is the problem? Put on an orange jacket and a yellow helmet an if some one will ask you, tell him you are the owner an you wants to take photos of your ship.... So einfach ist das...
Gesagt - getan. In Begleitung des 3.Offiziers laufe ich am Kai das Schiff ab und mache einige Fotos. Ich stelle fest, dass es schon nach 1,5 Tagen an Bord gut tut, ein paar mehr Meter zu laufen.
Unseren gemeinsamen "Ausflug" nutzt der 3.Offizier für einen ausgiebigen Rundgang über das Schiff, erklärt mir die Rettungswege, die Feuermelde- und Löscheinrichtungen, den Notfall-Sammelplatz und die Aufbewarungsorte der Rettungsmittel. Auch machen wir einen Abstecher zum Rettungsboot, in dem er mir meinen Platz für den Fall der Fälle zeigt.
Der weitere Tag verläuft im bereits vertrauten Rhythmus: Essen, ruhen, Brücke "entern"und Schiffe gucken. Besonders aufmerksam verfolge ich die Hafenfähren, die von Finkenwerder kommen. Vielleicht sehe ich ja Cornelia, die mich gerade anrief und mir erzählte, sie sei z.Z. am Bubendey-Anleger und würde ca. 15Uhr gen Heimat aufbrechen...
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Später am Nachmittag meldet sich mein Fotofreund Hartmut bei mir. Er fährt gerade mit seinem Polizeischiff "Bürgermeister Weichmann" an der Aurora vorbei und wünscht uns eine gute Reise.
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Der Nachmittag zieht sich.Das Warten auf den Beginn der Ladearbeiten wird zum Geduldsspiel. Das Wetter hat sich -wenn auch sehr windig- sehr gut entwickelt. Die Sonne ist voll da und so habe ich aus dieser einzigartigen Position bereits sehr viele Fotos von der Hamburger Skyline und dem Terminal gemacht.

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Gegen 18Uhr endlich mehren sich die Zeichen, dass es bei uns mit dem Laden losgehen wird. Die Lade-Kontrollgeräte (sehen aus wie überdimensionale Taschenrechner) wurden per Auto zu den Containerbrücken gebracht und dort abgelegt.
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Auch die Brückenfahrer erscheinen kurze Zeit später. Wahrscheinlich mußten wir auf die "Monte Cervantes" warten, die vor ca. 2 Stunden uns gegenüber fest machte und jetzt entladen wird. Tatsächlich kommen dann einige Container direkt von der "Monte" auf die "Aurora". So ist das eben mit den Containern: Eine festgelegte Reihenfolge muß eingehalten werden.

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wird fortgesetzt

Mattis
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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Mattis » So 6. Jun 2010, 00:34

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Das Beladen der "Aurora" verläuft ab ca. 19Uhr15 mit einer für mich atemberaubenden Geschwindigkeit. Erstaunlich, dass bei dem "Gewusel" die Container immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Beobachtet man die Wege der Container-Carrier, muß man unweigerlich an einen Ameisenhaufen denken.

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Die erste Kiste, die an Bord geht
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Um etwa 21Uhr30 kehrt wieder ein wenig Ruhe ein, die letzten Stauer, die die Container verlascht haben, verlassen das Schiff. Auf der Brücke der "Aurora" ist es immer noch ruhig wie den ganzen Tag. Der 3.Offizier hat die Liste, auf der er in vorgefertigten Spalten für jeden Container, der an Bord ging, ein Kreuz machte, beiseite gelegt. Das Problem, dass zwischenzeitlich ein Kühlcontainer nicht laufen wollte, scheint behoben...

Obwohl sich die Anlaufhäfen regelmäßig wiederholen, wir der geplante Kurs vor jeder Reise erneut in die Karten übertragen.
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Fast kitschig....Burchardkai
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Um etwa 22 Uhr bekommen wir Besuch von 2 Polizisten, die auf der Brücke stichprobenartig die Pässe der Besatzung kontrollieren. Schnell kann ich noch einen Gruß an Hartmut los werden, bevor die Herren auch schon wieder von Bord sind.
Gegen 23Uhr mache ich den 3.Offizier auf das Lotsenboot aufmerksam, dass gerade hinter der "Aurora" an die Kaimauer geht und 2 Lotsen absetzt.Jetzt geht wieder alles ganz schnell:
Der Kapitän erscheint auf der Brücke. die Fastmoker werfen die Leinen los und die "Aurora" entfernt sich mit eigener Kraft langsam von der Kaimauer. Man hat den Eindruck, das ginge leichter als einen PKW in eine enge Parklücke zu manöverieren....
Der Hafenlotse verläßt nach ca.15 Minuten bereits wieder das Schiff und der Elblotse übernimmt bis Brunsbüttel. Ich unterhalte mich mit ihm in den nächsten 2 Stunden über Gott und die Welt... Ach ja -- Coffee Mr. Pilot?
Ich bin beeindruckt, wie der Lotse sich zurecht findet und das Schiff lenkt. Voraus fahrende Schiffe wie "Aidaaura" hat er erkannt und eingeschätzt noch bevor ich überhaupt bemerkt habe, dass da was ist... Dass wir Brunsbüttel erreicht haben, erkennt man an den vielen Lichtern und den Leuchtfeuern der Schleuseneinfahrt, dass der Lotsenwechsel unmittelbar bevor steht, sieht man an dem sich nähernden Lotsenboot und an der Tatsache, dass der Suchscheinwerfer auf dem Peildeck nun eingeschaltet ist und die Bordwand im Bereich der Lotsenleiter beleuchtet.

Der Elblotse geht, der Schleusenlotse kommt
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Der jetzt an Bord gegangene Schleusenlotse läßt die "Aurora" ein ganzes Stück elbabwärts an der Schleuse vorbei laufen um dann über Steuerbord abzudrehen und gegen das ablaufende Wasser in die linke Schleusenkammer einzulaufen. Um 2Uhr40 sind wir in der Schleuse fest und ich ringe mich dazu durch, meine Kammer aufzusuchen. Ganz ohne Schlaf geht´s halt doch nicht....

Noch ein paar Fotos vom Nachmittag:

Der Eisbrecher Stettin, mit dem ich zuletzt vor einer Woche zur Feuerwerksfahrt unterwegs war
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Die CMA CGM Rose verläßt mit Hilfe von Schlepper "Accurat" ihren Liegeplatz und geht Richtung See
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Bugsier 10 bereitet sich auf unsere Verabschiedung vor...:-)
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Lotse 2...
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...und Lotse 3
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Die Aidaaura verläßt Hamburg gut 2 Stunden vor uns. Vor Brunsbüttel treffen wir sie wieder. Sie will auch durch den Kanal, wartet aber. WARUM?
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wird fortgesetzt...

DBauer
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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von DBauer » So 6. Jun 2010, 12:35

Hallo Mattis, vielen Dank für Deinen tollen Bericht und die Bilder, freue mich schon auf die Fortsetzung, war leider nicht in der Nähe um auch Bilder machen zu können.
Tschüss und nocn einen schönen Sonntag
Dierk
Tschüss aus Hamburg
Dierk

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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Mattis » So 6. Jun 2010, 23:23

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Montag, 17.05.10
Als mich mein Handy um 7Uhr aus dem Schlaf holt, verrät mir ein Blick aus meinem Fenster nach achtern, dass wir gerade die Lotsenstation Breiholz passieren. Die Lotsenboote sind gerade längsseits an die beiden uns folgenden Schiffe gegangen. Schade, das hätte ich gerne fotografiert.
Die erste Nacht bei laufender Hauptmaschine und fahrendem Schiff war natürlich ganz anders als zu Hause, aber überhaupt kein Problem. Das sanfte Vibrieren im Schiff erinnerte mich sofort an meine ersten 3 Lebensmonate im Kinderwagen....:-)
Die Passage durch den NOK kam mir dieses mal viel kürzer vor als bei meiner letzten Reise mit der "Anna Sirkka". Das mag sicher daran gelegen haben, dass ich zum einen die Hälfte verschlafen und zum anderen die andere Hälfte im Freien verbracht habe, um die wunderbare Landschaft zu geniessen. Das war im November auf "Anna Sirkka" nicht so gut möglich.Für meinen Geschmack viel zu schnell erreichten wir die Schleuse Holtenau. Auch hier gab es etwas Interessantes zu beobachten: Der Schlepper "Kitzeberg" war gerade dabei, das offensichtlich bei einer Havarie beschädigte Schleusentor aus seiner Führung zu ziehen.
Hier in der Schleuse vollzieht sich noch ein letzter Lotsenwechsel auf bundesdeutschem Gebiet. An Bord kommt der Fördelotse, der die "Aurora" bis "Kiel-Lighthouse" führt.
Interessant an dieser Stelle ist, dass mich eine SMS von Uwe Richter (danke Uwe!), die mich in der Schleuse erreicht, darauf hinweist, dass man nichts unbeobachtet machen kann: "...sehe Euch auf der Webcam !" Na klar, das ist es! Bei dem Abmelde-Anruf bei meiner Frau erzähle ich davon und Sekunden später kann auch meine Frau die "Aurora" per Webcam sehen. Das ist -wie wir sehr schnell feststellen- bis Laboe möglich. Wunderwerk der Technik...
Wenig später verläßt der letzte deutsche Lotse -nicht wie alle anderen vor ihm auch- ohne die Worte "Gute Reise" das Schiff und ich bekomme endlich auch ein paar brauchbare Fotos vom Lotsenversatz.
Gemäß dem Motto "Hebel on the table" beschleunigt die "Aurora" jetzt auf 19,4 Knoten und gleitet per Autopilot gen Osten durch die ruhige See. Ziel: Der östlichste Hafen an der Ostsee: St.Petersburg!
Der Tag neigt sich langsam seinem Ende und verabschiedet sich mit einem beeindruckenden Sonnenuntergang. Selbst der 3.Offizier, der schon tausende Sonnenuntergänge auf See erlebt hat, zeigt sich beeindruckt. Derart imponiert werfen wir einen Blick in ein Buch und finden heraus, dass die Sonne morgen früh um 04Uhr45 aufgehen wird. Das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so ist schon wieder klar, dass es eine kurze Nacht wird...


MS Deutschland, im Kanal Richtung Brunsbüttel. Da ahnte noch niemand, wie die Reise enden wird...
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Leicht verbeult, die Dame...
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Die "Swegard" überholt in einer Weiche, da wir in Verkehrsgruppe 4 deutlich langsamer fahren. Wir sind in VG 4 eingestuft, weil unser Tiefgang über 8 Meter beträgt. Läuft ein Schiff mit diesem Tiefgang schneller als 9 km/h (nicht Knoten!), entstehen so starke Strömungen, dass die Kanalböschungen beschädigt werden würden.
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Eigentlich die schönste Jahreszeit im Kanal: Rapsfelder so weit das Auge reicht...
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Die Levensauer Hochbrücke. Hier warten ja sicher etliche Spotter auf mich...
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War natürlich niemand da...:-(


Solar-Cat. Das soll die Zukunft sein? Und wo stellt man da die Container drauf?
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Die "Sanremo" in Holtenau
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Die "Pantonio", ein Feeder -Made in China- kommt gerade aus der Schleuse
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Mok di klor min Deern, ick bün glieks dor... Kanalsteuerer nach getaner Arbeit
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Schlepper "Kitzeberg" zieht das Schleusentor aus der Führung
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Kiel-Lighthouse. Der Fördelotse geht von Bord
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Zum ersten mal auf dieser Reise läuft die "Aurora" mit voller Kraft
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Entgegenkommer...
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Das faszinierende Ende eines wunderbaren Tages
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wird fortgesetzt

Cornelia
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Re: Reisebericht: 12 Tage mit MS AURORA unterwegs

Beitrag von Cornelia » So 6. Jun 2010, 23:40

Super Bericht und sehr schöne Fotos ! Vor allem die MS Deutschland ist doch immer wieder ein schöner Anblick, mit richtig schön eleganten Linien ;)

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