Ulsan Express 16.02.2017-22.02.2017

Antworten
Benutzeravatar
muschelschubser
Mitglied
Beiträge: 346
Registriert: Mi 28. Sep 2011, 09:12

Ulsan Express 16.02.2017-22.02.2017 Teil III

Beitrag von muschelschubser » Mo 3. Jul 2017, 04:18

Ulsan Express, 16.02. – 22.02.2017, Teil III

Sonnabend 18.02.2017, Teil 2
Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig zum Mittagessen. Dort treffe ich den Kapitän und den Chiefmate. Beim „Mittagsklönschnack“ wird mir mitgeteilt, dass die Lotsen zu um 16:00 bestellt sind und ich gerne zum Auslaufen mit auf die Brücke kommen kann.
Ich bekomme geschildert wie das „Ausparkmanöver“ im Detail geplant ist und das hierfür, im Regelfall, drei Schlepper benötigt werden, weil das Fahrwasser, neben uns an Backbord, nur noch ca. 80 m breit ist. Außerdem müsse die Ulsan Express dann im Anschluss noch um 180° gedreht werden bevor es dann raus geht.
Die Sonne strahlt und der Himmel inzwischen fast vollständig aufgeklart. Somit beschließe ich, sofort nach dem Mittagessen nochmals an Deck zu gehen um zu fotografieren.


Draußen ist nur noch eine Gantry am arbeiten
Bild


Bedingt durch die wundervollen Lichtverhältnisse ist das ganze Schiff voll von spannenden Motiven
Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild










Gegen 15:00 beschließe ich dann meine Kammer aufzusuchen um noch die heutigen Bilder zu sichten, bevor es dann hoch auf die Brücke geht. Kaum bin ich dort angekommen steht auch schon einer der Azubis in der Tür „Wenn sie zum Ablegen auf der Brücke sein wollen, sollten sie sich langsam beeilen. Die Lotsen sind schon an Bord und es soll gleich losgehen“ Ich bedanke mich für die Info und eile die Treppen zur Brücke hinauf.
Die Schlepper sind bereits angespannt und die Festmacher stehen bereit. Kapitän, Chiefmate und die beiden Southampton-Lotsen stehen schon in der Steuerbord-Nock und erscheinen schwer beschäftigt. Somit ergibt sich keine Gelegenheit für eine Begrüßung oder letzte klärende Worte bzgl. meiner „Freiheiten“ auf der Brücke.
Bild

Also beschließe ich es so zu halten wie es mir bisher auf allen Schiffen nahegelegt wurde:
„ Wenn die Lotsen an Bord sind oder gerade Manöver gefahren werden: Stehe nicht im Weg rum, störe die Arbeitsabläufe und die Kommunikation nicht, und stelle keine Fragen (vor allem aber keine, in dem Augenblick, völlig überflüssigen)“
Bisher bin ich mit der Befolgung dieser „Regeln“ sehr gut gefahren, also sollte das doch auch diesmal irgendwie so klappen ;-)

Inzwischen ziehen zwei Schlepper die Ulsan Express rechtwinklig von der Kaimauer weg. Die Steuerbordnock ist weiterhin mit den beiden Lotsen sowie dem Kapitän und dem Chiefmate besetzt.
Bild

Bild

Zu meinem Erstaunen lässt der Kapitän den Chiefmate scheinbar das komplette Manöver alleine fahren. Ebenso läuft, augenscheinlich, die Kommunikation zu den gerade erforderlichen Manövern, direkt zwischen dem Chiefmate und dem Lotsen. Der Kapitän ist in unmittelbarer Nähe dabei und wäre jederzeit ansprechbar, wenn es denn erforderlich wäre.
Es ist sehr faszinierend für mich zu sehen wie hier auf dem gesamten Schiff, eine sehr moderne Form der „Ausbildung“ für die Offiziere und die Auszubildenden praktiziert wird. Auch die Umgangsformen untereinander sind absolut vorbildlich, wertschätzend und meist mit einem “ Augenzwinkern“ und / oder einer Prise hintersinnigem Humor versehen.

Währenddessen wechsele ich ständig meinen Standort von der Backbordnock, zum „Freideck“ unterhalb der Steuerbordnock im F-Deck, um ja keines der spannenden Motive zu verpassen.
Bild

Bild

Bild

Bild


Dieses beobachtend kommt einer der Southampton-Lotsen zu mir und fordert mich auf mit auf die Steuerbordnock zu gehen weil an Steuerbord gerade zwei der Schlepper am drücken seien. Dieses Motiv solle ich mir doch nicht entgehen lassen. Ich entgegne Ihm, dass ich das unmöglich machen könne und dort auf der Nock keineswegs stören oder „im Weg rumstehen wolle“. Lachend entgegnet mir der Lotse „Das ist kein Problem, der Chiefmate steuert und mein Kollege koordiniert die Schlepper. Da können sie sich ruhig dazwischen stellen und fotografieren“.
Innerlich schwitze ich Blut und Wasser und bin mir völlig unklar wie ich mich nun verhalten soll. Ich versuche Blickkontakt mit dem Kapitän herzustellen um so zu klären ob das OK wäre. Doch der Kapitän schaut gerade dem Treiben der Schlepper zu.
Nachdem mich der Lotse nun fast schon in Richtung der Steuerbord Nock schiebt, traue ich mich dann doch dort hin.
Bild

Bild


Nun wird der Bug noch etwas in Richtung Backbord gezogen
Bild



Und die Ulsan Express ist fertig um 180° gedreht. Die Schlepper werden losgeworfen und es geht , in Richtung Südost, raus aus Southampton.

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild



Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild




Hoovercraft auf der Route Fishbourne <>Portsmouth
Bild

Bild


Es ist faszinierend zu sehen, wie abrupt so ein Hoovercraft fast zum Stillstand kommt, wenn als es die Heckwelle der Ulsan passiert. Ich vermute mal, dass da kurzfristig die Luftkissenströmung abgerissen ist.
Bild



Rettungshelikopter der Küstenwache
Bild[/URL

]



Bei Schiffsgrößen wie der der Ulsan Express ist es In Southampton üblich, dass der Hafenmeister mit seinem Schiff vorweg fährt um mögliche „Verkehrshindernisse aus dem Weg zu schaffen“..
[URL=http://www.directupload.net]Bild



Der Hafenmeister hat sich gerade wieder auf den Rückweg nach Southampton gemacht, als sich vor unserem Bug folgendes Bild bietet..
Bild


Wir passieren Portsmouth
Bild




und die Solent Forts
Bild

Bild



Bild

Bild

Bild

Bild


Ein Schiff der Britischen Border Force als Gegenläufer
Bild



Während der Chiefmate gerade zum Abendessen geht, sprechen mich der Kapitän und der Schiffsmechaniker-Azubi an „Ich wäre ja gerade so mit Fotografieren beschäftigt und hätte bestimmt gar keine Zeit zum Abendessen zu gehen“. Das ist tatsächlich so, denn das Abendlicht wird gerade immer schöner.
Bild

Sie wollten ohnehin gerade beim Cookie anmelden, dass sie etwas später zum Essen runtergehen. Ob ich das dann auch so machen wolle? Dankend nehme ich den Vorschlag an. Der ganze Nachmittag war, gemessen daran das wir Mitte Februar haben, schon sensationell gut gewesen. Der Abendhimmel verspicht nun größeres.

Während ich mich, auf und unter der Steuerbordnock, bemühe die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen,
Bild

Bild

Bild


kommt der Auszubildende, breit grinsend, nach draußen „Der Kapitän lässt ausrichten, dass es jeden Tag einen Sonnenuntergang gibt, an Backbord nun aber die Lotsen von Bord gehen würden. Ich möge mich bitte sputen wenn ich das noch fotografieren möchte“
Während ich gerade von Steuerbord nach Backbord durch die Brücke eile, schaut der Kapitän lachend vom Kartentisch auf „ So habe ich das gar nicht gesagt! Aber Recht hat er“.
Die Stimmung hier an Bord ist tatsächlich außergewöhnlich gut und sehr oft mit einer guten Prise Humor gewürzt.

Bild

Bild


Nun geht es für mich wieder zurück auf die andere Seite des Brückendecks um die letzten beiden Fotos des Tages zu schießen.
Bild

Bild
Beste Grüße
vom Muschelschubser

windrose
Mitglied
Beiträge: 167
Registriert: Di 15. Nov 2011, 21:13

Re: Ulsan Express 16.02.2017-22.02.2017

Beitrag von windrose » Mo 3. Jul 2017, 04:30

Danke für den tollen Bericht und die Fotos!

Benutzeravatar
muschelschubser
Mitglied
Beiträge: 346
Registriert: Mi 28. Sep 2011, 09:12

Ulsan Express, 16.02. – 22.02.2017, Teil IV

Beitrag von muschelschubser » Sa 15. Jul 2017, 16:40

Ulsan Express, 16.02. – 22.02.2017, Teil IV

Sonntag 19.02.20172, Teil 1


Noch vor dem Morgengrauen geht es für mich auf die Brücke.

Oben angekommen werde ich vom, etwas verwundert dreinschauenden, wachhabenden Offizier begrüsst und sofort mit einen leckeren Kaffee versorgt.
Zu dieser Uhrzeit hätte er mich hier oben nicht erwartet. Aber es wären gerade News bzgl. der weiteren Reiseplanung gekommen.

Bereits gestern gab es erste Meldungen, dass die Ulsan Express wohl nicht direkt nach Antwerpen einlaufen soll. Dieses ist heute Nacht bestätigt worden. Unser Liegeplatz in Antwerpen ist noch nicht frei. Somit soll die Ulsan Express nun erstmal auf der Westhinder Anchorage (Außenrede Antwerpen) vor Anker gehen.

Auf meine Frage hin wie lange wir bis dorthin noch brauchen würden, werde ich an die Navigationsbildschirme gebeten.
Dort bekomme ich, äußerst detailliert, die Reiseroute zur Westhinder Anchorage erklärt.
Weiterhin bekomme ich dort sehr interessante Informationen zu dem Verkehrstrennungsgebiet in dem wir uns gerade befinden. Auf dem Radarbildschirm zeigt mir der wachhabende Offizier die Radarechos diverser Fischer, die heute gerade hier fischen und sich nicht sonderlich um die hier geltenden Regeln kümmern.


Wieder einmal bin ich sehr begeistert mit welchem Zeitaufwand und welcher Mühe man hier meine Fragen beantwortet und mich mit Informationen zum Schiff und zu „seamans life“ füttert.

Wir „quatschen und fest“, inzwischen dämmert draußen der Morgen und es wird Zeit zum Frühstück zu gehen.


Dort treffe ich den Kapitän. Ich ergreife die Chance Ihn auf die missliche Situation gestern, beim Auslaufen, auf der Brücke – als der Lotse mich zum Fotografieren auf der Brückennock aufgefordert hatte- anzusprechen.
Der Kapitän schaut mich etwas erstaunt an. „Nein, es war völlig OK, dass sie auf die Nock gekommen sind. Das hat nicht gestört. Ansonsten hätte ich Ihnen das unmissverständlich mitgeteilt“

Einer der Auszubilden gesellt sich zu uns und wir sprechen beim Frühstück über das bevorstehende Ankermanöver und das ich dieses gerne fotografieren würde.
Der Azubi erklärt sich bereit mich hierzu zu begleiten und mir die Abläufe dort zu erläutern.


Also rein in die warmen Klamotten und auf geht’s zur Back.
Hier bekomme ich die Funktion der Festmacher- und Ankerwinden sowie der Windensteuerstände erläutert.

Bild

Bild


Ich werde schmunzelnd gefragt ob ich nicht auch Fotos vom Vormast aus machen wolle. Schließlich hätte man dort einen wundervollen Blick auf die Accommondation und die Brücke.
Beim Blick auf den hohen Vormast und die Leiter die dort hinaufführt, verlässt mich dann doch die Motivation – und auch der Mut- dort hinaufzusteigen.

Dem Azubi sei Dank, entstehen dann von dort aus, die folgenden Bilder.
Bild

Bild

Bild

Bild

Bild
Beste Grüße
vom Muschelschubser

Benutzeravatar
muschelschubser
Mitglied
Beiträge: 346
Registriert: Mi 28. Sep 2011, 09:12

Ulsan Express 16.02.2017-22.02.2017, Teil V

Beitrag von muschelschubser » Do 20. Jul 2017, 18:23

Ulsan Express, 16.02. – 22.02.2017, Teil V

Sonntag 19.02.20172, Teil 2


Bei einem zwischenzeitlichen Aufklaren, lässt sich erkennen, dass die Außenreede Antwerpen recht gut gefüllt ist.

Bild


Beim „Klönschnack“ auf der Back, werde ich schon mal mit den technischen Daten zum Ankerequipment „gefüttert“

Bild

Alleine der Anker der Ulsan Express wiegt gute 18 Tonnen, bei einer Breite des Ankers von ca. 3,5 Metern und einer Höhe von 6 Metern.
So schaut der Anker, von unten betrachtet, in „Transportstellung“, aus

Bild



Dazu kommen dann noch 14 Schäkel (ca. 400m) Ankerkette.

Bild



Die Ankerkette hat einen Rundstahldurchmesser von 122 mm. Jedes einzelne Kettenglied hat ein Länge von guten 70 cm und ein Gewicht von ca. 200 Kg. Somit ergibt sich ein Gesamtgewicht des Ankergeschirrs von guten 150 Tonnen.
Das Ganze ist dann an Bord zweimal (Steuerbord und Backbord) vorhanden.

Über Funk meldet sich der Kapitän, dass er nun das Ankermavöver beginnen möchte.

Nachdem die ersten Kettenlängen abgelassen sind

Bild

das Ganze ist eine äußerst laute und staubige Angelegenheit,
Bild

Bild

prüft der Bosun (Bootsmann) die Lage der Ankerkette zur Schiffslängsachse um dieses dann, per Funk, auf die Brücke durchzugeben.
Durch die Lage der Ankerklüse ist es auf dieser Schiffsklasse mit einigen „Turnübungen“ verbunden die Ankerkette –im Bereich der Wasseroberfläche- überhaupt von der Back aus sehen zu können
Bild

Bild





Blick von unten, zur Verdeutlichung der Lage von Ankerklüse und Back
Bild


Nach und nach wird dann jeweils eine weitere Kettenlänge (Schäkel) abgelassen.

Bild

Bild


Nach einiger Zeit des Wartens ob der Anker „hält“, kommt von der Brücke das Kommando den Anker wieder aufzuholen.
Langsam aber sicher wird mir das dann doch zu kalt hier vorne auf der Back und ich beschließe dann die warme Accommondation aufzusuchen. Auf dem Weg zum Deckshaus erzählt mir der Auszubildende, dass wohl gleich ein erneuter Ankerversuch gestartet werden würde. Wenn ich Lust hätte, sollte ich mir das dann doch, von der Brücke aus ansehen, dann würde sich mir auch der Sinn der soeben, auf der Back, erlebten Arbeitsabläufe besser erschließen.

Also: Sechs Stockwerke im Treppenhaus nach oben, raus aus den Winterklamotten und dann noch zwei Stockwerke nach oben auf die Brücke.

Hier begrüßt mich der Kapitän mit den Worten : „Habe ich das richtig gesehen, waren sie vorhin sogar im Vormast um zu fotografieren ?“ Als ich Ihm entgegne, dass ich angesichts der Leiter und der Masthöhe dann doch Muffensausen bekommen habe und der Azubi das übernommen hat, müssen wir beiden dann doch lachen.

Der Kapitän erzählt mir, dass beim ersten Versuch der Anker nicht gehalten hat.

Nun bekomme ich das, gerade ablaufende, zweite Ankermanöver aus Sicht der Brücke erläutert. Es gibt eine Digitalanzeige die nicht nur die Schiffsgeschwindigkeit, über Grund, angibt, sondern auch noch die Schiffsgeschwindigkeit quer zur Fahrtrichtung, jeweils am Bug und am Heck anzeigt.

Anhand der Daten vom Digitalpanel und der, vom Bootsmann, per Funk durchgegebenen Meldungen zu Winkel und ° der Ankerkette, lässt sich so ein guter Rückschluss darauf ziehen ob der Anker hält und ob ggf. noch weitere Ankerkette rausgelassen werden muss.

Nachdem ich mich für diese, äußerst interessanten, Erläuterungen bedankt habe, werde ich vom Kapitän gefragt ob ich denn die heute stattfindende „Kirche“ um ca. 12:00 an der Bar, im Hinterkopf hätte.
Ich hatte schon einiges über dieses „Sonntagstermin“ an Bord von Hapag-Lloyd-Schiffen gehört und freue mich sehr darauf, dieses nun selbst miterleben zu dürfen.

Also geht es für mich runter an die Bar, wo sich schon der größte Teil der Besatzung eingefunden hat. Wenig später kommt auch der Kapitän dazu und es entwickelt sich ein lebhafter Klönschnack über die Dinge die in der vergangenen Woche geschehen sind und das was in den nächsten Tagen so ansteht. Aktuell gehen alle davon aus, dass wir nur kurz vor Anker liegen werden und dann Nach Antwerpen einlaufen werden sobald der Liegeplatz frei ist.

Die „Kirche“ ist also ein, völlig informelles, Zusammenkommen, Sonntags an der Bar, kurz vor dem Mittagessen. Natürlich gibt es auch einen frischgezapften Gerstensaft dazu.

Die Stimmung hier an Bord ist, trotzdem alle schon seit mind. ca. 3 Monaten an Bord sind, ausgezeichnet gut. Man merkt sehr schnell, dass hier eine Crew an Bord ist die sich respektiert und gleichzeitig gut versteht. Ich selbst profitiere sehr davon. Egal wen ich an Bord mit meinen Fragen löchere, jeder nimmt sich viel Zeit um mir diese zu beantworten und füttert mich dann meist noch mit interessanten Zusatzinformationen.


Nach dem Mittagessen begebe ich mich auf meine Kammer, sortiere die Fotos und schreibe etwas am Reisebericht weiter. Die letzten Tage waren derart vollgestopft mit Eindrücken und Erlebnissen, dass ich mir heute mal einen ausgiebigen Mittagsschlaf gönne.


Zum Abendessen geht es wieder hinunter in die Offiziersmesse. Soeben ist die Information an Bord eingetroffen, dass wir nun doch noch länger auf Reede liegenbleiben sollen. Ein Schwesterschiff ist auf dem Weg nach Asien und soll in Antwerpen auf den, für uns reservierten, Liegeplatz gehen. Die Ulsan Express soll dann erst nach Antwerpen einlaufen, wenn das Schwesterschiff dort abgefertigt worden ist. Diese Info sorgt dann doch für einige „lange Gesichter“. Hamburg ist für die meisten Offiziere das Ende dieser Reise. Teilweise hat man schon die Heim- bzw. Urlaubflüge gebucht und man ist, schon heute, um einige Tage hinter dem geplanten Fahrplan zurück.


Am Abend schauen wir in der Lounge der Offiziersmesse,

Bild


gemeinsam einen Film. Ich verabschiede mich dann recht früh und freue mich auf eine Nacht mit viel Schlaf.
Beste Grüße
vom Muschelschubser

Benutzeravatar
muschelschubser
Mitglied
Beiträge: 346
Registriert: Mi 28. Sep 2011, 09:12

Ulsan Express, 16.02. – 22.02.2017, Teil VI

Beitrag von muschelschubser » Mo 24. Jul 2017, 16:48

Ulsan Express, 16.02. – 22.02.2017, Teil VI

Montag 20.02.2017

Morgens beim Frühstück erfahre ich, dass „unser“ Liegeplatz in Antwerpen immer noch frei ist und dass unser Schwesterschiff wohl erst in ca. einer Stunde dort festmachen würde. Alle gehen davon aus, dass wir, wenn wir gestern nach Antwerpen durchgefahren wären, jetzt schon mit den Ladearbeiten fertig und schon wieder unterwegs gen Hamburg wären. Dementsprechend gedrückt ist die Stimmung.

Ich fühle mich ganz stark an viele Situation erinnert die ich an Land erlebte. Immer dann, wenn Planungen zu Arbeits- oder Fertigungsabläufen nicht vor Ort, sondern an einer zentralen Stelle gemacht werden, sorgen diese Planungen doch oft für Unverständnis / Verwunderung bei den Menschen die diese Planungen dann umsetzen sollen ;-)

Die Kommunikationskultur hier an Bord ist so „offen“, dass ich mich dann doch traue von meinen diesbezüglichen Erlebnissen „im Landjob“ zu berichten. Ich habe in meinem Berufsleben beide Seiten der Medaille intensiv erleben dürfen und hoffe somit weiterhin einen unverstellten Blick auf beide Sichtweisen einer Aufgabe zu haben.
Es entspinnt sich ein langer und intensiver Meinungsaustausch zu diesem Thema.


Draußen klart sich der Dunst ein wenig auf

Bild


und ich beschließe mich mit der Kamera zu bewaffnen und an Deck zu gehen.

Bild

Bild


Die Außenreede von Antwerpen ist voll mit Schiffen, egal in welche Himmelsrichtung man blickt.

Bild

Bild

Bild

Bild


Bauteile für die chemische Industrie an der Schelde
Bild


Die Bay direkt vor der Accommondation ist für 45-Fuß-Container vorgesehen. Von dieser Containersorte sind allerdings nur einige wenige an Bord, also hat man diese hier dann auch oben auf 40-füßern gestaut.
Bild

Bild

Bild

Bild



Beim Mittagessen gibt es die neuesten „Gerüchte“ zum weiteren Fahrplan

Bild

und die Info vom Kapitän, dass das Abendessen heute ausfällt und stattdessen ein kleines Barbecue veranstaltet wird. Der Kapitän hat hierfür noch Salzbrenner Currywürdet in der Kühllast „gebunkert“.

Ich kann mein Glück kaum fassen: Die m.E, leckersten Currywürste der Welt, aus meiner Heimatstadt, auf einem Schiff was gerade erst aus Asien zurück ist.

Auf meine Frage hin, ob ich dann für heute Abend ein Fass Bier ausgeben dürfe, bekomme ich zu hören, dass dieses absolut nicht notwendig sei und ohnehin jemand anderes damit „dran wäre“ das nächste Fass Bier auszugeben. Nach einer äußerst humorvollen Diskussion zu diesem Thema wird meinem Wunsch stattgegeben. Augenzwinkern bekomme ich dann zu hören, dass ich dann auch dafür verantwortlich wäre „das Fass dann auch rechtzeitig aus dem Keller zu holen und anzuschließen“. Irgendwie fühle ich mich gerade, wohl nicht ganz zu Unrecht, mächtig „auf den Arm genommen“. Einer der Azubis erklärt sich dann, grinsend, dazu bereit mir beim finden des „Bierlagerkellers“ und dem Anschließen des Fasses behilflich zu sein.

Den Nachmittag verbringe ich damit, mir meine Rückreisemöglichkeiten, von Antwerpen aus, herauszusuchen. Meine ursprüngliche Planung, bis Hamburg mitzufahren, ist durch die Fahrplanänderung hinfällig. Leider habe ich am 24.02. daheim einen Termin der sich nicht verlegen lässt. Gottseidank liegt die Reede so in Landnähe, dass es eine schwache Mobilfunk-Internetverbindung gibt.

Eine halbe Stunde vor Barbecuebeginn gehe ich hinunter in die Offiziersmesse. In der Küche sind die beiden Azubis gerade dabei eine Currysauce nach dem „Spezialrezept“ des Kapitäns zuzubereiten. Salate werden angerichtet und Brot wird gebackten.


Draußen

Bild


ist schon der Grill angeheizt. Durch den, inzwischen stark aufgefrischten, Wind könnte man auf dieser Glut wahrscheinlich auch Stahl zum Schmieden erhitzen.

Bild


Wir gehen das Bierfass holen und schließen dieses an die Zapfanlage an.


Nach und nach füllt sich die Bar
Bild


und die Auszubildenden beginnen mit dem Grillen. Sehr zu meinem Erstaunen schaffen sie es, auf dieser Höllenglut, tatsächlich punktgenau gegrillte Currywürste zuzubereiten. Die Currysauce schmeckt sensationell gut zu den Salzbrenner Würstchen.

Es wird ein langer, sehr interessanter und lustiger Abend an der Bar. Man führt intensive Gespräche zum Thema Teilchen- und Quantenphysik. Ich staune welch immensens Wissen zu diesen , für mich völlig abstrakten, Themen hier an der Bar versammelt ist. Bei einer Zigarettenpause auf dem Freideck frage ich den Chief ob es hier an Bord öfter Diskussionen zu solch komplexen Themen geben würde und erfahre, dass dieses ein Themenbereich wäre der mehrere Besatzungsmitglieder interessiert und man sich auf dieser Reise schon öfter damit beschäftigt hätte.

Ich staune ehrlich, dass sich hochspezialisierte Akademiker, dann nebenher auch noch mit völlig Seefahrts-untypischen Fachbereichen beschäftigen.
Zurück an der Bar, beisst sich die Diskussion am Thema „Ist Wissen Energie ?“ fest. Das ist dann der Punkt wo ich innerlich aus der Diskussion aussteige und mich eher mit dem leckeren Gerstensaft befasse ;-).

Als ich mit dem Kapitän erörtere, dass ich schon in Antwerpen „abmustern“ muss, schaut dieser im Bordoffice nach ob es inzwischen eine Aktualisierung im Fahrplan gibt. Es ist aber alles noch wie gehabt. Der Kapitän empfiehlt mir den Rückflug erst dann zu buchen, wenn absolut klar ist wann wir ankerauf gehen werden.

Später machen dann Erlebnisse aus vergangenen Reisen die Runde. Manche Geschichten sind so abenteuerlich, dass ich mich unwillkürlich frage ob da nicht „Käptn Blaubär“ seine Finger in Spiel hatte.

Es ist weit nach Mitternacht als ich mich, schwerstens „angetüddelt“, auf den Weg in meine Kammer mache.
Beste Grüße
vom Muschelschubser

Antworten