Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

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sailer1963
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Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von sailer1963 » Mo 19. Nov 2012, 15:12

Wohl mit einem gewissen Recht gilt die „Alexander von Humboldt 2“ als neues Wahrzeichen Norddeutschlands. Die Art und Weise, wie das neue Schiff von den lokalen Medien, allen voran vom NDR, verherrlicht wird, ist meiner Meinung nach völlig unangemessen. Im Sommer 2012 habe ich eine längere Zeit an Bord der „Alex 2“ verbracht und bin grenzenlos enttäuscht. Um es vorwegzunehmen: Ich kann jedem nur raten, sich nicht für eine Reise mit „Alex 2“ anzumelden – und wenn doch, dann am besten nur mit geringsten Erwartungen!

Das Schiff

„Sie hat innen Ähnlichkeit mit einer Fähre“ ist noch einer der harmloseren Kommentare. Dieses Schiff hat keine Seele und versprüht überhaupt keine „Windjammer-Romantik“, wie es so gerne in den Medien berichtet wird. Es ist vielmehr eine schwimmende Fabrik mit eigener Müllpresse, Kläranlage und Klimasystem. Es gibt keinen einzigen (!) Punkt oben an Deck, am dem man nicht das permanente, alles übertönende Geräusch der Lüfter hört. Man ist nirgendwo mit dem Geräusch von Wind und Wellen alleine, – die Betriebsgeräusche sind überall. Wo man auch hinguckt, überall hängen Warn- und Verbots-Schilder in einer Häufigkeit, dass an Erholung kaum zu denken ist. Das Deck ist in Holz-Optik gehalten, ist aber in der Tat aus Kunststoff mit aufgemalten schwarzen „Fugen“. Wenn man näher ran geht, sieht es billig aus – und es trocknet viel langsamer als ein echtes Holzdeck. An der Qualität des geflochtenen „Yachtie“-Tauwerks wurde gespart. Mit Ausnahme der Schiffsglocke gibt es kaum wirkliche, echte, schöne, schiffige Foto-Motive an Deck. Es fehlen Sitzplätze, von denen aus man einfach auf das Meer hinausblicken kann (mit Ausnahme der Bänke am Heck, wo man in das eher unspektakuläre Kielwasser schaut). Wenn man auf dem Hauptdeck auf den Backskisten sitzt, guckt man ständig gegen das als „Leichenfänger“ bezeichnete Netz, man sieht den Ozean also wie durch ein Gitter.

Die Innenausstattung

Auch hier wird man permanent von Betriebsgeräuschen belästigt – Maschinenalarme, Lüfter, Pumpen... Wer keinen Gehörschutz dabei hat, wird kaum in den Schlaf finden. Es wird oft damit geworben, dass ein gewisser Luxus darin besteht, dass zu jeder Vier-Personen-Kammer eine eigene Nasszelle gehört. Leider wurden darin Duschen mit einer winzigen, dreieckigen (!) Grundfläche eingebaut, in der sich kein normal gebauter Mensch duschen kann. Also muss man doch wieder ein Deck tiefer gehen und die Gemeinschaftsdusche nutzen, in die unsinnigerweise eine Toilette im selben Raum (ohne durchgehende Trennwand) mit integriert wurde. Wer plant so etwas? Ansonsten wurde an der Innenausstattung sehr gespart – nach weniger als einem Jahr in Betrieb lösen sich überall die viel zu kurzen Schrauben, weil sie den täglichen Belastungen im Seegang nicht standhalten. Dies stellt kein Sicherheitsrisiko dar, zeugt aber von schlechter Verarbeitung.

Die Küche

In mehr als 20 Jahren, in denen Segeln mein Hobby ist, war das Essen an Bord von „Alex 2“ das zweitschlechteste, das ich jemals hatte. Auch auf mehrfache Anfrage war es nicht möglich, jeden Tag wenigstens ein Stück Obst zu bekommen, und das bei einem zu zahlenden Tagessatz von mehr als 100 Euro… Der Biervorrat bestand aus ungenießbarem portugiesischem Billigbier in umweltschädigenden Aludosen. Dies soll natürlich nicht das Kriterium für einen „gelungenen“ oder „missratenen“ Törn sein, aber doch am Rande erwähnt werden.

Das Sailtraining

Der Betreiberverein des Schiffes hegt den Anspruch, traditionelle Ausbildung in Seemannschaft zu praktizieren. Während unserer Reise funktionierte noch nicht einmal das Steuerrad, so dass die ganze Zeit mit dem Joystick gesteuert wurde. Nicht nur, dass niemand in der Lage war, das Steuerrad wieder instand zu setzen – im Nachhinein habe ich von einem Bekannten erfahren, dass es auf seiner Reise vier Monate zuvor auch schon nicht benutzt werden konnte.

Die Organisation

Offenbar völliges Chaos im Büro. Uns wurden dreimal unterschiedliche Ankunftszeiten genannt, die letze Änderung erhielten wir zwei (!) Arbeitstage vor der Abreise per E-Mail.

Die Crew

Großes Lob an Schiffsführung und Crew. Alles nette Leute, wie man es von „Alex 1“ auch kannte. Trotz allem ist nur ein Gesamturteil möglich: Sail away, und zwar möglichst weit weg, ohne mich! :(

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muschelschubser
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von muschelschubser » Mo 19. Nov 2012, 16:44

Und was möchte uns der TE jetzt mit diesem, seinem allerersten, Beitrag in unserem Forum sagen?

Irgendwie bleibt da ein ganz schaler Nachgeschmack und ich frage mich, was da auf der Reise so alles vorgefallen sein mag.
Beste Grüße
vom Muschelschubser

Alexander
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von Alexander » Mo 19. Nov 2012, 20:00

Auch wenn manches an der Kritik berechtigt sein mag, so sei dem Autor folgendes zu denken zu geben:

"Es ist vielmehr eine schwimmende Fabrik mit eigener Müllpresse, Kläranlage und Klimasystem."

Schon mal drüber nachgedacht, daß bei einem Schiffsneubau, selbst wenn dieser als Traditionsschiff klassifiziert ist, zwingend die MARPOL-Vorschriften zu beachten sind? Insofern sind Kläranlage und Müllpresse zwingend erforderlich (und im Übrigen gab es beides auch schon auf der alten "Alex"). Außerdem mal drüber nachgedacht, daß die "Alex" auch in warmen bis heißen Regionen unterwegs sein wird und somit eine Klimaanlage absolut sinnvoll ist?

"Das Deck ist in Holz-Optik gehalten, ist aber in der Tat aus Kunststoff mit aufgemalten schwarzen „Fugen“. Wenn man näher ran geht, sieht es billig aus – und es trocknet viel langsamer als ein echtes Holzdeck. "

Schon mal drüber nachgedacht, daß der Betreiber und Besitzer des Schiffs, die STAG, eine gemeinnützige Stiftung ist, die sich für den Bau der "Alex 2" finanziell sehr weit aus dem Fenster lehnen mußte? Ein Echtholzdeck wäre nicht nur in der Anschaffung deutlich teurer gewesen, sondern auch im laufenden Unterhalt.

"Offenbar völliges Chaos im Büro. Uns wurden dreimal unterschiedliche Ankunftszeiten genannt, die letze Änderung erhielten wir zwei (!) Arbeitstage vor der Abreise per E-Mail."

Das kann auch mit jedem anderen Schiff passieren. Manchmal gibt es kurzfristige Verschiebungen, die sich nicht vermeiden lassen. Ist zwar ärgerlich, aber eigentlich erwarte ich durchaus, daß man bei einem Abenteuerurlaub (und so sehe ich Törns auf Großseglern immer noch) ein wenig flexibel ist.

"Der Biervorrat bestand aus ungenießbarem portugiesischem Billigbier in umweltschädigenden Aludosen."

Das ist in der Tat dramatisch. :lol: Aber hast Du mal drüber nachgedacht, daß es auch dafür gute Gründe geben kann? Wenn ein Schiff monatelang in ausländischen Gewässern unterwegs ist, dann muß es zwangsweise auch mal im Ausland bunkern. Da gibt es nicht immer die gewohnten deutschen Waren. Das ist nicht nur beim Bier so. Wenn ich überleg, was ich an Bord schon für interessante Mischungen gesehen habe. Da gab es zum Frühstück Bananenmarmelade von den Kanaren und daneben echt englische "Marmelade", dazu schwedisches Moltebeerengelee. Alles nicht gerade das, was ich von daheim gewöhnt bin, aber man muß auch mal bereit sein, sich auf Neues einzulassen. "Ungenießbar" in Bezug auf Bier ist übrigens eine sehr subjektive Sichtweise und hat wenig mit sachlicher Kritik zu tun. Ich find z.B. Berliner Weiße ungenießbar, andere Leute stehen drauf. Und "Billigbier"? Welche Marke war es denn? Zu den Aludosen: Ich seh das ja auch eher kritisch, allerdings kommt hier schon wieder die Frage, was beim Bunkern z.B. in Portugal verfügbar war und was nicht.

Also, bitte nicht nur motzen, sondern einfach mal ein wenig nachdenken, warum etwas so ist, wie es ist.

Zum Essen:

"In mehr als 20 Jahren, in denen Segeln mein Hobby ist, war das Essen an Bord von „Alex 2“ das zweitschlechteste, das ich jemals hatte."

Das ist in der Tat ärgerlich, da ja bekanntlich der Smut noch vor dem Kapitän der wichtigste Mann an Bord ist. Da die Smuts auf der "Alex 2" aber alle ehrenamtlich fahren, kann das beim nächsten Törn schon wieder anders aussehen. Auf meinen diversen Törns primär auf der "alten" "Alex" hatte ich einmal einen Törn, bei dem das Essen nicht so der Bringer war, ansonsten war es gut bis superlecker! Da hast Du dann leider einfach Pech gehabt.

Alexander
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su_fischer
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von su_fischer » So 25. Nov 2012, 15:34

Hallo lieber Sailer1963,

auch ich habe Deinen Beitrag mit Stirnrunzeln gelesen.

Anscheinend warst Du doch auf der Alex I, zumindest willst Du uns das denken lassen, obwohl das zu glauben mir nicht ganz leicht fällt. Aber dann sollte Dir doch noch deutlich in Erinnerung sein, daß es auch auf der A1 überall laut, wenn nicht teilweise lauter war, es stank an Deck deutlich mehr nach Abgasen und Schwaden, und zumindest in den beiden großen Mittelkammern ("Pumakäfig") tat es das auch unter Deck.

Ebenso waren die von Dir so bitter beklagten Leichenfänger im Versaufloch, wie auch vor den Hamstertaschen auch auf der A1 eigentlich immer angebracht.

Wasseraufbereitung, Klima, Müllentsorgung: All das gab es doch auch auf der A1! Hast Du eigentlich Vorstellung, was das von Dir gewünschte Holzdeck gekostet hätte und darüber hinaus bei der Instandhaltung noch kosten würde? Warnschilder? Ja natürlich! Ohne die keine Klasse! Motorengeräusche auch beim Segeln? Aber ja, ohne die keinen Strom! Alleine mit Wind und Wellen? Vielleicht solltest Du besser Yachtsegeln.

Darüberhinaus solltest Du vom Segeln auf der A1 wissen, daß die komplette Stammcrew bei jedem Törn eine andere Zusammensetzung hat und es völlig sinnlos ist, eine Kritik an welchem Crewmitglied so öffentlich wie hier auszusprechen - denn beim nächsten Törn wird ein anderer diese Position haben.

In einem Punkt gebe ich Dir ungeingeschränkt Recht: Den Betriebsräumen der neuen Alex fehlt es in der Tat noch an Patina, das Schiff hat noch keine Geschichte, es atmet noch die Atmoshäre einer Klinikkantine. Aber das ist nun mal so bei neuen Schiffen! Es ist doch wohl selbstverständlich, daß der Veteran A1 innen einfach mehr nach Hafenkneipe aussah. Laß die A2 mal so lange segeln, wie es die A1 getan hat, dann reden wir nochmal über die Frage der Atmosphäre.

Sei mir nicht böse, Sailer, aber kann es sein, daß weniger das Schiff an sich Ursache für Deine Unzufriedenheit ist, sondern eine verfehlte Erwartungshaltung und unzureichende Vorbereitung auf Deinen Törn?

Beste Grüße,
Susanne

Alexander
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von Alexander » Mo 26. Nov 2012, 12:00

Susanne,
irgendwie glaub ich nicht, daß von Threadersteller noch eine Antwort kommt. Da wollte sich jemand "auskotzen", ob berechtigt oder unberechtigt, das sei mal dahingestellt (Ich denk, wir beide können die in meinen Augen eher unsachliche Kritik durchaus einschätzen, oder?).

Ist zwar traurig, daß scheinbar die Bereitschaft fehlt, sich mit der Kritik an der Kritik auseinanderzusetzen, aber das ist doch im Internet leider nix Neues...

Alexander
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Rueganer
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von Rueganer » Mo 26. Nov 2012, 13:45

Kann aber auch sein, dass sich da jemand nur an seinem ehemaligem Arbeitgeber rächen will.

Alexander
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von Alexander » Mo 26. Nov 2012, 14:43

Rueganer hat geschrieben:Kann aber auch sein, dass sich da jemand nur an seinem ehemaligem Arbeitgeber rächen will.
Eigentlich nicht wirklich.

Warum nicht? Nun, Betreiber der "Alexander von Humboldt 2" ist ja eine gemeinnützige Stiftung, die Deutsche Stiftung Sail Training. Diese hat aber nur ein paar Angestellte im Büro in Bremerhaven (von denen m.W. keine in der letzten Zeit das Büro verlassen hat). Auf See, d.h. an Bord gibt es keine bezahlten Arbeitskräfte, da alle an Bord, vom Kapitän bis zum Leichtmatrosen, ehrenamtlich arbeiten.

Alexander
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su_fischer
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von su_fischer » Mo 26. Nov 2012, 14:59

Ich beziehe mich auf deinen vorletzten Post, Alexander und muß sagen, daß Du natürlich völlig Recht hast.

Aber auch andere lesen diesen Beitrag. Die, die hier im Forum aktiv sind, sind auch in der Lage, ihre eigene Schlüsse aus den offensichtlichen Wider- und überzogenen Ansprüchen des TE zu ziehen und den Beitrag dementsprechend würdigen.

Was aber ist, wenn sich jemand noch nicht ausreichend explizit mit maritimen Themen auseinandergesetzt hat und dennoch hier im Forum und bei dem Beitrag des TE aufgeschlagen ist? Z.B. weil er nach der A2 gegoogelt hat, um sich über einen möglichen Törn auf dem Schiff zu informieren? Für diese Leser habe ich meinen Widerspruch und meine Kritik an der Kritik formuliert, damit die erfahren, daß dieser Beitrag, - wie wohlformuliert er auch immer sein mag - der Weisheit letzter Schluß einfach noch nicht sein kann.

Beste Grüße,
Susanne

cornelia2
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von cornelia2 » Mo 17. Dez 2012, 11:16

hallo ihr lieben,

was sailer da schreibt ist vielleicht nicht so sehr objektiv und von sachkenntnis geprägt. aber vielleicht spiegelt dieses ja wieder, wie es "nichtseeleute" an bord der neuen alex empfinden. aber offensichtlich ist ja eingetreten was viele alte alexfahrer befürchtet haben, die belegungszahlen sind drastisch zurückgegangen (hohe preise, anderes ambiente an bord, sehr enge kammern), selbst die stammcrewplätze werden nicht alle belegt zur zeit. oder wie sollte es sonst wohl sein, dass auf den letzten törns sich nur ca 30-35 !!!! personen auf dem grossen schiff tummeln (ca 80 schlafplätze sind an bord). die aktuelle zahl von sta cruz nach las palmas sind gerade mal 30 mitfahrer (wohlgemerkt, stammcrew und trainees zusammen). diese zahlen habe ich auf der alten alex noch nie erlebt !
also so ganz falsch kann der eindruck nicht sein, den unser freund hier zu vermitteln versucht.

lg cornelia

Bürmann
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Re: Schlechte Erfahrungen mit „Alexander von Humboldt 2.0“

Beitrag von Bürmann » Mo 24. Dez 2012, 18:09

Moin
Nordseereport
Unter weißen Segeln,AlexII heute 18.45 NDR 3
http://www.ndr.de/fernsehen/epg/epg1157 ... 83152.html
Gruss aus Bremen

Peter

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